Willkommen im Auto-Museum!

Gran Turismo Sport im Test für PlayStation 4

Willkommen im Auto-Museum!: Gran Turismo Sport im Test für PlayStation 4 Willkommen im Auto-Museum!: Gran Turismo Sport im Test für PlayStation 4 Foto: SIE
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Racingfans kommen in diesen Wochen voll auf Ihre Kosten. Nachdem bereits Forza Motosport 7 und Project Cars 2 veröffentlicht wurden, zieht nun Gran Turismo nach. Im neuen Ableger "Sport" stehen serientypisch die Autos und das authentische Fahrgefühl im Vordergrund. Ob der Titel auf der Pole Position landet, verraten wir euch im Test.

Eines vorne weg: Gran Turismo Sport bricht in vielerlei Hinsicht mit seinen Vorgängern. Der neue Titel setzt einen großen Schwerpunkt auf Online-Rennen. Das heißt im Umkehrschluss: Solisten müssen leider auf einen klassischen Karrieremodus verzichten. Zwar bleiben die üblichen Trainingsübungen, Zeitfahren etc. im Repertoire des Spiels enthalten, aber bereits der "Always online"-Drang gibt die Richtung für Sonys neues Rennspiel vor.

Rennen im Netz

Daher kommen wir am besten direkt zum Kern des Spiels: den Online-Rennen. Wenn ihr die Befürchtung habt, dass euch Rennsportrüpel und Spitzenfahrer in euren ersten Duellen gegenüberstehen, dann kann ich euch gleich beruhigen. Sowohl das Matchmaking des Spiels, als auch die Etikette der Spieler haben mir persönlich sehr gut gefallen. Zwar gibt es immer wieder schwarze Schafe, aber die gibt’s bekanntlich auch im echten Rennsport.

Die sehr flüssigen und unkomplizierten Online-Rennen profitieren von der meist guten Verbindung und dem sehr intelligent integrierten Ghosting. Das heißt, dass Fahrer, die mit sehr langsamen Geschwindigkeiten aus dem Kiesbett kommen und die Straße blockieren wollen, kurzzeitig unsichtbar gemacht werden. Somit sind Massenkarambolagen aufgrund solch unfairer Verhaltensweisen die Seltenheit.

Ebenfalls eine positive Überraschung: Die euch zugewiesenen Kontrahenten haben meist ein ähnliches Niveau wie ihr. Gemessen am Fahrerlevel werden hier passende Rennen zusammengestellt, sodass ihr euch meist heiße Duelle mit Fahrern eures Kalibers liefern könnt.

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Solisten üben, üben, üben

Wer kein großer Fan von Online-Rennen ist, der hat in Gran Turismo Sport dennoch genug zu tun. Die unterschiedlichen Übungsspielmodi bringen euch die Grundlagen des Rennsports bei. Angefangen beim richtigen Bremspunkt jagt ihr später über die Kurse um die vorgegebene Zeit zu unterbieten. Leider verlieren die Herausforderungen auf Dauer etwas an Reiz. Schließlich möchte man heiße Kopf-an-Kopf Rennen auf der Piste erleben.

Im Einzelspielermodus bleiben sonst noch die üblichen Modi wie das Zeitfahren, Drift- und Zeittrials oder die Einzelrennen. Eigentlich alles in Ordnung, wäre da nicht ein kleiner Haken: Gran Turismo Sport bietet lediglich 20 Kurse an. Einige davon, unter anderem die Nordschleife, müssen sogar erst noch freigespielt werden. Wieso die Entwickler hier diese Regulation eingebaut haben, werden wir wohl nie erfahren. Allerdings müssen Solisten daher einige Stunden investieren, um alle Strecken freizuspielen.

Kopf an Kopf Rennen in der VR

Im Vorfeld wurde viel über die Unterstützung für Sonys VR-Headset gesprochen. Auch hier müssen leider einige Einschränkungen gemacht werden. Denn GT Sport erlaubt es euch nur in Ein-gegen-Eins-Duellen in der virtuellen Realität anzutreten.

Zudem ist die optische Qualität des VR-Modus vergleichbar, wenn nicht sogar etwas schlechter, als die des bereits im letzten Jahr erschienenen Driveclub VR. Wer sich überlegt, Gran Turismo aufgrund dieser Funktion zu kaufen, dem raten wir eher zum deutlich günstigeren Driveclub.

