Calvin Harris, Sevyn Streeter, Faber, HAIM und mehr!

Reingehört: Neue Alben vom 7. Juli 2017

Calvin Harris, Sevyn Streeter, Faber, HAIM und mehr!: Reingehört: Neue Alben vom 7. Juli 2017 Calvin Harris, Sevyn Streeter, Faber, HAIM und mehr!: Reingehört: Neue Alben vom 7. Juli 2017 Foto: Cover

Neue Alben braucht das Land: Wir haben für euch querbeet reingehört und verraten euch, was sich für die Beschallung des Trommelfells am besten eignet.

Dieser Freitag präsentierte sich in Sachen neuer Releases einigermaßen unspektakulär - Grund genug nochmal auf zwei großartige Alben der letzten Woche zu blicken, die wir bislang noch nicht besprochen haben! Folgt uns auf eine akustische Reise durch Pop, Elektro, Metal und Folk!

Die letzten Ausgaben von "Reingehört" findet ihr hier:

Reingehört: Neue Alben vom 23. Juni 2017, u.a. mit Imagine Dragons und Katy Perry
Reingehört: Neue Alben vom 2. Juni 2017
, u.a. mit Kraftklub und Major Lazer
Reingehört: Neue Alben vom 26. Mai 2017
, u.a. mit Marteria und Shakira
Reingehört: Neue Alben vom 19. Mai 2017
, u.a. mit Linkin Park und Snoop Dogg
Reingehört: Neue Alben vom 12. Mai 2017
, u.a. mit Harry Styles und Paramore
Reingehört: Neue Alben vom 5. Mai 2017, u.a. mit Die Toten Hosen und Apecrime

Die Crème de la Crème für das Trommelfell Die besten Alben 2017 36 Fotos

Calvin Harris - Funk Wav Bounces Vol. 1

Gemäß der Popularität von Calvin Harris, dem Michael Bay des Radio-EDM, verwundert es kaum, dass die Liste an Features an Bord seines fünften Albums so lang ist, wie der Amazonas: Ariana Grande, Khalid, John Legend, Migos, NIcki Minaj, Frank Ocean, Katy Perry, Snoop Dogg und Parrell Williams sind da nur einige Namen, die sofort ins Auge und ins Ohr springen.

Mittlerweile konnten wir in das gute Stück nicht nur reinhören, sondern haben ihm bereits mehrere Extrarunden durch's Trommelfell gegönnt. Dabei steht fest: Viele der Stücke machen Spaß, laden zum Entspannen ("Slide" feat. Frank Ocean, Migos, oder "Rollin" feat. Future und Khalid), zum Tanzen (genial: "Feels" feat. Pharrell Williams, Katy Perry und Big Sean) und gemütlich mit offenem Verdeck durch die Stadt cruisen ein ("Heatstroke" feat. Young Thug, Pharrell Williams, Ariana Grande).

Leider steht aber auch etwas anderes fest: Hits eines Kalibers von "My Way", "Summer" oder "How Deep Is Your Love" sucht man auf diesem Album vergeblich - zu groß ist der Anteil der ewig gleich gerappt-verzerrten Songs, die einzeln brillieren, in der Summe von 10 Titeln jedoch zum Einheitsbrei mutieren. Wo Michael Bay uns in seinen Transformers-Filmen mit Dauer-Explosionen ermüdet, zeigt sich hier ein ganz ähnliches Phänomen. Trotz einiger echter Radioperlen bleiben so leider nur 3 von 5 Sterne übrig. Sorry, Calv!

Stone Sour - Hydrograd

Drei Wünsche auf einmal? Da lachen die fünf Jungs aus Iowa nur müde drüber und zertrümmern die Kindereier mit ihren Riffs auf dem harten Straßenasphalt. Denn auf ihrem neuen Album "Hydrograd" gibt es nicht nur drei Wünsche auf einmal, sondern derer gleich fünfzehn!

Von astreinen Metal-Stampfern mit "Slipknot"-Anleihen ("Fabuless") über Power-Balladen ("The Witness Trees"), experimentell-spaßige Stücke ("Rose Red Violent Blue") und starke Chorus-Stücke ("Song #3") - hier wird wirklich die gesamte Bandbreite geboten. Und das wird nicht nur höchst kreativ und professionell vorgetragen, sondern auch mit einer Spielfreude runtergezwirbelt, dass sich Rock- und Metal-Fans das dicke Grinsen gleich ins Gesicht festfräsen können.

