Welcome to the East!

Marlenas Erasmussemester in Prag

Welcome to the East!: Marlenas Erasmussemester in Prag Welcome to the East!: Marlenas Erasmussemester in Prag Foto: Marlena Schönfeld

Tschüss NRW – hallo Osten! Unsere Kollegin Marlena Schönfeld hat das Essen in unserer Kantine einfach nicht mehr ertragen und ist deshalb Ende September für ein halbes Jahr nach Prag gezogen ;-). Dort studiert sie nun ein Semester lang an der Univerzita Karlova, der größten und ältesten Universität Tschechiens. Auf TONIGHT.de berichtet Marlena regelmäßig von ihren Erfahrungen mit den Tschechen, dem Prager Studentenleben und allem, was sechs Monate Erasmus sonst noch so zu bieten haben.

"Die Tschechen beschweren sich gerne und lieben ihr Bier" – das war die Kernaussage der Vorlesung über tschechische Kultur, die meine Uni zum Start des Erasmus-Semesters veranstaltete. Während die Südamerikaner um mich herum sich noch verwirrte Blicke zuwarfen, sammelten sich in meinen Augen bereits Tränen der Rührung. Ja, in diese Kultur würde ich mich schnell einfinden können!

IMG_20161007_130541 - image/jpeg Prag von oben und Bäume von der Seite.

Mein Name ist Marlena, ich bin 24 Jahre alt und studiere Medienwissenschaft im Master an der Uni Bonn. Die Entscheidung, das dritte Semester im Ausland zu verbringen, stand für mich eigentlich schon zu Beginn des Studiums fest. Neben dem Kantinen-Essen in der Redaktion und der generellen Ödnis der Stadt Bonn war es vor allem der Gedanke an das Leben in einem fremden Land und einem internationalen Umfeld, der mich in die tschechische Hauptstadt lockte (das hab ich zumindest meiner Mama gesagt, eigentlich geht es natürlich nur ums Bier).

An- und Unterkunft

So begab ich mich Ende September also auf eine lustige 10-stündige Zugfahrt mit der Deutschen Bahn (Kosten: DB-untypisch schnapperhafte 34,60 EUR, Abfahrt: Bonn Hbf, Ankunft: Prag Hlavní Nádraží). Da dies bereits mein zweites Erasmussemester ist (2013 war ich schon mal für ein halbes Jahr in England. Ihr wisst schon, damals, als das noch zur EU gehörte), hatte ich bereits eine gewisse Vorstellung von dem, was mich erwarten würde. Die Nervosität hielt sich also noch in Grenzen.

Das lag wohl auch daran, dass ich mir meine Wohnung schon im Vorfeld über eine Facebook-Gruppe namens „Flatshare in Prague“ organisiert hatte. Diese Art der Wohnungssuche kann ich allen Kurzzeit-Auswanderern nur empfehlen – unkomplizierter und einfacher kann man das Ganze wohl nicht anstellen: Nach etwa 3 Tagen suchen und ca. 15 Facebook-Nachrichten war ich stolze Untermieterin eines riesigen, möblierten Zimmers in einer Vierer-Altbau-WG in der Prager Innenstadt – perfekt angebunden an die Uni, diverse Sehenswürdigkeiten und ein großes Angebot an Bars, Pubs und Restaurants. Hätte schlimmer kommen können!

IMG_20161009_174821 - image/jpeg Romantischer Sonnenuntergangs-Blick aus meinem Fenster in den Innenhof.

Erste Erkenntnisse

Etwa zwei Wochen und gut elf Hangover ist meine Ankunft in Prag nun her. In dieser Zeit habe ich bereits gelernt, ohne Google Maps zum Supermarkt zu finden, auf Tschechisch ein Bier zu bestellen ("Jedno pivo, prosím!") und bin außerdem zu folgenden essentiellen Erkenntnissen gelangt:

1. Was immer ihr über tschechische Bierpreise gehört habt: Es ist wahr.

Tschechisches Bier ist nicht nur wahnsinnig gut, es ist auch unglaublich billig. Es wird standardmäßig in 0,5-Liter-Gläsern ausgeschenkt, was für eine Reagenzbierglas-geplagte Wahl-Rheinländerin wie mich eine wahre Wohltat ist. Für einen halben Liter Staropramen, Kozel oder Pilsner Urquell bezahlt man im Pub durchschnittlich etwa 27 bis 45 Tschechische Kronen, was umgerechnet etwa einem Euro bis 1,80 entsprechen - also ungefähr einer Flasche Oettiger vom Kiosk. Gefällt!

2. Die Prager Öffis sind ein wahres Wunderwerk.

Drei U-Bahn-Linien (die Metros) gibt es in Prag. Das wirkt auf den ersten Blick sehr überschaubar, ist aber in der Praxis vollkommen ausreichend, weil trotzdem das gesamte Stadtgebiet abgedeckt ist. Zusätzlich gibt es ein sehr dichtes Straßenbahnnetz (die Tram), das jegliche Fußwege überflüssig macht. Die Taktung ist sowohl bei Metro, als auch Tram so eng, dass man selten länger als 3 Minuten auf seine Bahn warten muss. Zu späterer Stunde kann man außerdem auf die "Night-Tram" zurückgreifen, die in reduzierter Taktung auch unter der Woche die ganze Nacht fährt. Hast du das gehört, Rheinbahn? Welcome to 2016!

IMG_20160922_173807 - image/jpeg Die Metro ist nicht nur zuverlässig, sondern überzeugt auch mit einem freshen Design.

3. Deutsche Touristen lieben Prag. Und Segway-Touren.

Nach zwei Wochen in Prag bin ich nun ja schon quasi ein echter Local und sage gerne Dinge wie: "Ne, also die Altstadt meide ich ja wegen der ganzen Touristen" und "50 Kronen für ein Bier, haha, richtige Touri-Falle!". Das mag selbstgefällig sein, ist aber nötig, um sich von all den tausenden deutschen Touristen abzugrenzen, die Tag für Tag in Jack Wolfskin-Jacken ihre Segways besteigen, um unbeholfen zum nächsten Schnitzelhaus zu pilgern. Bin ja schließlich besser als das!

Mein Fazit nach zwei Wochen Prag: Gute Idee, Marlena! Ich freue mich schon sehr auf die nächsten sechs Monate und darauf, euch an meinen neusten Entdeckungen in Sachen Bars, Pubs, Clubs, Sightseeing, Wochenendtrips und generellen tschechischen Eigenarten teilhaben zu lassen. Na shledanou!