Riga – stylisch meets bodenständig meets Bier

48 Stunden in der lettischen Szenestadt

Riga – stylisch meets bodenständig meets Bier: 48 Stunden in der lettischen Szenestadt Riga – stylisch meets bodenständig meets Bier: 48 Stunden in der lettischen Szenestadt Foto: Andreas Vieten

"Riga? Das ist im Osten oder? In Tschechien? Oder Island? Ach was, in Lettland?! Was willst du denn da?" Dass Ostmetropolen noch immer mit gewissen Vorurteilen zu kämpfen haben, habe ich spätestens mit der Ankündigung meines Wochenendtrips nach Riga begriffen. Da ist es kalt, da ist es hässlich und da trinken alle Leute den ganzen Tag Vodka – so lauten die gängigen Klischees. Nach meinem 48-stündigen Selbsttest kann ich jetzt aber feierlich verkünden: Stimmt ja gar nicht! Gut, kalt war es schon, aber ansonsten ist Riga vor allem eins: wahnsinnig cool! Woran das liegt und was man unbedingt sehen sollte, verrate ich euch hier!

Szenestadt Riga Ein Wochenende bei den netten Letten 26 Fotos

Mit fast 700.000 Einwohnern ist die lettische Hauptstadt etwa so groß wie Düsseldorf und die größte Stadt des Baltikums. Sie liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Russland und Schweden und hat sich scheinbar aus beiden Ländern die kulturellen Rosinen rausgepickt: Skandinavien liefert Lässigkeit, Modernität und Szenecharakter, Russland Mützenmode und Bierpreise. Sounds fair to me! Der EU sei Dank ist eine Reise nach Riga außerdem ganz ohne bürokratischen Aufwand möglich – einreisen darf man ganz einfach mit dem Perso und Euro nehmen sie da auch!

Aktivitäten

Das moderne Leben Rigas spielt sich hautsächlich in der Altstadt rechts des Flusses ab. Hier gibt es zahlreiche Geschäfte, Restaurants, Bars, Museen und alles was das Touri-Herz sonst noch so begehrt. Meine Empfehlung ist definitiv der Markt, der sich über vier riesige Hallen erstreckt. Zu kaufen gibt es hier von Fassbier in PET-Flaschen über Schweinenieren und Schnürsenkel bis hin zu Plunderteilchen und Baumwollschlüppern alles, was man sich nur vorstellen kann. Und auch wenn man nichts kauft, lohnt sich ein Besuch allein schon wegen der authentischen Atmosphäre.

DSC04638 (1) - image/jpeg Der Markt - Ein Paradies für Kraut-Fetischisten

Auch einen Schnappschuss wert ist die lettische Nationaloper mitten in der Stadt. Wer einen besonders starken kulturellen Aktionismus verspürt, kann die nicht nur von außen betrachten, sondern sich sogar eine richtige Vorstellung gönnen. Artsy wie wir sind, haben wir das natürlich auch gemacht! Für nur 5 Euro pro Person (zugegebenermaßen auf den hintersten Plätzen) gab es eine minimal langatmige, aber trotzdem ganz schöne Dornröschen-Aufführung des lettischen Staatsballetts. Muss man ja schließlich auch mal gemacht haben! Und wenn man schon mal in der Nähe ist, kann man von den Standing Ovations dann auch direkt in den Kneipenabend übergehen.

Nightlife

Für sein florierendes Nachtleben ist Riga scheinbar international bekannt, was wohl an den vergleichsweise günstigen Bierpreisen liegt. In Reiseführern wird man oft sogar vor herumprügelnden englischen Sauftouristen gewarnt. Die haben wir allerdings nicht gespottet. Stattdessen haben wir einige wunderbare Bars voller friedliebender Studenten entdeckt. Besonders zu empfehlen ist die French Bar, die einen halben Liter Bier für 2 Euro verkauft und Schnaps, der schmeckt wie Apfelkuchen. Wenn Alkohol euch allgemein schnell zu Kopfe steigt, solltet ihr euch vorher in einem Pub eine Portion "kiploku grauzdini" gönnen. Das ist frittiertes lettisches Brot, das so fettig ist, dass es sämtliches Bier aufsaugt und so viel Knoblauch enthält, dass der Barkeeper in Ohnmacht fällt, wenn ihr versucht, euch ein neues zu bestellen.

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Essen

Traditionellerweise scheint lettisches Essen vor allem deftig und fettig zu sein. Besonders beliebt ist alles mit Fleisch, alles aus Kohl und alles, was vorher in Essig eingelegt wurde. Besonders günstig und authentisch bekommt man diese Art von Gerichten in den Markthallen – und lecker ist es sogar auch! Wer es lieber etwas moderner hat, der findet in der Altstadt unzählige, hippe Alternativen in jeder Preiskategorie. Jede Menge stylische Restaurants und Pubs verkaufen vegane Burger, edle Steaks oder frische Suppen aus den aktuellen Superfoods der Stunde. Die Preise sind dabei ähnlich wie in Deutschland.

DSC04725 - image/jpeg (Black) Balsam für die Seele! Meine persönliche Empfehlung ist das Bistro Terra, wo man sich aus verschiedenen Zutaten seine eigenen Food-Boxen zusammenstellen kann. Wirklich lecker und supergünstig: Für zwei Hauptgerichte mit Getränken haben wir etwa 12 Euro bezahlt. Auch zu empfehlen ist das Café Black Magic. Hier gibt es neben allem, was mit Schokolade zu tun hat, auch das lettische Nationalgetränk Black Balsam in all seinen Variationen. Mit der gemütlichen Einrichtung und den als antike Milchmädchen (oder sowas ähnliches) verkleideten Bedienungen ist das Café an sich scheinbar schon eine so große Attraktion, dass alle 10 Minuten eine ca. 20-köpfige Touristen-Gruppe hereinstürmt und arglosen Gästen Kameras ins Gesicht rammt. Kann man bei dem Kuchen aber auch mal drüber wegsehen.

Also: Auf in den Norden mit euch! Ryanair fliegt von Köln/Bonn aus ab 20 Euro und Hotels gibt’s auch quasi geschenkt. Es lohnt sich. Versprochen!