Der Schuh, der jede Image-Krise überlebt

Deshalb tragen wir nach 100 Jahren immer noch Chucks

Der Schuh, der jede Image-Krise überlebt: Deshalb tragen wir nach 100 Jahren immer noch Chucks Der Schuh, der jede Image-Krise überlebt: Deshalb tragen wir nach 100 Jahren immer noch Chucks Foto: Shutterstock/MSPT

Ich habe in meinem Leben schon viele Sneakers besessen. Plateausohlen von Buffalo in den 90ern, glänzend-rote von Puma in den 00ern, ein ultraleichtes weißes Modell von Nike und was dezent silbergraues von Adidas in den letzten Jahren. Endete der Trend, verflog auch mein Interesse und ich kehrte zurück zu der einzigen Konstante an meinen Füßen (und vielleicht sogar in meinem Leben): meinen Chucks.

Sneakers machen Leute - LÄUFT!: 5 Gründe, warum wir coole Turnschuhe lieben Sneakers machen Leute - LÄUFT! 5 Gründe, warum wir coole Turnschuhe lieben Zum Artikel »

Von Kurt bis Mutti

Der Converse Chuck Taylor All Star ist das wohl am universellsten eingesetzte Kleidungsstück der Neuzeit (ich denke vorher waren Mammutfelle auch echte Renner). Die Ramones trugen sie als Zeichen von Individualität und Unangepasstheit, Kurt Cobain schlurfte in ihnen rebellisch durch die Gegend und John Lennon und Yoko Ono predigten darin vom Weltfrieden.

Heute sieht man Chucks an den Füßen von jung gebliebenen Pädagogik-Lehrern, fetzigen Supermarkt-Kassiererinnen, heißen Instagram-Models, Kindern, Friseuren, PR-Beratern und der eigenen Mutter. Von Individualität kann da nun wirklich keine Rede mehr sein, aber irgendwie scheint das am hip-lässigen Image der Latschen so rein gar nichts zu ändern.

Fast wie in "Zurück in die Zukunft": Nike präsentiert selbstschnürenden Turnschuh Fast wie in "Zurück in die Zukunft" Nike präsentiert selbstschnürenden Turnschuh Zum Artikel »

Jung und wild und hip

Das ist vor allem deshalb überraschend, weil Turnschuh-Trends normalerweise einem ständigen Auf und Ab unterliegen. Gestern Puma, heute Nike, morgen Adidas, dann vielleicht mal wieder Fila – warum genau jetzt was gerade angesagt ist, ist meistens absolut willkürlich. Dass ausgerechnet ein überteuerter Stoffschuh ohne Fußbett und sonstige Besonderheiten seit mittlerweile über hundert Jahren bis zum wortwörtlichen Zerfall aufgetragen wird, ist da schon ziemlich schleierhaft.

Wahrscheinlich liegt es aber genau daran: Chucks gab es eben schon immer. Wieso sollten wir sie jetzt auf einmal nicht mehr tragen? Und Fußbett, ich bitte dich. Wir sind doch schließlich jung und rebellisch, unsere Füße kriegen das auch so hin. Nicht umsonst wurde die vor zwei Jahren auf den Markt gebrachte geupdatete Chuck Taylor 2.0 Version des Kultschuhs MIT Fußbett und OHNE unmittelbar zerfleddernden Stoff von den Konsumenten konsequent ignoriert.

Neue Chucks sollen bequemer werden: Converse präsentiert "Chuck Tailor All Star II" Neue Chucks sollen bequemer werden Converse präsentiert "Chuck Tailor All Star II" Zum Artikel »

Die besten Pflege-Tipps

Wer übrigens, wie ich, zu der Spießer-Fraktion „weiße Chucks ohne Löcher“ gehört und es eigentlich auch ganz gerne sauber hat, der höre sich noch schnell diese Pflege- und Säuberungstipps von einer weisen alten Frau an:

  1. Verschmutzte Schuhe reinigt man am besten mit Waschpulver und Zahnbürste. Einfach aus Pulver und Wasser eine Paste anrühren und mit der Bürste auf die dreckigen Stellen auftragen. Dann abspülen und trocknen lassen und deine Füße glänzen heller als Naddels Zähne.
  2. Ne Runde in der Waschmaschine hat noch keinen umgebracht. Wer keine Lust auf Schrubberei hat, darf also auch mal auf die Maschine zurückgreifen. Aber nur bei 30 Grad, sonst löst sich der Kleber, und nur im Feinwäsche- oder Wollprogramm ohne Schleudergang.
  3. Einsprühen hilft! Wenn du zu den Leuten gehörst, die immer aus Reflex „nein“ sagen, wenn die Verkäuferin das Imprägnierspray anpreist: Kauf es! Eine Dose reicht gefühlt ein Leben lang und das strahlende Naddel-Weiß hält tatsächlich länger an.

Fakt ist: Chucks sind cool und werden auch in Zukunft jede Pseudo-Fashionista-Laune an meinen Füßen überleben. Ich trag die auch als Mutti weiter. Da kenn ich nix.