Mit Drogenbaronen im Sandkasten

"Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands" im Test

Mit Drogenbaronen im Sandkasten: "Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands" im Test Mit Drogenbaronen im Sandkasten: "Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands" im Test Foto: Ubisoft
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Eine schier endlose Spielwelt, ein Drogenkartell und eine Spezialeinheit, die komplett auf sich alleine gestellt ist. Das sind die Voraussetzungen für das neue Ghost Recon-Spiel von Ubisoft. Das ambitionierte Projekt möchte den alten Glanz der Serie wieder aufleben lassen. Ob das funktioniert, dass verraten wir euch im Test.

Unentdeckt pirschen wir uns in ein feindliches Lager voller Handlanger des Kartells, um die Zielperson zu extrahieren und in Sicherheit zu bringen. Durch sorgfältige Vorbereitung sind die Standorte der Gegner bekannt, mein Team zum Zugriff bereit. Sobald ich das Zeichen gebe gibt’s reichlich bleihaltige Luft. Kurz noch die Schalldämpfer aufsetzen und los geht’s.

Genau so kann eine erfolgreiche Mission in "Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands" aussehen. Ziemlich cool eigentlich. Denn das Beschriebene geht einfach von der Hand und ist für jedermann zugänglich. Gepaart mit der Info, dass dies kooperativ mit bis zu vier Spielern funktioniert, sollten einige Action-Fans in Ekstase geraten. Doch halt. Es ist nicht alles Gold was glänzt.

Oh du schönes Bolivien

Bleiben wir aber erst einmal positiv. "Ghost Recon Wildlands" bietet eine riesige Spielwelt inklusive einem ganzen Batzen Nebenmissionen, Collectibles und Upgrades. Ihr könnt Stunden durch die Welt fahren, oder mit dem Hubschrauber fliegen, ohne euch im gleichen Territorium zu bewegen.

Ebenfalls löblich: die technische Umsetzung der bolivianischen Provinzen. Trotz der enorm großen Karte sehen Dörfer, Vegetation und Landschaft sehr gut aus, sodass sich Wildlands nicht vor der Konkurrenz verstecken muss.

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Doch kommen wir nun zur Kehrseite der Medaille: Trotz der Fülle an Aktivitäten (teils dynamisch in Form von Drogen-Konvoys) artet das Spiel schnell in Arbeit aus. Denn die Nebenmissionen und zu infiltrierenden Lager lassen sich alle auf die gleiche Art und Weise erobern. Hat das Team einmal die richtige Herangehensweise gefunden, lassen sich alle Missionen nach dieser Blaupause mit Leichtigkeit absolvieren.

Was in den ersten 10 bis 20 Stunden im Spiel motiviert und sich richtig gut anfühlt, wird zur störenden Pflicht. Leider sind sowohl die für die Hauptgeschichte relevanten, als auch die Nebenmissionen, zu eintönig. Die im Verlauf des Spiels freigespielten Waffen und Modifikationen schaffen hier immerhin etwas Abhilfe.

Der Feind ohne Gesicht

All das wäre noch zu verzeihen, wäre die Geschichte des Spiels nur etwas packender und besser inszeniert. Zwar werdet ihr mit einem gut gerenderten Intro ins Spiel entlassen, danach sinkt das Niveau leider stark ab. Zwischen Dialogen, Audiofiles und kurzen Skripsequenzen bekommt ihr die sehr austauschbare Geschichte aufgetischt.

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Positiv hingegen die Gegner-KI. Während offener Konfrontationen suchen die Gegner geschickt Deckung und schießen scharf. Blindes Stürmen endet damit selbst auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad unweigerlich mit dem Tod.

Teamwork ist König

Daher solltet ihr euch auf Teamwork verlassen. Wenn ihr keine Freunde habt, mit denen ihr über das Internet spielen könnt, müssen eure KI-Kumpanen herhalten. Diese machen Ihren Job auch durchaus gut, beleben euch wieder, oder knipsen treffsicher den einen oder anderen Drogendealer aus.

Ebenfalls wichtig: das richtige Equipment. Die Drone zum Ausspähen, Minen und Ablenkungsgranaten sind nur einige der smarten Helfer die euch zur Verfügung stehen – vorausgesetzt ihr schaltet sie im Talentbaum frei. Mit Hilfe eurer Teamkameraden, dem technischen Schnick-Schnack und einem ruhigen Abzugsfinger wühlt ihr euch also durch die Hochburgen des Kartells bis niemand mehr steht – sofern ihr die Ausdauer dafür habt.

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Fazit

Ehrlich gesagt ist es nicht so einfach "Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands" zu bewerten. Zum einen macht das Spiel wirklich eine Menge Spaß, insbesondere wenn man mit mehreren Spielern im Team unterwegs ist und die Missionen taktisch angeht. Andererseits wird das Spiel nach einiger Zeit doch sehr eintönig.

Die gewaltige (zugegebener Maßen sehr schöne) Spielwelt bietet eine Fülle an Nebenmissionen. Diese zu bewältigen, jedes Icon auf der Karte abzuarbeiten und dann auch noch bei der Hauptgeschichte an der Stange zu bleiben erfordert jede Menge Selbstdisziplin.

In Sachen Spielmechanik und Technik macht das Spiel nahezu alles richtig. Zukünftig würden die Entwickler aber gut daran tun, die typische Ubisoft-Sandbox etwas zu schrumpfen und ein größeres Augenmerk auf Abwechslung, Storytelling und Atmosphäre zu setzen.

"Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands" erhält von uns 4 von 5 hochgenommene Drogenlabore, 75 von 100 gefundene Sammelobjekte und 7 von 10 befreite Provinzen.

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