Britischer Humor ist auch nicht mehr das, was er mal war

Yooka-Laylee im Test für Xbox One

Britischer Humor ist auch nicht mehr das, was er mal war: Yooka-Laylee im Test für Xbox One Britischer Humor ist auch nicht mehr das, was er mal war: Yooka-Laylee im Test für Xbox One Foto: Playtonic Games

Knallige Bonbonfarben, wallende Wiesen, ausladende Bergmassive und bewegliche Plattformen, wohin das Auge reicht: Yooka-Laylee bringt den virtuellen Trampolinpark aus unserer Kindheit zurück auf den Bildschirm und bietet mit der Kombination aus Echse und Fledermaus ein schlagkräftiges Duo, welches sich in Sachen Charme nicht vor ihren Urgroßvätern Banjo und Kazooie verstecken muss.

Doch der Trip down Memory Lane offenbart nicht nur Positives: Yooka-Laylee zeigt ebenso, warum 3D-Jump'n'runs mittlerweile fast vollkommen von der Bildfläche verschwunden sind. Legt euch ein N64-Pad auf die Augen, lehnt euch zurück und folgt uns unauffällig in ein Land schräger Töne, verrückter Charaktere und knuffiger Melodien.

Roots, Bloody Roots

Yooka-Laylee ist vielen Bereichen ein wiederbelebtes Relikt aus alten Zeiten: Die Entwickler Playtonic Games setzen sich aus vielen Ex-Rare-Mitarbeitern zusammen, also den Jungs, die uns zu N64-Zeiten goldene 3D-Jump'n'runs wie Banjo Kazooie, Banjo Tooie oder Donkey Kong 64 beschert haben.

Kein Wunder also, dass das Versprechen diese gute, alte Zeit wiederzubeleben, sofort auf ein offenes Ohr seitens der Spieler traf: Der Kickstarter zu Yooka-Laylee erreichte sein gesetztes Ziel von 175.000 Pfund Anfang Mai 2015 binnen 38 Minuten, das hoch angesetzte Traum-Ziel von 1.000.000 Pfund binnen 21 Stunden. Am Ende der Kickstarter-Zeit kamen letztendlich über 2.000.000 Pfund zusammen – und katapultierten Yooka-Laylee an die Spitze der erfolgreichsten Videospiel-Kickstarter-Projekte.

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Nach zwei Jahren Entwicklungszeit haben wir Yooka-Laylee nun also vor uns: Ein Titel, der nicht müde wird die 90er zu zitieren, der uns bereits im Ladebildschirm mit lustigen Phrasen wie „Käme dieses Spiel auf Modul, würdet ihr jetzt keinen Ladebildschirm mehr sehen“ anlächelt. Vieles sind Zitate, vieles zugedrückte Augen, aber auch eine kleine Spur Sarkasmus zwischen den Zeilen: Die Entwickler mögen diese "brave new" Videospielwelt scheinbar nur bedingt. Aber ist der Rückschritt zurück zu den Anfängen der 3D-Welt wirklich der richtige Schritt?

Seite an Seite

Die Handlung des Spiels liest sich wie der erste Drogenrausch eines überzuckerten Teenagers: Die böse Biene "Capital B" und ihr Handlanger "Dr. Quack" versuchen sämtliche Literatur der Welt mit einem riesigen Staubsauger aufzusaugen und kommen dabei auch an das von Echse Yooka und Fledermausfreund Laylee geschätzte, "magische Buch", dessen Seiten bei der Aktion quer durch die Welt verstreut werden.

Jetzt liegt es an euch diese Seiten wieder aufzusammeln: Insgesamt gibt es 147 "Pagies" zu finden, 25 davon in jeder der fünf Hauptwelten, sowie 22 in der Hub-Welt "Hivory Towers", bzw. dem Startgebiet "Shipwreck Creek".

Im Kern bleibt Yooka-Laylee also den Zielen der Vergangenheit treu: Sammelt euch doof und dämlich, erbeutet neben den Pagies zusätzlich noch bis zu fünf Geister pro Welt, und sammelt munter Federn, um an neue Fertigkeiten zu kommen.

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"Ssssssurück in die Ssssssukunft"

...würde wohl "Trowzer" sagen, die coole und immer hilfsbereite Schlange, welche es fertig gebracht hat sich in eine kurze Hose zu rollen und unaufhörlich mit einem riesigen Mobiltelefon durch die Gegen telefoniert. Trowzer ist der erste Charakter, auf den ihr auf eurem Abenteuer treffen werdet – bei ihm schaltet ihr über die gesamte Spielzeit immer neue Fertigkeiten frei.

