"Geschickt eingefädelt"

Neue Näh-Sendung mit Guido Maria Kretschmer

"Geschickt eingefädelt": Neue Näh-Sendung mit Guido Maria Kretschmer "Geschickt eingefädelt": Neue Näh-Sendung mit Guido Maria Kretschmer Foto: VOX/Frank P. Wartenberg
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Ab 20.15 Uhr werden die Nähmaschinen im Land schweigen - zumindest für die Dauer der Sendung "Geschickt eingefädelt", in der Guido Maria Kretschmer Deutschlands talentiertesten Hobbyschneider sucht. Solch eine Show hat es in Deutschland noch nicht gegeben, denn die Zeit war nie reif dafür.

Nähen war lange Zeit verpönt und galt als piefig. Mittlerweile aber tragen immer mehr selbstgenähte Kleidung, vor allen Dingen bei jungen Leuten ist das Hobby beliebt. Wer näht, ist in und ab heute Zielgruppe einer Fernsehshow.

Auch Julia Lang wird einschalten. Die 33-Jährige führt seit zweieinhalb Jahren den Laden "Kleine Stoffträume" in Korschenbroich. Erst im Juli ist sie mit ihrem Geschäft innerhalb der Stadt umgezogen und hat es von 65 auf 170 Quadratmeter vergrößert. Den Kapuzenpullover, den sie trägt, hat sie selbstverständlich selbst gemacht. Er ist aus buntem Kinderstoff, auf die farbenfrohe, oft biologische Ware ist sie spezialisiert. Denn mit Kindermode fängt die Nähsucht bei vielen erst an.

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"Besonders Schwangere oder junge Mütter begeistern sich fürs Nähen", sagt Julia Lang, die in ihrem Geschäft auch Kurse anbietet. Sie lieben es, ihren Nachwuchs individuell einzukleiden: Unikate und einzigartige Kinder passen gut zusammen. "Es beginnt oft mit Babydecken, Mützen oder Pumphosen", sagt Lang. Kinderkleidung zum Beispiel aus buntem Jersey ist dankbar, denn besonders bei kleinen Größen ist sie meist zügig zugeschnitten und genäht - und die Handarbeiterin hat ein schnelles Erfolgserlebnis.

Do-it-yourself liegt im Trend

Laut der "Initiative Handarbeit" lag das Gesamtvolumen 2014 für Handarbeitsbedarf bei 1,3 Milliarden Euro. "Der Do-it-yourself-Trend hat sich vom reinen Hobby zu einer eigenen Kultur entwickelt", heißt es. Im Aufwind ist weiterhin das Nähen, das vor allem bei der jungen bis sehr jungen Zielgruppe immer beliebter wird. Bei den Stoffen gab es im vergangenen Jahr einen Zuwachs um 20 Millionen Euro auf 450 Millionen Euro - ein deutliches Plus. Diese Entwicklung wird auch durch die Verkaufszahlen bei Nähmaschinen gestützt.

Und da deren Technik auch beherrscht werden will, bieten Volkshochschulen und andere Bildungsträger "Nähmaschinen-Führerscheine" an. Workshops sind meist weit im Voraus ausgebucht, Nähschulen suchen Leiter für Kinderkurse, die in der Regel bei acht Jahren beginnen. Nicht nur auf dem Land - siehe das Beispiel aus Korschenbroich - gibt es Stoffgeschäfte, die auf den Trend reagieren und mehr Fläche belegen: So hat zum Beispiel zuletzt erst "Stoff und Stil" deutschlandweit seinen vierten Shop eröffnet und verkauft nun in Köln auf 1400 Quadratmeter Stoffe und Kurzwaren - das entspricht schon der Ladengröße eines ortsüblichen Supermarktes.

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Wichtiger Motor der gesamten Do-it-yourself-Bewegung ist das Internet: Über Video-Anleitungen, eBooks mit Schnittmustern und vor allen Dingen die Präsentation in Online-Foren bekommen Nähwillige viele Tipps und große Anerkennung. Nähen schafft aber auch eine neue "echte Nähe": Bei Stoffmärkten schieben sich Kaufwillige gern dicht an dicht an den Ständen vorbei, in Näh-Cafés klappern nicht nur die Nähmaschinen, sondern auch die Mundwerke. "Es macht vielen große Freude, mit eigenen Händen etwas zu erschaffen, was Bestand hat und ein Einzelstück ist", schreibt Sabine Pollehn in ihrem Blog. Sie vertreibt über die Homepage Farbenmix.de unter anderem Zubehör wie Webbänder und Anleitungen. Mit einem Internet-Shop hat auch Julia Lang vor sechs Jahren begonnen, ihr Hauptgeschäft ist aber nun ihr Ladenlokal. "Stoff will man anfassen, und die Leute nehmen auch für einen Stoffladen ein Stück Weg gerne in Kauf."

"Selfmade" ist ein Statussymbol

Aus Sicht der Trendforscher des Zukunftsinstituts ist der Begriff "Selfmade" zum Statussymbol geworden und stehe für ein neues Luxusverständnis - jenseits von rein materiellem Reichtum, heißt es in einer Trendanalyse für die "Initiative Handarbeit". Julia Lang hat Kunden, die mittlerweile ihren kompletten Kleiderschrank selbst bestücken. Zudem liegt Vintage im Trend, das heißt, Second-Hand-Kleidung wird umgearbeitet und aufgewertet. Und häufig werden auch kaputte Reißverschlüsse repariert, einfache T-Shirts durch Applikationen aufgewertet. Die Beliebtheit des Hobbys Nähen stehe deshalb für einen größeren Bezug der Menschen zu textilen Produkten, sagt Mathias Paas, Studienrichtungsleiter Bekleidungsmanagement an der Hochschule Niederrhein. Wer sich an Nähten abgemüht und sie x-mal wieder aufgetrennt hat, der weiß ein Kleidungsstück wirklich ganz anders zu schätzen.

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Das Beglückende, aber auch die Schwierigkeiten des Nähens stehen in der Sendung "Geschickt eingefädelt" im Mittelpunkt. Das TV-Format mit acht Kandidaten, die um die Wette schneidern und nähen, wurde aus England importiert. Seit 2013 zeige die BBC mit "The Great British Sewing Bee", dass Fernsehen und Nähen gut zusammenpassen, sagt Vox-Redaktionsleiter Jan Biekehör. Die liebevoll, urban und cool gemachte Sendung könne auch in Deutschland funktionieren. Genügend potenzielle Fans gibt es.

Quelle: RP