Unser Highlight ist übrigens gleich die Opener-Kombo aus der dreckigen Begrüßung ("Hello You Bastards!") und dem über 5 Minuten extrem verschachtelten und einfach nur genialen "Taipei Person/Allah Tea". Herrliches Teil! 5 von 5 Sterne!

Sevyn Streeter - Girl Disrupted

"Girl Disrupted" ist das erste Album von Sevyn Streeter - ein Name, der bereits seit Jahren durch die R'n'B-Szene schwirrt. Beinahe genauso lange hat man auf ihr Album warten müssen: Die heute 31-jährige hatte insbesondere mit den Singles "It Won't Stop" und "Next" großen Erfolg, arbeitete mit Größen wie Chris Brown und Puff Daddy zusammen.

Die lange Reise findet nun ein Ende - und einen neuen Startpunkt, denn mit "Girl Disrupted" liefert Sevyn Streeter stolze 13 astreine Songs ab, welche ungemein von ihrer starken Stimme profitieren und mit aufsehenerregenden Gast-Performances von Stars wie Wiz Khalifa, Dave East und Ty Dolla Sign daherkommen.

Anspieltipps: Das süß und sexy verraspelte "Anything U Want" (feat. Wiz Khalifa, Jeremih & Ty Dolla Sign),  die charmante Neu-Interpretation von Faith Evans 1995er Hit "Soon As I Get Home", das herrlich entspannte "Before I Do" zum gemütlichen Abschalten am Strand und der starke Finisher-Song "Everything in Me".

Wie gesagt: Die Reise ist hier sicher noch nicht zu Ende. "Girl Disrupted" ist sicher kein perfektes Album, dazu ist die Mischung zu unausgewogen und einige "maue" Stücke haben sich auch eingeschlichen. Dennoch sind wir uns sicher, dass wir in Zukunft noch einige große Stücke von Sevyn Streeter erwarten können. 3 von 5 Sterne mit dickem Plus dahinter!

Jeff Özdemir - Jeff Özdemir & Friends Vol. 2

Beim ersten Betrachten der Song-Titel mussten wir uns zuerst ordentlich am Kopf kratzen. Auf dem neuen Album des Berliner Plattenbesitzers Adem Mahmutoğlu (alias Jeff Özdemir) finden sich stolze 20 Tracks wie "Der Herr Doktor Sieht Das Nicht Gerne" oder "Der Mann Der Voll Nicht Am Start War", aber auch simplere Lyrik-Konstrukte wie "Why Love Matters" und "Beautiful Ends".

Aber was erwartet uns nun musikalisch? So ziemlich alles, was ihr euch vorstellen könnt! Wobei die "experimentelle Elektronik"-Sparte durchaus als Schirmherr über die 20 Tracks regiert. Mal ist es Jazz, mal ertönen an die 80er erinnernde Synthies, mal klimpern asiatisch angehauchte Glockenspiele im Hintergrund vor sich her - und in "Augen" wird ein Bläserkonstrukt mit einem groovigen Beat ergänzt.

Viele der Stücke sind rein instrumental, in andere schleichen sich französische, japanische, türkische und portugiesische Lyrics ein. Ihr merkt schon: Das musikalische Bankett ist reichhaltig gefüllt, aber alles andere als leicht verdaulich. Auf die Scheibe muss man sich einlassen - wird dafür aber dann auch herzhaft belohnt.

Unsere Highlights: Das fantastische und sicher am leichtesten verdaubare "Why Love Matters", das im französischen Duett perfekt arrangierte "Roseraie" und das jazzig-düstere "König Rasulov". Vinyl-Sammler sollten sich das Teil unbedingt mal anschauen! 4 von 5 Sterne mit dickem Plus dahinter!

Faber - Sei ein Faber im Wind

"Es ist so schön, dass es mich gibt, du hast Glück dass du mich triffst..." So beginnt die neue, rein deutschsprachige Platte des Schweizers "Faber", alias Julian Pollina. Über 13 Tracks hinweg beweist "Sei ein Faber im Wind", dass deutsche Lyrics nicht immer in düsteren Hinterhof-Rap eingebettet sein müssen, um zu funktionieren. Dabei ist "Faber" an einigen Stellen mindestens genauso dreckig und rabiat, wie die trendig-verwöhnten Hip Hop Babysitter der deutschen Sprache.

