Auch zwei Monate nach Release noch ohne Macht

Star Wars Battlefront II im Test

Auch zwei Monate nach Release noch ohne Macht: Star Wars Battlefront II im Test Auch zwei Monate nach Release noch ohne Macht: Star Wars Battlefront II im Test Foto: EA
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Zwei Monate nach dem Release blicken wir auf den Status Quo zu “Star Wars Battlefront II”: Was ist besser geworden? Was wurde ergänzt? Und was plant das Imperium für die nächsten Monate? Last but not least ringen wir uns (endlich) zu einer Wertung für das viel gescholtene Spiel durch, welche leider noch immer keinen Jedi hinterm Wookie hervorholen kann.

Vor langer Zeit, in einer Galaxie, weit, weit entfernt: Es entbrannte ein Bürgerkrieg aufgrund finsterer Lootboxen, Internet-Rebellen griffen zu Fackeln und Heugabeln und zogen mit viel Wut im Bauch zum großen Imperium von EA. Mittlerweile wurde schon so viel darüber geschrieben: Der laute Aufschrei über die Fokussierung auf Pay-2-Win und Loot-Boxen, der geringe Umfang der Solo-Kampagne und deren dünne, nur schwer nachvollziehbare Handlung rund um Protagonistin Iden Versio, der starke Fokus auf “Grinding”, das mangelnde Teamplay im Online-Modus.

Der zweite Teil von Star Wars Battlefront sollte eigentlich alles besser machen, als der bereits viel gescholtene Vorgänger - und legte zu seiner Veröffentlichung eine Crash-Landung im Sumpf von Dagobah hin. Selbst ein Entwickler-Jedi mit Yoda-Kräften scheint den Karren jetzt nicht mehr aus dem Sumpf ziehen zu können. Oder doch?

Fest steht: Sie lassen es nicht unversucht. Passend zum neuen Kinofilm erschien bereits Mitte Dezember das kostenlose Update “Die letzten Jedi”. Enthalten in den knapp 10 zusätzlichen Gigabytes sind die Helden Finn und Phasma, zwei neue Karten (Crait und D’Qar) und zusätzliche Kapitel für die Solo-Kampagne, welche die einstige Kritik an der Länge zumindest etwas abfedern können. Das nächste große Update steht zum Zeitpunkt dieser Zeilen kurz bevor - und soll erneut gehörig an der Spielbalance feilen.

Verlockungen der dunklen Seite der Macht

Die geballte Kritik an EA mag gut und wichtig sein, sie blendet aber auch gerne die realen Begebenheiten aus. Trotz des kurzzeitig gesunkenen Aktienkurses des Publishers und Verkaufszahlen zur Veröffentlichung, welche EAs Erwartungen nicht erfüllen konnten, dürfte sich Star Wars Battlefront 2 über die letzten Wochen insbesondere im Weihnachtsgeschäft prächtig geschlagen haben. Was nicht zuletzt auch daran liegen dürfte, dass es das Spiel mittlerweile im Angebot zwischen 35 und 55 Euro gibt.

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Genaue Zahlen sind aktuell nur schwer zu finden, eine Meldung aus dem PlayStation Store verrät aber, dass der Titel dort im Dezember den ersten Platz der Download-Charts erobern konnte. Kein Wunder, bei einem kurzzeitig auf 34,99 Euro gesenkten Preis werden selbst die stärksten Jedis schwach und verfallen der dunklen Seite der Macht.

Ob man sich Star Wars Battlefront II nun kauft, oder nicht, wurde dank der Diskussionen der letzten Wochen tatsächlich immer mehr zur Moralfrage. Nicht selten mussten sich Spieler in den Foren anhören, dass sie “schwach” seien, dass sie durch ihre mangelnde Moral indirekt EA und die immer weiter ansteigende Monetarisierung von Spielen (bzw. noch schlimmer: den von vornherein geplanten Eingriff der Monetarisierung in die Spielentwicklung) unterstützen würden.

Bei solchen Verhältnissen ist es wichtiger wie je zuvor klare Trennlinien zu ziehen: Die Kritik am Publisher darf nicht zur Kritik am Spiel werden. Beide Diskussionen müssen getrennt voneinander geführt werden.

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Auf so viel Inhalt wäre selbst Jabba stolz

Wenig Kritik gebührt dem Inhalt von Star Wars Battlefront II, denn der Titel liefert an allen Fronten ab. Arcade-Modus inklusive Splitscreen? Check! Kampagne für Solisten? Check! 16 Karten für den Online-Modus, unzählige Vehikel und Helden? Check! Bereits jetzt gibt es in Sachen Inhalt nur wenig zu meckern - und alle zukünftigen Inhalte sollen kostenlos (!) ins Spiel kommen. Ein Fakt, der bei der ganzen “EA ist gierig!”-Diskussion gerne mal ausgeblendet wird.

Leider haben nahezu alle positiven Seiten des Spiels auch eine Kehrseite. Die Kampagne fängt zwar gut an und hat in den ersten Missionen einige gute Momente, flacht aber viel zu schnell ab. Auch die vermeintlich "großen Wendungen" können niemanden wirklich überraschen. Ebenfalls enttäuschend: Die Spielmechanik tendiert immer wieder in Richtung "Kirmes-Schießbude" ohne Sinn und Verstand. Eine Kampfsequenz mit dem Jedi-Schwert gegen winziges Alien-Gewürm ist sogar unfreiwillig komisch.

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Da könnte ja Jedi kommen!

