Gamescom 2016 in Köln

Die Welt der Videospiele zwischen Faszination, Stagnation und Revolution

Gamescom 2016 in Köln: Die Welt der Videospiele zwischen  Faszination, Stagnation und Revolution Gamescom 2016 in Köln: Die Welt der Videospiele zwischen  Faszination, Stagnation und Revolution Foto: Screenshot

Mehr als 800 Aussteller aus rund 60 Ländern, über 500.000 Besucher aus aller Welt und mehr Videospiele, als ein Gamer in seinem Leben spielen könnte: Die Eckdaten der Gamescom versprechen erneut ein großes Spektakel quer durch Köln, doch im Kern präsentiert sich die Branche ungewöhnlich unspektakulär.

Es ist DAS Medien-Highlight des Jahres: Die Gamescom wächst und wächst, ebenso wie das Interesse seitens der Spieler. 2016 gibt es allerdings einige Euphorie-Dämpfer. Darunter allen voran der Fakt, dass erstmals weder Marktführer Sony, noch Microsoft, noch Nintendo eine Pressekonferenz im Rahmen der Gamescom abhalten. Bereits auf der Electronic Entertainment Expo (kurz E3) im Juni in Los Angeles wurde der Großteil vom relevanten Neuigkeiten-Pulver verschossen. Abseits von neuen Trailern dürfte es in Köln dementsprechend nur wenige, große Überraschungen geben.

Auch das neue Sicherheitskonzept dürfte bei den Besuchern nicht für Freude sorgen: Cosplayer müssen sämtliche Waffennachbildungen daheim lassen, außerdem stehen umfangreiche Taschenkontrollen an - inklusive (noch) längerer Wartezeiten. Der Rat des Veranstalters: Rucksäcke und große Taschen am besten gleich daheim lassen. Bei den horrenden Messepreisen für Trinken und Verpflegung sicher keine allzu ansprechende Alternative für viele Gamescom-Fans.

Von Battlefield 1 bis Forza Horizon 3 Die Spiele-Highlights der Gamescom 2016 54 Fotos

Fortsetzungen dominieren den Markt

Viele der neuen Spiele zeigen sich auf technisch extrem hohen Niveau, kranken aber erneut an mangelnder Innovation: Fortsetzungen am Fließband dominieren den Markt und verkaufen sich weiterhin millionenfach. Ob FIFA 17, Call of Duty: Infinite Warfare, Battlefield 1, Watch Dogs 2, Mafia III, Dishonored 2, Gran Turismo Sport oder Forza Horizon 3, die Fans stehen auf der Gamescom Schlange, um selbst Hand an die großen Franchises legen zu dürfen.

Große Titel abseits von der gewohnten Daddelkost sucht man mit der Lupe: "Horizon: Zero Dawn" für die PlayStation 4 beispielsweise ist endlich mal etwas neues, ein modernes und audiovisuell höchst imposantes Sci-Fi-Märchen, in dem die rothaarige Heldin "Aloy" Wälder durchstreift und auf die Jagd geht. Der Clou: Der Großteil der Tierwelt besteht aus riesigen Roboter-Dinosauriern.

Ebenfalls neu ist "Detroit: Become Human", ein aufsehenerregendes und dezent an den Kultfilm "Blade Runner" erinnerndes Cyberpunk-Abenteuer in der fernen Zukunft. Erscheinen soll der vom französischen Entwickler Quantic Dream entwickelte Titel exklusiv für die PlayStation 4. Mit Spielen wie "Beyond: Two Souls" und "Heavy Rain" haben die Franzosen bereits bewiesen, wie eindrucksvoll die Verschmelzung von Videospiel und Film funktionieren kann.

Last but not least dürfte auch das bereits Mitte August veröffentlichte Weltraum-Abenteuer "No Man's Sky" für Aufsehen sorgen. 18 Trillionen komplett erforschbare Planeten, keine Handlung, sowie Ehrfurcht als Spielziel lassen den Titel der Indie-Schmiede "Hello Games" zu den populärsten Spielen des Jahres aufsteigen.

