Sechs zauberhafte Tage im Big Apple

Lisas letzter Tag – Wallstreet, 9/11 Memorial und Tribute Center

Sechs zauberhafte Tage im Big Apple: Lisas letzter Tag – Wallstreet, 9/11 Memorial und Tribute Center Sechs zauberhafte Tage im Big Apple: Lisas letzter Tag – Wallstreet, 9/11 Memorial und Tribute Center Foto: Lisa Harings

Study at the Beach 2016: Wer bloggt hier? Study at the Beach 2016 Wer bloggt hier? Zum Artikel » Lisa (23) studiert ab Januar 2016 ein Semester in Kalifornien. Es wird das größte Abenteuer ihres Lebens. Vorher hat sie eine Woche lang mit ihrer Freundin Maxi New York erkundet.

Für unseren letzten Tag in New York haben wir uns nicht viel vorgenommen. Wir wollen die Stadt ein letztes Mal auf uns wirken lassen und in vollen Zügen genießen. Das einzige, was heute auf unserem Plan steht, ist der Besuch des Financial Districts und des 9/11-Memorials.

Battery Park: Blendende Aussicht auf die Freiheitsstatue

Nach einem traditionellen Frühstück in unserem Lieblingscafé "Lula Bean" fahren wir mit der U-Bahn zum Battery Park an der Südwestseite Manhattans, von wo aus man einen guten Blick auf die Freiheitsstatue hat. Vom Hafen aus kann man mit der Staten Island Ferry kostenlos zur Überfahrt ansetzen und kommt im Vorbeifahren sehr nah an die Freiheitsstatue.

Eine Bootsfahrt dauert uns heute zu lange, deswegen genießen wir die Aussicht vom Hafen aus. Hier herrscht Ruhe. Ein Schiff zieht vorbei und man sieht ein paar Spaziergänger. Die Sonne wärmt unser Gesicht. Heute ist es immerhin nicht so kalt wie in den vergangenen Tagen.

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Wall Street und Charging Bull

Bei einem kleinen Zwischenstopp bei Starbucks entdecken wir plötzlich etwas: wiederverwendbare Coffee-to-go-Becher mit passendem "XOXO"-Aufdruck! Maxi und ich sind beide Gossip Girl-Fans, so dass wir uns die Becher als Andenken an unseren New York-Trip natürlich sofort mitnehmen müssen.

Mit unseren Bechern bummeln wir den Broadway entlang, wo übrigens auch der Charging Bull zu sehen ist. Der Charging Bull wurde 1998 von dem Künstler Arturo di Modica als Symbol für den Optimismus und die Stärke des Volkes nach dem Börsencrash 1986 erschaffen.

Unser Weg führt auf die weltbekannte Wall Street. Die Straße sieht an diesem Morgen aus wie eine ganz normale Straße an einem Wochentag. Viele geschäftige Leute in Anzug und Kostüm laufen an uns vorbei. Unser Blick wandert nach rechts in die Broad Street. Dort fällt uns ein Gebäude auf, das großräumig abgesperrt ist und von Sicherheitskräften bewacht wird: Die New York Stock Exchange! Die Börse wird auch Wall Street genannt, weil sie sich an gleichnamiger Straße befindet.

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Wichtigstes Sightseeing-Erlebnis unserer New York-Reise: Das 9/11-Memorial und Tribute Center

Vor meiner Reise nach New York wusste ich, dass ich mir das 9/11-Memorial unbedingt ansehen möchte. Und tatsächlich: An diesem Tag soll sich herausstellen, dass es der wichtigste Sightseeing-Punkt unserer Reise ist. Wer das nicht erlebt hat, hat New York nicht richtig kennengelernt.

Als wir am Memorial ankommen, herrscht Stille. Wir bewegen uns langsam auf den Platz. Wir schweigen. Es ist ein komisches Gefühl, hier zu sein.