Irgendwie haben es die Entwickler geschafft, die Faszination des ersten Teils aus dem Spiel zu entfernen. Zwar bleibt Battlefront 2 auf dem Schlachtfeld ein solider Shooter, doch es fehlt an neuen Ansätzen. Es wirkt eher, als wäre der Titel verschlimmbessert. Die verkomplizierte Verwaltung der Helden, Waffen und weiteren freischaltbaren Gegenständen sind aus unserer Sicht absolut unerklärlich. Wieso etwas ändern, was super funktioniert hat? Hier können wir nur die Fokussierung auf Loot-Boxen als Erklärung finden.

Große Gefechte mit 40 Spielern gibt es ebenfalls nur in einem Spielmodus. Auch dieser "Galaktische Angriff" kann um Längen nicht die Qualität des Walker-Assaults aus dem ersten Teil ins Spiel bringen.

Es scheint als hätten sich der Entwickler und vor allem Publisher EA irgendwo in der Entwicklungszeit des Spiels verlaufen und wären auf den dunklen Pfad der Macht geraten. Denn nach zwei Jahren Entwicklungszeit konnte man insbesondere in Sachen Spielmechanik mehr erwarten.

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“Pew, Pew, Pew!”

Sowohl akustisch, wie auch visuell ist Star Wars Battlefront II ein Spiel wie vom anderen Stern. Vom ersten Menü bis ins kleinste Detail des Spiels ist die DNA der Science-Fiction Serie zu spüren. Insbesondere der tolle Soundtrack, die satten Soundeffekte, die super dargestellten Charaktere der Saga und die liebevoll umgesetzte Kulisse des Universums sollten jedem Nerd eine Gänsehaut bescheren.

Professionell und alles andere als Low-Budget: die hervorragende Lokalisierung! Beinahe alle Rollen sind originalgetreu besetzt, darunter Susanna Bonaséwicz als Leia Organa, Reiner Schöne als Kultfigur Darth Vader, Hans-Georg Panczak (Luke Skywalker), Wolfgang Pampel (Han Solo), Tobias Meister (Darth Maul & Yoda) sowie Julien Haggége (Kylo Ren). Das zahlt sich aus!

Die neue Heldin aus der Solo-Kampagne, Iden Versio, wird derweil von Anja Stadlober gesprochen - ihre Stimme kennt ihr von Stars wie Mila Kunis und Emma Stone. 

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Fazit Daniel

Ja, man kann durchaus Spaß mit Star Wars Battlefront II haben. Ist ja auch kein Wunder, schließlich sieht das Ding einfach verdammt hübsch aus, hört sich umwerfend an und lässt sich sogar mit einem Pad in der Hand gut genug steuern, um über die Runden zu kommen.

Dennoch bin ich mir sicher, dass selbst der gewöhnlichste Gelegenheitsspieler nach nur wenigen Stunden im Star Wars Kosmos das Joypad bereits gelangweilt auf die Couch sinken lassen wird: Star Wars Battlefront II liefert zwar viel Inhalt ab, weiß aber an beinahe keiner Stelle wirklich zu überraschen, wirklich zu mitzureißen. Zu vorhersehbar und langweilig ist die Handlung der Solo-Kampagne. Die Story zieht euch genauso wenig mit, wie der xte Action-Flick mit Liam Neeson, oder der xte Teil von “The Fast and the Furious”. Der spielerische Tiefgang des Online-Modus tendiert Richtung “Pfütze in der Badewanne”, die Langzeitmotivation wird vom Zufallselement der Belohnungen komplett torpediert.

 Star Wars Battlefront II bleibt damit ein prächtiger Blender für Casualisten, ein audiovisuelles Brett, ein bildgewaltiges Opus, welches von einer beinahe nicht vorhandenen Expertise zum “Spiel” untergraben wird: Laserschwert-Duelle unter dem Fertigkeitsniveau von Grundschülern, die sich im Wald mit zwei Ästen verprügeln, vollkommen mangelhaftes Verständnis seitens der Entwickler Anreize für “strategisches” Vorgehen und Teamplay zu schaffen, weichgespülte Ballereien sowohl im Online- als auch Solo-Modus und noch vieles, vieles mehr versalzen mir das Salz in der Wookie-Suppe so sehr, dass ich den Zuständigen bei EA am liebsten ein Laserschwert in den Hintern rammen würde.

Ganz im Ernst: Das viele Gerede über Lootboxen wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen, um Star Wars Battlefront II als schlechtes Spiel zu kritisieren. Dafür reicht ein Blick auf einen Darth Vader, der wie im Drogenrausch über das Schlachtfeld fegt und ohne Sinn und Verstand mit seinem Laserschwert durch die verdutzt schauenden, und im miesen Ragdoll-Verhalten über die Karte fliegenden Rebellen schwingt.

Tut euch den Gefallen und lasst dieses Machwerk links liegen. Man muss nicht alles haben, nur weil es “gut” aussieht.

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Fazit Michael

Loot Boxen und Pay-2-Win überschatten das eigentliche Spiel hinter Star Wars Battlefront II. Doch auch das hat mehr versprochen, als es halten konnte. EA hätte gut daran getan, die Veröffentlichung des Titels noch ein paar Monate zu verschieben!

Dass Qualität bei EA zurzeit hinter dem Profit steht, hat zuletzt auch die Veröffentlichung von “Need for Speed: Payback” gezeigt. Immerhin scheint man nun etwas zu tun und die Fehler im Nachhinein zu korrigieren. Star Wars Fans müssen darauf hoffen, dass Battlefront 2 in den nächsten Monaten zu dem Spiel wird, dass sie sich ursprünglich gewünscht haben.

Für EA hingegen scheint mittlerweile gelebtes Motto zu sein: Ist der Ruf mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.

Wertung

Star Wars Battlefront 2 erhält von uns nur 2 von 5 funktionierenden Lichtschwertern, 6 von 10 gekaufte Sternkarten und 65 von 100 enttäuschten Star Wars Fans.

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