Gestatten: Sommer-Hit 2015

Rocket League im Test für PlayStation 4

Gestatten: Sommer-Hit 2015: Rocket League im Test für PlayStation 4 Gestatten: Sommer-Hit 2015: Rocket League im Test für PlayStation 4 Foto: Psyonix

Stefan Raab hat es vorgemacht, Psyonix legen nach: In "Rocket League" rast ihr mit maximal 4 gegen 4 Spielern über den grünen Rasen und spielt Auto-Fußball.

Ach, Rocket League. Ich könnte dich in den Arm nehmen, dich liebkosen, dich knuddeln und wuddeln. Spiele wie Rocket League erscheinen heutzutage viel zu selten und bringen es noch seltener zu solch einer Popularität. Tatsächlich redet aktuell kaum ein Spieler mehr über ein anderes Thema: Rocket League hier, Rocket League da. Das ganze Internet ist voll damit!

"Autoball Extrem!" Rocket League - Screenshots 19 Fotos

Knapp 4500 positive Steam-Reviews, knapp 35.000 Facebook-Likes und – zumindest laut offiziellem Twitter – stolze 179.000 Spieler, die gleichzeitig online gewesen sind und damit den bisherigen Rocket League Rekord aufgestellt haben. Das sind Zahlen, denen wir wohlgemerkt nur zwei Wochen nach der Veröffentlichung am 7. Juli 2015 entgegenblicken. Zugegeben: Das Sommerloch tut sein übriges, um Rocket League in den Hitlisten nach ganz vorne zu schießen.

Die tapferen Entwickler von Psyonix ließen in den letzten Tagen sicher öfters die Sektkorken knallen, denn ihr Spiel erobert nicht nur die Herzen der Spieler, sondern auch die großen Bühnen im Internet: Twitch und YouTube werden geradezu überschwemmt von Wiederholungen und Live-Streams. Selbst erste E-Sport-Tendenzen zeichnen sich ab, erst kürzlich nahm die ESL (Electronic Sports League) den Titel in sein Programm auf. Dem offiziellen Rocket League E-Sports Kanal folgt ihr am besten über diesen Link auf Twitter.

Bei all dem Hype wurde es längst Zeit, dass auch meiner einer endlich zum Joypad greift und der Raketenliga mal ordentlich auf die Räder schaut: Hat Rocket League dicke Bälle, oder habt ihr es morgen bereits wieder vergessen? Mexikaner-Hut auf, Test ab!

Tutorial

Bevor ich euch mit auf's Feld schleife, hier erst mal die extrem schnell verständlichen Regeln von Rocket League: In einer rechtwinkligen Arena tretet ihr im 1vs1, 2vs2, 3vs3 bis hin zum 4vs4 gegeneinander an. Sowohl Team Blue, als auch Team Red greifen dabei auf Fahrzeuge zurück, die ihr euren Wünschen nach anpassen könnt. Wichtig: Die Fahreigenschaften werden nicht verändert, ebenso müsst ihr euch keine Gedanken über Extra-Waffen und sonstigen Tinnef machen.

Das Ziel des Spiels: Bolziert den riesigen Techno-Ball ins feindliche Tor. Ganz egal wie. Komplexe Regeln wie Abseits, Einwurf und Elfmeter überlassen wir den Fußball-Kollegen. Ein Match dauert 3 Minuten, bei Gleichstand geht’s in den „Sudden Death“-Modus: Hier entscheidet das erste Tor über den Sieg.

Gas geben, Bremsen, Driften für enge Kurven, Boosten für den kleinen Extra-Kick und Springen, das sind alle eure Optionen auf einen Blick. Die Steuerung ist schnell verständlich und – wichtiger – eingängig, griffig und auf den Punkt perfekt. Noch besser: Rocket League offenbart euch nach wenigen Stunden ein großes Verbesserungspotential eurer Fertigkeiten. Mit jedem Match lernt ihr neue Finten und Möglichkeiten der Ballkontrolle hinzu.