Ich habe die Anschläge damals im Fernsehen gesehen. Ich war erst neun und hatte keine Vorstellung davon, was da gerade eigentlich passierte. Und nun stehe ich selbst genau an der Stelle, an der es damals passierte. Mir läuft ein Schauer über den Rücken bei dem Gedanken an die schrecklichen Geschehnisse dieses Ortes. Wie in Zeitlupe bewegen wir uns über den Platz, trauen uns nicht zu sprechen.

Das Memorial ist frei zugänglich. Mit dem Explorer Pass, den wir uns am dritten Tag gekauft haben, haben wir die Wahl zwischen Aussichtsplattform im neuen One World Trade Center oder Eintritt in das nahegelegene Tribute Center, eine Art Galerie und Museum. Wir entscheiden uns für das Tribute Center.

9/11-Tribute Center: Eine ganz persönliche Führung von Menschen, die ihre Erinnerungen an 9/11 teilen

Lisas letzter Tag – Wallstreet, 9/11 Memorial und Tribute Center - image/jpeg Das neue One World Trade Center Das 9/11-Memorial und dahinterliegende One World Trade Center zu sehen, ist schon beeindruckend. Draußen zu stehen, an der Stelle, wo vor 15 Jahren solch ein tragisches Unglück passiert ist, ist sehr bewegend. Was aber noch wichtiger ist, ist die geführte Tour des Tribute Centers. Menschen, die in irgendeiner Form die damaligen Ereignisse persönlich erlebt haben, führen die Gruppe über das Memorial. Sie erklären nicht nur die Bedeutung der Gedenkstätte, sondern erzählen auch ihre eigene Geschichte.

Wir werden von Rita und Harold geführt. Rita hatte nach den Anschlägen das Bedürfnis zu helfen. Da das einzige, was sie anbieten konnte, Kochen war, stand sie mehrere Monate 12 Stunden täglich in der Kantine und kochte für all die freiwilligen Helfer. Es sind im Übrigen über 500.000 Menschen aus der gesamten Welt angereist, um nach den Anschlägen zu helfen.

Harold war Feuerwehrmann, hatte sowohl 1993 als auch 2001 am Tag der Anschläge frei und musste einspringen. Als er auf die Feuerwache kam, erfuhr er, dass er soeben 66 seiner Kollegen auf einen Schlag verloren hatte. Er litt vier Monate unter den Folgen seines Einsatzes.

Was wir durch die beiden erfahren, ist emotional, bewegend und wertvoll. Sie zeigen uns die Bedeutung jedes einzelnen Details am Memorial. Für die beiden ehemaligen Twin Towers wurden zwei riesige Wasserbecken eingelassen, die weit in die Tiefe ragen. Wie zwei inverse Türme. Das Wasser fällt an den Wänden dort hinab und fließt ins Innere. Wasser verbindet alle Kulturen. "Everybody likes to touch water", erklärt Rita. Und das ist hier auch erlaubt: Das Wasser zu berühren, wenn man es möchte.

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Um die Becken herum sind auf langen Tafeln die Namen aller Opfer eingraviert. Die Gravierung folgt einem logischen Prinzip: Familienmitglieder stehen immer nebeneinander. Auch Kollegen, die im selben Büro gearbeitet haben, sind einander zugeordnet. Ich bekomme eine Gänsehaut. Die Gravierung ist so gewählt, dass die Platte niemals zu heiß oder zu kalt ist, um sie zu berühren. So können die Menschen jederzeit ihre Hand auf einen Namen legen. Das einzige, was vielen nur noch von ihren verstorbenen Angehörigen oder Freunden bleibt. In zwei Namen sehen wir eine weiße Rose, die jemand hinterlassen hat. Rita erklärt uns die Bedeutung der weißen Rose: Diese Person hat heute Geburtstag.

Die Wasserbuchten sind umrahmt von Bäumen. Sie markieren die ursprünglichen Umrisse der Twin Towers. Ebenso gibt es noch ganz viele andere neue Bäume. Sie werden mit einem volldigitalisierten, unterirdischen System auf Bewässerung und Status kontrolliert und gepflegt.

