Der Widerspenstigen Zähmung

Project CARS im Test für Xbox One

Der Widerspenstigen Zähmung: Project CARS im Test für Xbox One Der Widerspenstigen Zähmung: Project CARS im Test für Xbox One Foto: Bandai Namco Entertainment

Die lange Wartezeit hat sich gelohnt: Mit Project CARS steht eine der wohl authentischsten Rennspiel-Simulationen seit langer, langer Zeit endlich im Regal. Doch der Spaß ist nicht für jedermann geeignet.

Womit ich gleich den Bogen zu meiner Person spannen kann: Project CARS ist nichts für mich. Ein seltsamer Einstieg für einen objektiven Test? Lasst mich etwas weiter ausholen: Um ein Spiel objektiv testen zu können, bedarf es nicht nur motorischen Geschicks, sondern auch eines tiefen Einblicks in das Wesen eines Spiels. Und das Wesen von Project CARS ist für Simulations-Anfänger wie meiner einer vor allem eines: Widerspenstig!

Frisch poliert Project Cars: Screenshots 47 Fotos

Dementsprechend muss ich mit diesem Test leider ein absolutes Novum für meine redaktionelle Karriere einleiten und mir selbst eingestehen: Objektiv kann ich Project CARS nicht bewerten. Doch langsam, zurück auf Los.

Gleich vor Spielbeginn habt ihr die Wahl zwischen drei Schwierigkeitsgraden, welche auch die Steuerung der Boliden, den Realismus-Grad – zum Beispiel den Totalausfall eurer Boliden bei zu viel Schaden – und die künstliche Intelligenz des Fahrerfelds bestimmen. Ich schwanke lange zwischen dem leichtesten und dem mittleren Schwierigkeitsgrad, entscheide mich aber letztendlich für die goldene Mitte. Wird schon. Bin ja nicht aus Pappe.

Kurz zu meiner persönlichen Rennspielkarriere: Eigentlich bin ich großer Fan von Arcade-Racern, konnte mich aber auch stets mit Titeln wie Gran Turismo, Grid Autosport und Co. anfreunden. Ich liebe Rally-Spiele, halte den Xbox-Klassiker "RalliSport Challenge 2" noch immer in Ehren, habe auch mit aktuellen „Sims“ wie „Dirt Rally“ und „Eurotruck Simulator 2“ meinen Spaß. Worauf ich hinauswill: Ich habe bereits einige Karren und Trucks über virtuelle Straßen gepeitscht, sicher nie auf Profi-Niveau, aber ich habe mir zumindest zugetraut auch in Project CARS irgendwie, irgendwann, irgendwo Land zu sehen.

Gras drüber wachsen lassen

Wie sich bereits nach einem Rennen herausstellt: Ich lag falsch. Project CARS ist ein Biest von einem Spiel, dessen Joypad-Steuerung selbst nach mehreren Konfigurationsversuchen meinerseits so ungewohnt reagiert, dass das saftige Grün abseits der Strecke zu meiner neuen Heimat wird. Die Boliden übersteuern, untersteuern, brechen aus und wollen selbst bei zaghafter Bedienung nicht ruhig auf der Strecke bleiben: Mein erstes Rennen mit einem der Formel 1 Boliden ist so katastrophal, dass ich kaum daran denken kann jemals eine klare Linie zu finden.

Vielleicht hilft hier tatsächlich ein Lenkrad weiter, doch die zusätzliche Hardware hat ihren Preis: Aktuell reicht die Preisspanne von ca. 85 bis weit über 300 Euronen für ein entsprechendes Set-up aus Lenkrad und Pedalen. Sicher kein Preis, den jeder Spieler bereitwillig – zusätzlich zum Anschaffungspreis von Project CARS - auf den Tisch legen würde. Die Steuerung per Xbox One Pad ist jedoch schlicht zu ungenügend umgesetzt, um den Titel vernünftig spielen zu können.

Es dauert stolze 10 Rennen, bis ich meinen ersten Wagen erwische, der sich tatsächlich von meinen ungeschulten Händen zähmen lässt: Mit dem Ford Focus RS schaffe ich es das erste Mal auf dem Kurs zu bleiben und mehrere Runden über den detailgetreuen Hockenheim Ring zu fahren. Gleichzeitig hasse ich es, dass mir Microsoft und Co. die vermaledeite Rückspulfunktion in Rennspielen mittlerweile fest anerzogen haben: Dementsprechend hoch ist der Frust, wenn ich vom ohnehin miesen, dreizehnten Platz in der letzten Runde zurück auf den letzten Platz fällt, nur weil sich Madame Focus mal wieder im Schotter drehen musste.

Richtig gelesen: In Project CARS wird nicht an der Zeit gedreht, dementsprechend schwerwiegend fallen Fehler aus. Blicken wir auf die Sonnenseite: So spannend waren die Rennen schon lange nicht mehr. Tatsächlich hocke ich mit schweißnassen Händen vor dem Fernseher, verfluche mein eigenes Ungeschick und freue mich gleichzeitig über jeden Boliden, den ich mit fairen Mitteln überholen konnte. Platz 13 ist da ein persönlicher Sieg, der es leider nicht bis über die Ziellinie schafft.