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#Carporn

Nicht nur im VR-Modus, sondern auch bei den regulären Rennen können sich Autofans an den schön designten Innenräumen der Autos ergötzen. Diese sind originalgetreu nachgebaut und machen optisch einiges her. Das gilt natürlich ebenfalls für die Boliden selbst. Wie frisch aus der Waschstraße und ordentlich gewachst glänzen die Karossen um die Wette.

Und es scheint so, als würde Entwickler Polyphony das neueste Werk nicht nur als Rennspiel betrachten, sondern auch als Hochglanz Automagazin. Denn ihr könnt euch jedes Fahrzeug von jedem Hersteller en Detail in der Galerie anschauen und sogar mit Hilfe des Scapes-Fotomodus die Fahrzeuge in Szene setzen.

So könnt ihr zum Beispiel eines der im Spiel hinterlegten Bilder der New Yorker Skyline, mitsamt Pier im Vordergrund nehmen und euer Lieblingsauto prominent platzieren. Dadurch entstehen teils beeindruckende Bilder und die Verschmelzung echter Fotografien und den digital integrierten Flitzern funktioniert ideal. Ihr könnt euch sogar im Community-Bereich die besten Bilder anschauen und herunterladen und ich garantiere euch: einige dieser Bilder sind wirklich beeindruckend.

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Was ebenfalls viele Autofreaks interessieren wird, sind die jeweiligen Auto-Museen der im Spiel vorhanden Hersteller. Hier könnt ihr die genaue Chronologie des Unternehmens mit all seinen Meilensteinen lernen, alte Fotografien betrachten und im gesamtgeschichtlichen Kontext sehen. So lernt ihr zum Beispiel, dass der erste VW-Käfer zu einer Zeit gebaut wurde, als gerade das Empire State Building in New York fertiggestellt wurde.

Rennspieler fragen nun zurecht: Na und? Was ist mit der Action auf der Piste? Es macht den Eindruck, als hätten die Entwickler sich ein bisschen verrannt. Neben den rund 20 Strecken, die sich auf Dauer wirklich schnell wiederholen, bietet das Spiel lediglich 162 Fahrzeuge. Zum Vergleich: Forza Motorsport 7 hat mehr als 700 Fahrzeuge im petto - dafür aber keine Museen und digitalen Fahrzeugkataloge.

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The Real Driving Simulator

Doch auch die eher geringe Anzahl an Fahrzeugen ist zu verschmerzen, denn Gran Turismo ist, was das Fahrgefühl angeht, ein Brett. Wie von der Serie gewohnt bietet das Spiel ein überaus realistisches Handling der Fahrzeuge und lässt euch das Auto fühlen. Insbesondere ohne Fahrhilfen und mit angeschlossenem Lenkrad ist das Spiel ein Genuss. Das gilt auch für die neuen Offroad-Rennen. Hier bedarf es euch an viel Übung, um die PS effektiv auf den Asphalt, beziehungsweise den Schotter zu bringen.

Auch wenn der Umfang, insbesondere was die Menge an verfügbaren Strecken und Autos angeht, eher dürftig ist, punktet GT Sport wie zu erwarten durch das tolle Fahrgefühl, die hervorragende Technik und die beste Online-Racingerfahrung.

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Fazit

Schade, aber da wäre deutlich mehr drin gewesen. Trotz der super Fahrphysik und dem herausragenden Fahrgefühl stellt sich Gran Turismo Sport hinter der Konkurrenz an. Das liegt insbesondere an der fehlenden Karriere, den geringen Offline-Möglichkeiten, sowie dem Umfang der Rennstrecken und Autos.

Hätte es Polyphony in den sage und schreibe vier Jahren der Entwicklung geschafft, den Umfang in die Höhe zu schrauben, wäre GT Sport für lange Zeit ein Rennsportspiel, an dem sich die Konkurrenz hätte messen müssen. Der Scapes-Modus und die detaillierten Informationen über Autos und Hersteller und Community-Features sind tolle Boni, die die Verfehlungen des Umfangs aber leider nicht gänzlich auffangen können.

Gran Turismo Sport erhält von uns 80 von 100 freigeschalteten Boliden, 4 von 5 erfolgreiche Drifts und 8 von 10 Fahrerpunkten.

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