Interview mit dem Sänger der Band The Notwist

Markus Acher: "Wir sind ein komischer Haufen"

Interview mit dem Sänger der Band The Notwist: Markus Acher: "Wir sind ein komischer Haufen" Interview mit dem Sänger der Band The Notwist: Markus Acher: "Wir sind ein komischer Haufen" Foto: dpa
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Am Montag führen The Notwist ihr Album "Neon Golden" und weiteres Material auf dem "Lieblingsplatte"-Festival im Zakk auf. Markus Acher ist Sänger und Gitarrist der Weilheimer Musikgruppe und spricht mit uns darüber, was das legendäre, wegweisende Werk bis heute für die Band bedeutet, über Tüftelei in der Popmusik und die Zukunft des Albums als Zyklus von Stücken.

Mit "Neon Golden" haben The Notwist einen künstlerischen Entwicklungssprung gemacht. Was ist davon heute noch zu spüren?

Was wir davor noch nicht hatten, war ein Denken in Spuren oder Schichten; dass Lieder ganz verschiedene Ebenen haben können, die miteinander funktionieren, aber für sich genommen sehr unterschiedlich sind. Das haben wir unter anderem von den letzten zwei Alben der Band Talk Talk gelernt, deren Musik in verschiedene Richtung weist und teilweise improvisiert wird. Wir haben uns auch von Einflüssen wie jamaikanischem Dub inspirieren lassen: Bei "Pilot" ist es zum Beispiel für sich alleine stehender Basslauf, der das Stück prägt. Darüber kann sich dann folkige Gitarrenmusik legen. Das waren Ideen, die damals angefangen haben und bis heute präsent sind.

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Kann man sagen, dass sich The Notwist mit "Neon Golden" von einer Band zu einer Gruppe Studiotüftler entwickelt hat?

Auf jeden Fall. Es war uns aber wichtig, am Ende trotzdem Songs zu haben, die auch funktionieren würden, wenn man sie nur alleine mit der Gitarre spielt; dass man sich nicht vollkommen verliert im Spurengetüftel und trotzdem im weitesten Sinne Popmusik macht.

Die Rolle des elektronischen Musikers Martin Gretschmann alias Console ist aus diesem kreativen Prozess nicht wegzudenken. Wie funktionieren The Notwist ohne ihn?

Sein spezieller Stil war sicher sehr wichtig für die "Neon Golden". Es ist inzwischen aber so, dass alle auch mit dem Computer arbeiten und Elektronik machen. Mit Cico Beck haben wir außerdem jemand Neuen gefunden, der eine ganz eigene Sprache innerhalb der elektronischen Musik hat. So ist der Übergang fließend, ein ständiger Prozess.

Das "Lieblingsplatte"-Festival feiert das Album als Kunstform. Glaubst du weiter an das Album?

Ja. Ich bin niemand, der einzelne Lieder herunterlädt. Ich laufe zweimal pro Woche in örtliche Plattenläden, vor allem ins Optimal in München, und auf Tour sowieso eigentlich jeden Tag. Ich befasse mich immer mit kompletten Alben. Und wenn wir nachdenken über Veröffentlichungen, dann ist es immer ein Zyklus von rund 40 Minuten, eine Einheit von Zeit, Ort und einer Idee, was man eigentlich sagen will.

Kann man auf den Punkt bringen, was ihr mit "Neon Golden" sagen wolltet?

Bei vielen Bands, die wir damals kannten, stand im Raum, dass sie aus dem Indie-Kontext treten und durchstarten wollten. Wir wollten formulieren, dass wir nicht dazu gehören und dass wir nicht in so ein "normales" Denken, wie Musik funktionieren sollte, passen. Wir sind ein komischer Haufen, der sich seinen Weg sucht, der ein Stück nicht unbedingt groß und schön aufbläst, sondern auch bewusst störende oder dagegen wirkende Elemente einbaut.

Was hat es euch über den Musikbetrieb gelehrt, dass genau diese Platte dann so ein großer Erfolg wurde?

Es hat uns das Selbstbewusstsein gegeben, immer genau die Platte zu machen, die wir gerne hören würden.

Kurz-Infos zu The Notwist

  • The Notwist bedienen verschiedene Genres
  • Die Band wurden 1989 gegründet und spielte in ihrer Anfangszeit eine Mischung aus Rock, Punk und Metal
  • 1990 ging sie auf Tour mit Bad Religion
  • Ihren Durchbruch feierte sie 1995 mit dem Album "12" mit elektronischem Einfluss

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Quelle: RP