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Ist 2016 das Jahr der Virtual Reality?

Als die Kickstarter-Kampagne zur VR-Brille "Oculus Rift" anno 2012 stolze 2,5 Millionen Dollar Einnahmen in die Kassen der Entwickler spülte, war der Grundstein für die erste VR-Generation gelegt. Nur zwei Jahre später, im März 2014, ließ sich Facebook die Oculus Rift bereits stolze 2 Milliarden Dollar kosten.

Seitdem lautet die Frage innerhalb der Gaming-Community immer wieder: "Ist dies das Jahr der VR?" 2016 lässt sich die Frage zumindest in Sachen vorhandener Hardware durchaus positiv beantworten: Die VR-Brillen "Oculus Rift", sowie das Konkurrenz-Produkt "HTC Vive" und das Einsteigermodell "Samsung Gear VR" sind nicht nur im Handel angekommen und bereits an die ersten Kunden ausgeliefert, sondern auch auf der Gamescom öffentlich ausgestellt.

Das Problem bleibt weiterhin der Preis: Bei Einstiegspreisen von 599 Dollar für die Oculus Rift und 899 Euro für die HTC Vive schlackern selbst gestandenen Gamern die Ohren. Beide Brillen benötigen zudem ein gut bestücktes PC-Set-up mit entsprechender Hardware-Power.

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Für den Massenmarkt wesentlich interessanter ist da die für Oktober angekündigte PlayStation VR Brille (ehemals unter dem Projektnamen "Morpheus" bekannt): Für 399 Euro soll das gute Stück die ersten VR-Games in Kombination mit einer PlayStation 4 und einer separat erhältlichen PlayStation Kamera ermöglichen. Knapp 150 Spiele befinden sich bereits in Entwicklung, einen großen Teil davon werden Interessenten auch auf der Gamescom in Köln wiederfinden und erstmals ausprobieren können.

Bei aller Liebe zur VR und den verlockenden, teils faszinierenden, teils erschreckenden Zukunftsaussichten muss jedoch auch dieses Jahr festgehalten werden, dass dem Themenkomplex große Titel und Publikumsmagnete (noch!) fehlen. Die meisten Spiele liegen in Sachen Gehalt irgendwo zwischen Konzeptstudie und lustiger Spielerei mit Jahrmarkt-Flair, ernsthafte Produkte mit hohen Entwicklungskosten im Stil eines "Call of Duty" sind schlicht nicht vorhanden.

Vielleicht ist es dann 2017 endlich soweit, dass auch wir guten Gewissens das "Jahr der VR" ausrufen können: Jede Revolution benötigt halt seine Zeit.

Retro-Gaming weiterhin beliebt

Bei all dem Hype um die neuen Spiele kommen auf der Gamescom traditionell auch die Klassiker der Spielewelt nicht zu kurz: In Halle 10.2 feiern rund 50 Sammler, Retro-Entwickler, Musiker und Vereine die Geschichte der Computerspiele auf 1.600 Quadratmetern.

Wer keine Lust hat sich an den langen Schlangen anzustellen, findet bei weit über 100 einsatzbereiten Spielkonsolen, Heimcomputern, Handhelds und Automaten meist eine Gelegenheit die Geschichte der Videospiele selbst zu erleben.

Dieses Jahr im Fokus: Das Nintendo 64 und Pokémon feiern ihr 20jähriges Jubiläum und die alte Amiga-Garde rund um das deutsche Kultentwickler-Team Factor 5 ("Turrican"), sowie Musiker Chris Hülsbeck blicken auf 30 Jahre zurück. Last but not least werden 40 Jahre Apple zelebriert.

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Eine Stadt feiert Videospiele

Wenn schon die gezeigten Spiele auf der Gamescom 2016 eher für ein müdes Lächeln, als pure Aufregung sorgen, zeigen wenigstens die Spieler, welche Faszination noch immer hinter dem Medium steckt: Unzählige Cosplayer dürften auch dieses Jahr die Flure der Gamescom, sowie ganz Köln bunt färben.