Die erste Welt, "Shipwreck Creek", eingebettet in einen Flußlauf, ein kleines Piratenschiff und das Außengelände des riesigen Hivory Towers, dient als kurzes Tutorial: Hier lernt ihr die wesentliche Fortbewegung – und seid gleich ein wenig erstaunt darüber, wie unpräzise sich einige Sprünge anfühlen. Dass die Steuerung Murks ist, ginge vielleicht etwas zu weit – aber die Kontrolle über das knuffige Duo aus Echse und Fledermaus fühlt sich nie so präzise an, wie man es sich wünschen würde.

Richtig fies wird es, wenn die ersten Fertigkeiten gelernt worden sind: Eingerollt könnt ihr steile Abhänge hinaufkullern und müsst dabei teils extrem präzise an Fallen und Abgründen vorbei manövrieren – nicht selten verwirrt euch das seltsame, eigentlich kaum vorhandene Momentum der Rollbewegung. Sprünge in der Rollbewegung gehen anfangs so gut wie immer daneben.

Nervig bis unnötig: Das Rollen verschwendet Energie – ist diese aufgebraucht, hat es sich ausgekullert. Und das gerne mal, wenn ihr es am wenigsten gebrauchen könnt. Diese Kopplung der Fertigkeiten an die Energieleiste - und somit ein unsichtbares Zeitlimit - fühlt sich unnötig aufgezwungen an: Das Energie-Management erfordert in den seltensten Fällen wirklich Skill, ist gebunden an nervige Wartezeiten (die Energie füllt sich automatisch wieder auf) und ist mechanisch alleine für diverse „Wettrennen“ nötig – das hätte man anders lösen können.

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Mit den ersten eingesammelten Pagies öffnet ihr im Hivory Tower die erste Welt "Tribalstack Tropics", ein tropisches Paradies aus in der Luft schwebenden Inseln. Der Clou: Jede Welt lässt sich mit den eingesammelten Pagies einmal "erweitern". Beim Wiedereintritt in die Welt begrüßen euch dann vollkommen neue Gebiete, neue Geheimnisse und neue Boss-Gegner.

Schade: Ausgerechnet die Hub-Welt "Hivory Towers" hat so gut wie keinen Charme, ist eingebettet in eine extrem hässliche, industrielle Umgebung und darüber hinaus noch vollkommen unübersichtlich und labyrinthartig aufgebaut.

Mächtige Kreativität, maue Witze, miese Mechaniken

Je weiter man Yooka-Laylee auf seine Grundbestandteile herunterbricht, desto offensichtlicher wird, dass hier etwas nicht stimmt: Unterhalb der großartigen Oberfläche von bunten und kreativ gestalteten Welten, einem wirklich fantastischen Soundtrack und vielen kreativen Ideen – zum Beispiel das toll umgesetzte Erweitern der Level, die Verwandlungsmaschinen und vieles mehr – findet sich eine dicke Schicht Unfähigkeit das Erdachte auch mechanisch ansprechend umzusetzen.

Beispiele gefällig?

Beispiel 1: Gleich in der ersten Welt, nach der ersten Erweiterung, müsst ihr eine Rampe zu einer mies gelaunten Mauer hinaufrollen, die euch mit herabrollenden Baumstämmen davon abhalten will nach oben zu gelangen. Die Baumstamme rollen dabei in drei verschiedenen Rollmustern den Abhang hinunter – was die Aufgabe durchaus komplex gestalten würde, könntet ihr nicht einfach über die Baumstämme hinüber springen. Die Rollmuster sind deshalb eigentlich komplett unnötig.

Nervig: Werdet ihr weit oben von einem Stamm getroffen, rutscht ihr automatisch die Rampe hinab – und mit etwas Pech genau in die vorherigen Baumstämme hinein. Will heißen: Der Verlust kostet euch beinahe die halbe Lebensleiste. Unten angekommen erwartet euch dann ein noch fieserer Gegner: Die Kamera! Ständig schwängt diese nach vorne und wieder nach hinten – bis euch so schwindelig ist, dass ihr die Mauer und ihre Baumstämme am liebsten links liegen lassen würdet.