Lisas letzter Tag – Wallstreet, 9/11 Memorial und Tribute Center - image/jpeg Der "Survivor Tree" ist der einzige überlebende Baum. Es gibt einen einzigen Baum, der 9/11 überlebt hat. Er wird "survivor tree" genannt. Man fand ihn sechs Wochen nach den Anschlägen bei den Aufräumarbeiten. Der Baum besaß noch einen einzigen lebendigen Ast. Außerhalb von New York wurde der Baum wieder vollständig rehabilitiert und konnte 2010 wieder am Memorial eingepflanzt werden.

Rita erzählt, wie sie den 11. September 2001 und die Zeit danach erlebt hat. Der weiße Rauch stand monatelang über der Stadt und erinnerte sie mit seinem beißenden Geruch an den Tod. Der Tag hat ihr Leben verändert. Sie geht heute mit einer unglaublich dankbaren und warmherzigen Haltung durchs Leben. Jedem einzelnen unserer Gruppe zollt sie Respekt und Dankbarkeit für unsere Teilnahme an der Führung. Sie sei bewegt von all den Menschen, die nach so vielen Jahren immer noch täglich kommen und die Tour besuchen.

Nach der Führung begleitet uns Harold zurück ins Tribute Center. Wir plaudern ein wenig abseits der Tour und er teilt uns seine Begeisterung für die Deutschen mit, weil sie so viel reisen.

Im Tribute Center sehen wir uns die Ausstellung in der Galerie an. Viele persönliche Gegenstände sind hier zu sehen, die aus den Trümmern geborgen wurden, darunter Flugtickets, Schlüssel, Portemonnaies, Schuhe, die Uniform eines verstorbenen Feuerwehrmannes. Auch die Vermisstenplakate, die nach den Anschlägen in der ganzen Stadt zu finden waren, sind hier aufgehangen. Letzte Worte von Mailboxnachrichten werden zitiert, persönliche Geschichten erzählt. In einem Raum gibt es eine Wand, an der von jeder verstorbenen Person ein Foto hängt.

Maxi und ich sehen uns betroffen an. Ich muss mir verkneifen, nicht in Tränen auszubrechen. Dieser Tag unserer New York-Reise ist der bewegendste und härteste aller Tage. Gleichzeitig bin ich unglaublich froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, weil sie so wertvoll ist und unsere Reise unheimlich bereichert. Ich sehe New York nun mit ganz anderen Augen und bin dankbar. Die Stadt ist hat für uns schon viele persönliche Erfahrungen in den vergangenen Tagen bereitgehalten, nun ist sie nur noch menschlicher für mich geworden.

Unser Abschied von New York: Central Park und "Roast Kitchen"

Es ist bereits Spätnachmittag, als wir das Tribute Center verlassen. Bewusst haben wir diese Erfahrung auf den letzten Tag gelegt und uns danach nichts mehr vorgenommen. Wir müssen nun erst einmal verarbeiten, was wir erlebt haben. Maxi und ich entscheiden, in den Central Park zu fahren, und dort spazieren zu gehen. Es ist bereits dunkel geworden, als wir aus der U-Bahn steigen. Das macht nichts, denn bei Nacht haben wir unseren Lieblingspark bisher noch nicht erlebt.

Unseren Abend lassen wir bei "Roast Kitchen" ausklingen, das wir jetzt schon sehr vermissen werden! Wir haben das Healthy-Fast-Food-Restaurant am Vortag entdeckt und uns schwer verliebt. Ich kann gar nicht glauben, dass das unser letzter Abend ist. Ich genieße jeden Bissen mit vollen Zügen und versuche mir vorzustellen, dass wir uns bereits morgen um diese Zeit im sonnigen Kalifornien befinden werden. Alle Bilder unseres letzten Tages findet ihr in der Bilderstrecke.

Lisa Harings (23) schreibt auf TONIGHT.de darüber, wie sie es geschafft hat, ihr Auslandssemester komplett alleine auf die Beine zu stellen und teilt all die Momente, Eindrücke und verrückten Erlebnisse, die ihr in ihrem Auslandssemester und auf dem Weg dorthin begegnen werden. Alle Texte von Lisa findet ihr auf TONIGHT.de/travel!

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