Oder um es auf Blizzard'isch zu sagen: "Easy to learn, hard to master." Ein Mantra, an welchem sich bereits viele Entwickler die Zähne ausgebissen haben, während Psyonix den Spruch mit Leichtigkeit auf den Kunstrasen bringen. Daumen hoch!

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Dicke Empfehlung meinerseits: Schließt vor Spielbeginn unbedingt das Tutorial ab! Hier erfahrt ihr nicht nur alles über die Steuerung, sondern erhaltet auch erste Tipps zu den eher fortgeschrittenen Mechaniken: Nutzt den Doppelsprung und den Boost, um eure Karre in der Arena quer durch die Luft zu befördern. Versucht euch an der schnellen Vorwärts- und Seitenrolle, um zusätzliches Momentum für den Abschuss aufzubauen, oder den Ball in letzter Sekunde aus eurem Tor zu fischen, und nutzt die Seitenwände um an allen Gegner vorbeizurasen.

Wichtig: Per Boost und Doppelsprung vorwärts könnt ihr den Ball binnen weniger Sekunden quer über das Spielfeld ins gegnerische Tor befördern: Zielen will gelernt sein! Doch Vorsicht, der Boost braucht sich auf! Auffüllen könnt ihr euren Nitro-Vorrat durch das Überfahren von kleinen, leuchtenden Kugeln auf dem Spielfeld.

Wer übrigens mit aufgeladenem Boost mitten in einen Gegner hinein kracht, zerstört diesen in einem grellen Feuerball – die einzige Möglichkeit auf dem Spielfeld mal etwas Frust abzubauen. Doch keine Sorge: Wenige Sekunden später erscheint der Gegner wieder heil in seiner Spielhälfte und darf sofort wieder ran.

Das erste Match

Im „Exhibition“-Modus geht es dann ins erste Match gegen K.I. Bots: Während die vom Computer gesteuerten Kollegen auf der ersten Schwierigkeitsstufe noch viele Fehler machen, entpuppt sich die K.I. auf höheren Stufen als erstaunlich vielseitig und gewieft.

Eine Warnung gleich vorab: Für Offline-Solisten ist Rocket League nicht geeignet, zu schnell werden die Matches gegen die K.I. langweilig. Richtig glänzen kann der Titel erst im wahnwitzigen Spiel „Mano a Mano“.

Und hier hat Psyonix wirklich an alles gedacht: Vierspieler-Splitscreen, entweder 2vs2 gegeneinander, oder alternativ sogar mit Bots (zum Beispiel vier Spieler gegen vier Bots) und natürlich Online im „Spaß“-Match, oder im „Ranked“-Modus. Letzterer funktioniert übrigens nur mit maximal sechs Spielern: Das chaotische 8-Mann-Gebolze hat keinen eigenen Ranked-Modus abbekommen.

Noch besser: PC-Spieler dürfen mit PS4-Daddlern gemeinsam per Crossplay zocken. Einzig die Verbindung mit Freunden auf der jeweils anderen Plattform funktioniert noch nicht, soll laut der Entwickler von Psyonix aber zu einem späteren Zeitpunkt integriert werden. Apropos zusätzliche Inhalte: Zukünftige Arenen und Download-Inhalte will Psyonix erstmal kostenlos ins Spiel bringen. Eine erfreuliche Nachricht!

Wichtige Info nebenbei: Rocket League ist für PlayStation Plus Abonnenten aktuell kostenlos. Und glaubt mir, wenn ich sage: Es gibt wirklich keinen Grund sich dieses Spiel nicht sofort herunterzuladen! Wenn ihr das also gerade lest und euch denkt: „Jau, gute Idee!“, steht am besten sofort auf und TUT ES. Jetzt! Hopp Hopp!