Die "schwizzer" Herkunft tut dem Singsang des erstaunlicherweise erst 23 Jahre alten Musikers gut, die Stimme hat etwas besonderes, etwas exquisites. Noch besser sind die Texte, von "In Paris brennen Autos" bis hin zum abschließenden Titeltrack "Sei ein Faber im Wind" - das ist einfach ganz große Kunst Texte so aktuell, so lyrisch und zeitgleich so brutal ("Warum du Nutte, träumst du nicht von mir?") vorzutragen.

Noch besser ist es, wenn die lyrische Kunst mit der Musik zusammenkommt und zu einem pompösen Gesamtwerk mutiert: "So soll es sein" zieht uns mit seinen Bläsern und dem schnellen Beat mit wie eine Stromschnelle im Rhein, "Bratislava" rollt über das Klavier wie Sex im Trommelfell und "Nichts" grooved wie Sau - und erinnert uns spontan irgendwie an Tom & Jerry. So soll es sein! Wenn ihr euch 2017 nur eine einzige Platte mit deutschem Gesang gönnen wollt, dann diese hier! 5 von 5 Sterne!

HAIM - Something To Tell You

"Family-made in USA": HAIM sind die drei Schwestern Daniellee Haim, Alana Haim und Este Haim, welche für ihre Band von ihrem Cousin am Schlagzeug unterstütz werden. 4 Jahre nach ihrer Premiere "Days Are Gone" liegt nun die zweite Platte "Something To Tell You" auf dem virtuellen Plattenspieler - und ja, sie haben uns tatsächlich einiges zu erzählen!

"Something To Tell You" ist wie eine gemischte Süßigkeitentüte vom Büdchen eures Vertrauens: Den Geschmack kennt man bereits, aber zu viel Süßes gibt es bekanntlich nicht, also immer rein mit den gezuckerten Kohlenhydrathen! Dass ihr von diesem Album fett werdet, müsst ihr zum Glück nicht befürchten.

Irgendwie versuchen wir das Wort "Gute-Laune-Pop" zu vermeiden, denn es hört sich an wie eine Beleidung für das, was HAIM hier tatsächlich abliefern: Eine Abkehr vom ewig Negativen, ein stark auf sechs Beinen stehendes Denkmal, dass Musik auch mal wieder begeistern, Sehnsüchte wecken und einen in Richtung positiver Gedanken abholen kann.

Exzellente Songs wie "Want You Back" und "Right Now" erinnern nicht nur ungefähr an die poppigen Songs im Gepäck von Fleetwood Mac, oder moderne Konkurrenz wie CHVRCHES, Chairlift und London Grammar. Kurz: Ganz großes Kino und schon jetzt eine der Pop-Platten des Jahres! 4 von 5 Sterne mit dickem Plus dahinter!

Broken Social Scene - Hug of Thunder

Indie-Rock vom Feinsten liefern die Kanadier "Broken Social Scene" auf ihrem neuen Album "Hug of Thunder". Ja, komm Gewitter, komm Donner, lass knuddeln! Es ist schön eure Bekanntschaft zu machen!

Gleich zum Start erklingen in "Halfway Home" bis zum Horizont getragene Lyrics, welche über dichten Gitarrenregen und gewaltige Klanggewitter durch die Düsterheit rasen, um am Ende die Sonne über den Wolken heraufzubeschwören. Aufbruchsstimmung, packen wir's an!

Auch der Rest ist der perfekte Wegbegleiter für lange Autofahren, Hauptsache in Bewegung bleiben, bloß nicht stehen bleiben! Im "Protest Song" shakern Bass und Gitarre wie ein altes Liebespaar zusammen auf der Tanzfläche, "Skyline" ist eine herrliche Hymnen-Ballade, "Vanity Pail Kids" ein wahnsinniger Flashback in die 80er und bei "Victim Lover" haben wir im Nachgang eine Prise Liam Gallagher im Trommelfell hängen. 4 von 5 Sterne!

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