"Ich bin dann mal weg"

Menschenfreund auf der Suche nach Gott

"Ich bin dann mal weg": Menschenfreund auf der Suche nach Gott "Ich bin dann mal weg": Menschenfreund auf der Suche nach Gott Foto: Warner Bros. GmbH
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Hape Kerkelings Bestseller "Ich bin dann mal weg" läuft jetzt im Kino. Hauptdarsteller Devid Striesow ist großartig, doch der Wohlfühl-Film bleibt an der Oberfläche.

Auf die Frage, worin eigentlich die Kunst von Hape Kerkeling besteht, könnte man dieses antworten: in seiner Menschenfreundlichkeit. Kerkeling mag die Menschen, er mag dieses unsichtbare Aroma, das als Atmosphäre und Stimmung über den Köpfen steht, wenn viele von ihnen zusammensitzen und erzählen. Er beobachtet die Menschen, und weil er das schon sehr lange tut, weiß er, wie sie ticken, was sie zum Lachen bringt und was sie anrührt.

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Die Regisseurin Julia von Heinz hat sich genau angesehen, wie das Prinzip Kerkeling funktioniert, und deshalb trifft ihre Verfilmung des Erleuchtungsbuchs "Ich bin dann mal weg" den richtigen Ton. Fünf Millionen Mal hat sich der heiter-melancholische Bericht über eine Wanderung auf dem Jakobsweg seit 2006 verkauft. Kerkeling schildert, wie er nach Hörsturz und Gallenblasen-OP zu sich selbst fand.

Heinz gibt den Inhalt des Buches episodisch wieder, sie zeigt Herbergssuche, Hader über verwanzte Betten und die gelegentliche Flucht ins Hotel. Und sie schneidet Rückblenden dagegen, die Kerkelings Ruhrpottjugend erzählen: Tod der Mutter, Aufwachsen bei "Omma Bertha", die Lust am Spaßmachen und mit 19 Jahren schließlich der Einstieg beim Fernsehen.

Zusammengehalten und austariert wird das alles vom großartigen Devid Striesow in der Rolle des Hape Kerkeling. Striesow hat sich die Mimik Kerkelings antrainiert, er schaut wie Kerkeling, mit dieser versonnenen Mischung aus Vergeblichkeit und Zuneigung, und nach ein paar Minuten geht er in dem Vorbild geradezu auf.

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Das ist ein Film zum Wohlfühlen, und das ist denn vielleicht auch das einzige, allerdings elementare Problem, das man mit diesem Film haben kann. Er bleibt harmlos, er stößt nicht vor bis zum Grund der Dinge. Ihm fehlt ein Kern, das spirituelle Zentrum. Die Schmerzen und der innere Kampf, den Kerkeling auf diesen 769 Kilometern mit sich selbst ausgetragen hat, kommen kaum zur Sprache. Die Regisseurin scheut sich, das Ziel dieses Weges zu erwähnen, und dieses Ziel ist doch eigentlich nicht Santiago de Compostela. Sondern Gott.

"Ich bin dann mal weg", Deutschland 2015, 92 Minuten, Regie: Julia von Heinze, mit: Devid Striesow, Martina Gedeck

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Quelle: RP