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Beispiel 2: Der coole Pixel-Dino "Rextro" lädt euch zu einigen Arcade-Games ein, die sich alternativ übrigens auch mit bis zu vier realen Spielern bestreiten lassen. Doch der Spaßfaktor säuft auch hier schnell ab: Bereits das erste Minispiel, eine Art Micro Machines, also ein Rennspiel aus der Vogelperspektive, ist einfach nur ganz großer Murks.

Die Kameraperspektive ist von viel zu weit oben gewählt, was das Manövrieren über den Kurs vorbei an winzigen Hindernissen beinahe unmöglich macht – mal ganz abgesehen von der miesen Steuerung, beinahe unmöglichen Abkürzungen und einer vorgegebenen Rundenanzahl, welche euch schnell graue Haare wachsen lässt.

Kurz: Die Zeit, die man in die Minispiele von Rextro's Arcade gesteckt hat, hätte man besser in das eigentliche Spiel stecken sollen, denn hier hapert es noch an vielen Ecken und Enden.

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Beispiel 3: Verwandlungen. In jedem Level könnt ihr euch ein bestimmtes Kostüm überstreifen, in der ersten Welt beispielsweise verwandelt ihr euch in eine Blume, um die anderen Pflanzenkollegen mit pubertär veranlagten Sprüchen zu bestäuben. Was sich schon ausgeschrieben nach einer doofen Idee anhört, präsentiert sich im Spiel als aberwitzig schlechtes Rumgehüpfe, welches euch schnell den letzten Nerv kostet.

Ganz egal ob Minispiele, Verwandlungen oder diverse Rätsel: Viele Aufgaben in Yooka-Laylee fühlen sich im besten Fall unfertig, im schlimmsten Fall als extrem nervtötend und zeitraubend an. Zum Glück gibt es beinahe genauso viele positive Beispiele, welche den Titel dann doch wieder interessant machen: Alleine die ersten und zweite Welt bieten euch ein buntes Potpourri aus unterschiedlichsten Aufgaben, die tatsächlich viel Spaß machen.

Schade: Die späteren Welten können mit dieser Qualität dann nicht mehr mithalten - und finden ihren tragischen Tiefpunkt ausgerechnet in der optisch sehr schön umgesetzten Casino-Welt. Da ist es gut zu wissen, dass ihr nicht alle Pagies finden müsst, um das Spiel zum Abschluss zu bringen. Spieler mit Vervollständigungs-Fimmel müssen sich jedoch auf eine harte Zeit mit vielen Frustmomenten einstellen.

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Fazit

Meine im Daddel-Wort noch euphorisch klingende Laune hat sich nach dem ersten Durchspielen von Yooka-Laylee definitiv etwas gesetzt. Zu viele Ärgernisse, zu viele Frust-Momente liegen hinter mir – und teils sogar der Wunsch die verlorene Zeit mit etwas „besserem“ vollbracht zu haben, als hundertmal von der gleichen, verdammten Plattform in den Abgrund zu fallen.

Nicht falsch verstehen: Yooka-Laylee macht Spaß und ist insbesondere für viele „Retro-Fans“ ein lohnenswerter Trip zurück in die Anfangstage der 3D-Jump'n'runs – diese können auch über die nervige Kamera und viele unausgegorene Mechaniken hinwegsehen, sollten aber durchaus eine gewisse Frust-Resistenz mit sich bringen. Umso positiver fallen das visuelle Design, der fabulöse Soundtrack und so einige lustige Aufgabe aus dem Kritiktopf heraus.

Vorsicht ist für alle geboten, die noch nie ein 3D-Jump'n'run gezockt haben und praktisch ohne das Vorwissen der Generation "N64" an den Stoff herangehen: Ihr werdet hier ein nur auf den ersten Blick knuffiges Spiel vorfinden, das extrem schnell frustriert und dem im Laufe des Abenteuers gehörig die Puste ausgeht.

Die angesprochenen Fehler, insbesondere die teils mangelhafte Kameraführung und einige undurchdachte Spielmechaniken, sowie die leicht schwammige Kontrolle über die Spielfiguren, lassen uns letztendlich dann doch einige Seiten aus dem großen, magischen Wertungsbuch herausreißen und im virtuellen Kaminfeuer verbrennen:

Yooka-Laylee erhält von uns 69 von 100 Federn, 3 von 5 ssssssiemlich miesssssen Gagssss und 6 von 10 frustriert an die Wand geschmissene Joypads.

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