Der Widerspenstigen Zähmung

Project CARS im Test für Xbox One

Der Widerspenstigen Zähmung: Project CARS im Test für Xbox One Der Widerspenstigen Zähmung: Project CARS im Test für Xbox One Foto: Bandai Namco Entertainment

Der Preis der Freiheit

Die Struktur von Project CARS ist extrem offen und belohnt euch nur in Form von freigeschalteten Achievements: Innerhalb des Spiels lassen sich keine neuen Autos, oder Kurse freischalten. Anstelle dessen habt ihr gleich zu Beginn Zugang zu allen Inhalten des Spiels: Das begräbt Anfänger wie mich unter einer Fülle von Optionen, die man anfangs nicht mal im Ansatz einzuordnen weiß. Daran könnte ich mich noch gewöhnen, was jedoch fehlt, ist der rote Faden: Motivationsschübe durch das Freischalten neuer Inhalte fehlen komplett und lassen mich schnell ratlos vor dem Bildschirm zurück. 

Die Anzahl an Kursen ist fulminant ausgefallen, von Hockenheim über den Nürburgring, von Dubai bis zum Willow Springs International Raceway in den USA, von Rundkursen bis zu Punktrennen (Kalifornien, Südfrankreich). Alleine bis ihr alle Strecken gefahren seid, dürften Wochen vergehen.

Von Hockenheim bis nach Monza Project CARS: Alle Strecken auf einen Blick 32 Fotos

Rein visuell klaffen teils große Abgründe zwischen den Strecken, einige Texturen abseits der Straße fallen gar steinzeitlich hässlich aus. Als ich auf dem kalifornischen Highway kurz innehalte und rechts ran fahre, um einen See und ein kleines Dorf näher zu betrachten, stellen sich mit die Nackenhaare auf: Das hier hat mit „Next Gen“ so viel zu tun, wie Diesel mit Super Plus. In starken Kontrast zur Umgebungsgrafik treten die Wagenmodelle, die sich wirklich blicken lassen können. 

Und wo wir gerade bei der Grafik sind: Sowohl die Xbox One Version, als auch die PS4-Fassung haben mit teils starken Framerate-Einbrüchen zu kämpfen, welche das Geschehen insbesondere bei Regen und hohem Fahrzeugaufkommen zur Diashow mutieren lassen. Wer die Wahl und die entsprechende Hardware verbaut hat, sollte sich Project CARS am besten auf PC zulegen. Immerhin eines muss man der Konsolenfassung lassen: Dank der integrierten Grafik-Optionen lässt sich der Titel auch hier stark modifizieren, so dass ihr einige Frames mehr aus Xbox One und PlayStation 4 herauskitzeln könnt.

Persönlicher Tipp: Stellt den „Bloom“-Quatsch am besten gleich aus und erfreut euch an etwas realistischeren Farben und Licht-Effekten.

Leider haben auch das Interface und die Menüstrukturen außerhalb der Rennen Makel. Winzige Schriftfonts lassen mich von der weit entfernten Couch die Augen rot reiben, während der Wulst an Optionen nur ungenügend angesteuert und aufgefunden werden kann. Als ich in der Steuerungsbelegung versehentlich einen Knopf neu belege, kann ich den Steuerungsreset ums Verrecken nicht auffinden und bin zum Neustart des Spiels gezwungen. So etwas nervt und demotiviert, mag aber auch an meiner eigenen Dummheit liegen. Es sind viele, unnötige Stolpersteine wie dieser, welche Project CARS noch komplizierter machen, als es ohnehin schon ist.

Der Anfang einer (kurzen) Karriere

Die Karriere ist offen gestaltet, will heißen: Nachdem ihr euch für einen Fahrernamen und eine Nationalität entschieden habt, dreht sich alles rund um festgelegte Events im Renn-Kalender. Alleine wer das Design des Kalenders verbrochen hat, gehört meiner bescheidenen Meinung nach auf ewig in ein Kart gesperrt.

Die Events sind in verschiedene Tiers unterteilt, welche im Wesentlichen Rücksicht auf die PS-Anzahl der Rennwagen nehmen: In Tier 8 seid ihr in Karts unterwegs, Tier 4 wartet mit Formel 1-, GT- und ersten Prototyp-Karossen auf und in Tier 1 dürft ihr euch an seltenen Le-Mans-Boliden versuchen. Wer sich jetzt denkt: „He, fangen wir klein an! Ich wähle zuerst die Kart-Rennen!“, der wird sich schnell verfluchen. Die kleinen Karts sind alles andere als „handzahm“ und steuern sich – insbesondere für Neu-Anfänger – katastrophal über die eng begrenzten und kurvigen Rundkurse. Kein guter Einstieg!

Groß ist die Anzahl an Kamera-Perspektiven: Wer – wie meiner einer – gerne mit Sicht auf den kompletten Boliden fährt, sollte sich jedoch schnell umorientieren. Die besten Perspektiven für Project CARS liegen innerhalb des Auto vergraben, entweder aus der reinen Cockpit-Sicht, oder aus der Sichtfeld-erweiternden Helm-Kamera heraus. Alternativ greift ihr zur Stoßstangen-Perspektive, welche das ohnehin großartige Geschwindigkeitsgefühl nochmal gehörig aufmotzt.

Ein großes Lob, welches ich Project CARS selbst an Anfänger machen kann, ist die hervorragende Sound-Kulisse. Während die Wagengeräusche für mich zu den größten Negativ-Punkten im PlayStation 4 exklusiven Driveclub gehörten, haben die Slighty Mad Studios bei Project CARS alles richtig gemacht! Ohrenbetäubende Motorengeräusche, scheppernde Crashs und das Quietschen der Reifen auf dem Asphalt brennen sich schnell in euer Trommelfell.

Wie immer hätte ich mir noch einen alternativen Soundtrack gewünscht, der sich im Rennen dazu schalten lässt – für eine Simulation wie Project CARS wäre dies aber wohl so etwas wie Gotteslästerung, schließlich geht es hier um Motorengeräusche, nicht um launige Rock- oder Techno-Tracks.