Splitscreen-Freuden

Dieses Wochenende hatte ich das Glück endlich mal wieder mit einer Truppe von Freunden daheim vor dem Fernseher zu sitzen. Und in eben solchen Situation scheint Rocket League hell am Horizont der Vierspieler-Spiele: Der Splitscreen funktioniert perfekt und die Übersicht ist selbst auf den kleineren Bildschirmen stets gewährleistet.

Zwei Dinge helfen bei der Übersicht ungemein: Die Kameraperspektive des Spiels ist schlicht perfekt und die Farbgebung der Arenen und Fahrzeuge tut ihr übriges. Wo ich anfangs noch gezweifelt habe, ob man bei der hohen Spielgeschwindigkeit nicht doch Probleme bekommen könnte, sich auf den Ball zu konzentrieren, zeigt Psyonix mit einem kleinen Kniff, dass jegliche Zweifel unbegründet sind: Per Tastendruck wechselt ihr die Kamera von einer „Hinter dem Fahrzeug“-Perspektive auf die „Fokus auf den Ball“-Perspektive. So entgeht euch der riesige Techno-Ball selbst dann nicht, wenn er hoch über euch durch die Luft segelt.

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Die Farbgebung hingegen zeigt euch immer genau an, wo ihr seid und wo ihr hingehört: Die Spielhälfte des blauen Teams ist entsprechend mit blauen Farben verziert und sogar der Ball wechselt seine Beacon-Farbe je nachdem, in welchem Teil des Spielfelds er gerade herum kullert. Es sind Dinge wie diese, welche den Titel trotz seiner Einfachheit und der schlichten Spielmechanik so meisterhaft und vollendet erscheinen lassen.

Noch ein kurzes Wort zum Soundtrack: Passend zur Techno-lastigen Umgebung und dem Art-Design tritt auch die Hintergrund-Musik eher Techno- und Bass-lastig auf, verzückt aber mit einigen äußerst netten Vocals und Rhythmen. Muss man nicht mögen, ist aber auch lange nicht aufdringlich genug, um daraus einen Negativ-Punkt abzuleiten. Hinter diesem Link könnt ihr mal in einige der Stücke hineinhören.

„Kinder streiten sich um den Ball“ vs. „Taktische Meisterleistung“

Irgendwann ist Schluss mit lustig: Mit dem Einstieg ins Ranked-Play werden die Matches zunehmend taktischer. Erst hier zeigt sich auch, welche Finesse wirklich in Rocket League steckt: Flankt euch den Ball zu, holt die mechanische Kugel aus der Luft oder zwirbelt die Techno-Sphäre in letzter Sekunde mit einer Peppy Hare'schen Barrelroll aus eurem Kasten heraus.

Während sich die Mitspieler in den ersten Online-Matches noch wild um den Ball prügeln – beinahe wie Kindergarten, wenn alls Kids wie in Rage auf den einen Ball zustürmen und alle gleichzeitig dagegen treten – dürft ihr später strategischer vorgehen: Bleibt auch mal in eurer Hälfte zurück, um die Situation besser beobachten zu können, oder versucht euch gar als Torhüter, um euren Tor-Vorsprung nicht binnen weniger, unachtsamer Sekunden dahinsiechen zu sehen.

Tipp: Mit dem Digital-Steuerkreuz könnt ihr den Team-Kollegen einige rudimentäre Ansagen übermitteln. Nutzt dies für eure Kommunikation aus!

Bis zum Horizont und noch viel weiter!

Bei einer Dauer von 3 Minuten pro Match gehört „Rocket League“ ebenso wie Nintendo's Splatoon eher in die „Wird jeden Abend für 'ne Stunde eingeworfen“-Schublade, als dass es euch über Wochen und Monate mehrere Stunden täglich vor den Bildschirm fesseln könnte.