Bunt wird es auch im Kölner Dom: Passend zur Gamescom 2016 verwandeln die Kult-DJs Blank & Jones den Dom in eine ungewöhnliche Location. Zur eigens dafür komponierten CD "DOM" soll im Kirchenschiff eine aufwendige Lasershow im Kirchenschiff ablaufen.

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Das Lichtspektakel und die klassisch-moderne Musik von Blank & Jones sollen allen Besuchern den Dom auf ganz besondere Weise näher bringen - wild gefeiert wird hier natürlich nicht.

Das Event findet sowohl am 18. August, als auch am 19. und 20. August statt und startet jeweils um 22 Uhr. Der Eintritt in den Dom bleibt natürlich kostenlos.

Last but not least finden sich im Rahmen des Gamescom City Festivals quer durch die Kölner Innenstadt verteilt vier Bühnen, auf denen Stars wie Wanda, Kasalla, Joris, Max Giesinger und Wirtz auftreten und für Stimmung sorgen sollen.

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Ein Blick in die Zukunft

Die E3 hat es bereits gezeigt: Die aktuelle Hardware-Generation steht auf der Kippe. Sowohl Sony, als auch Microsoft planen in näherer Zukunft ein Hardware-Update auf den Markt zu bringen, welches die TV-Auflösung von 3840 × 2160 Pixeln (alias "4K" oder "Ultra HD") unterstützen soll. Sony nennt es die "PlayStation 4 Neo", Microsoft "Project Scorpio".

Beide Konsolen sollen weiter zu alten Spielen kompatibel und lediglich eine hochgerüstete Alternative für Tech-Enthusiasten sein. Wir gehen jedoch stark davon aus, dass bereits Ende 2017 / Anfang 2018 die ersten Spiele erscheinen werden, welche nicht mehr ohne erhebliche, technische Nachteile auf der heutigen PlayStation 4 und Xbox One laufen werden.

Nintendo dagegen lässt sich noch immer nicht in die Karten blicken und hält sich auch auf der Gamescom bedeckt: Die "NX" betitelte Konsole ist genauso ominös, wie am ersten Tag ihrer Ankündigung. Im Internet finden sich bereits ganze Romane von Theorien und Gerüchten über die Konsole, mal von Fans erdacht, mal aus "sicherer" Quelle. Ist es ein Vogel? Ein Flugzeug? Eine Mischung aus Handheld und stationärer TV-Konsole? Ein Handy?

Bislang steht nur eines fest: Obwohl Nintendo keine allzu große Rolle mehr auf dem Weltmarkt spielt, bieten sie auf der Gamescom mit "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" und den im Pokémon Go Hype erstarkten Pokémon-Fortsetzungen für den Nintendo 3DS (Sonne und Mond) gleich zwei Franchises mit Hit-Garantie an. Ausgerechnet das neue "Zelda" bleibt dabei nur einer ausgesuchten Truppe von Spielern vorbehalten und ist nicht offiziell anspielbar.

Eingefleischte Gaming-Fans können darüber nur verwirrt den Kopf schütteln. Nintendo jedoch ist seit jeher dafür bekannt ihrem eigenen Kopf zu folgen. Was dabei herauskommt erfahren wir mit großer Wahrscheinlichkeit in den kommenden Monaten.

Bis dahin heißt es in Köln: Zelebriert die Spiele!

Die Gamescom 2016 startet am Mittwoch, dem 17. August für Fachbesucher. Vom 18. bis zum 21. August hat die Messe für alle geöffnet. Die Tickets sind komplett ausverkauft – Nachmittagstickets sind für 7 Euro vor Ort erhältlich und die einzige Möglichkeit für Nachzügler noch in den Genuss der Messe zu kommen.

Öffnungszeiten:

  • Donnerstag, 18. August 2016: 10 bis 20 Uhr
  • Freitag, 19. August 2016: 10 bis 20 Uhr
  • Samstag, 20. August 2016: 9 bis 20 Uhr
  • Sonntag, 21. August 2016: 9 bis 18 Uhr

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