Immerhin ist die Motivation allen voran für die ersten 15 bis 25 Stunden extrem hoch: Die eingängige Spielmechanik ist ebenso spaßig wie süchtig-machend, das Freischalten von neuen „Klamotten“ für eure Wagen und die Jagd nach Achievements kommen noch obendrauf.

Ja, richtig gelesen: Wer will darf seine Karossen mit lustigen Hüten ausstatten, oder am Heck eine Länderflagge in den Nationalfarben wehen lassen. Nebenbei entscheidet ihr euch für diverse Blau- und Orange-Töne, diverse Muster, Karossen und Felgen, um euch auf dem Feld auch modisch zu beweisen. Ich gehe davon aus, dass Psyonix den Katalog an bislang über 150 freischaltbaren Goodies in Zukunft noch stark erweitern wird.

Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wie die Zukunft von Rocket League tatsächlich aussehen wird: Reicht es zu einem langfristigen E-Sport-Titel, oder ist die Raketenliga nur ein kurzfristiges Phänomen?

Zum Abschluss noch fix eine weitere Kritik, die jedoch nicht Entwickler Psyonix selbst, als vielmehr Sony betrifft: Viele Spieler klagten in den Anfangstagen (mal wieder) über extrem miserable Netzwerk-Verbindungen, inklusive langen Warteschlangen, unzähligen Ausfällen und mehr.

Ob die Situation auf PC genauso schlimm ist, wage ich zu bezweifeln: Der Ansturm der Spieler dürfte vor allem am kostenlosen PS Plus Download liegen, ebenso wie die Ausreizung der Server. Ich persönlich konnte am letzten Wochenende keinerlei Fehlverbindungen feststellen.

Fazit

Rocket League ist das so ziemlich spaßigste Spiel des Jahres für mich und überholt in dieser seltenen „In fünf Minuten kapieren, sofort los daddeln und Spaß haben“-Kategorie sogar meinen jüngsten Liebling „Splatoon“.

Zugegeben: Inhaltlich gibt es außer einigen äußerst schick in Szene gesetzten Arenen und unterschiedlichen Wagen-Karossen nicht viel, was euch länger an die Konsole fesseln könnte. Muss es aber auch nicht, schließlich ist die Spielmechanik selbst schon motivierend genug, um jegliche „äußerliche“ Belohnung für unnütz zu erklären.

Für PlayStation Plus Abonnenten ist Rocket League im Juli 2015 kostenlos erhältlich und dabei ein absoluter „No-Brainer“. Doch selbst PC-Spielern, die aktuell mit knapp 20 Euro recht tief in die Tasche greifen müssen, sei der Titel nicht nur empfohlen, sondern regelrecht aufgedrängt: Mehr Spaß werdet ihr in diesem Sommer in keinem anderen Spiel finden.

Rocket League erhält von uns 4 von 5 Turbo-Boosts, 9 von 10 schnieken Mexikaner-Hüten und 91 Prozent puren, unverfälschten Spielspaß.

Hinter diesem Link findet ihr Rocket League gleich auf Steam, und hier geht’s lang zum PlayStation Network Auftritt.

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Knappfo-Box:

  • Titel: Rocket League
  • Hersteller & Publisher: Psyonix / Sony Computer Entertainment
  • Kosten: im Juli kostenlos für PS Plus Abonnenten, ca. 20 Euro
  • Plattform: PlayStation 4, PC
  • Genre-Einordnung: Action / Sports
  • Vergleichbar mit: Autoball. Genau. Der Sport vom "Raab".
  • Perspektive: 3D
  • Worum geht’s?: Rasen, Überschlagen, Hupen, Schießen
  • Spieleranzahl: 1 bis 4 Spieler lokal (Splitscreen), bis zu 8 Spieler online
  • Eingewöhungszeit: 5 Minuten
  • Langzeitmotivation: Hoch
  • Schwierigkeitsgrad: Easy to learn, hard to master.
  • Sprache: Englisch
  • Kaufen?: Ja!!!!