Hipster-Hacker im Meer der Leichtigkeit

Watch Dogs 2 im Test für PlayStation 4

Hipster-Hacker im Meer der Leichtigkeit: Watch Dogs 2 im Test für PlayStation 4 Hipster-Hacker im Meer der Leichtigkeit: Watch Dogs 2 im Test für PlayStation 4 Foto: Ubisoft
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Nach dem Hype um "Watch Dogs" hat Ubisoft nun den Nachfolger herausgebracht. Die Story ist seicht, die Charaktere sind blass – und es macht dennoch Spaß.

Ubisoft hat die Leichtigkeit entdeckt. Nachdem bereits Assassin’s Creed Syndicate unerwartet witzig war und locker wirkte, folgt der Entwickler diesem Weg nun noch weiter. Der zweite Watch-Dogs-Teil hält sich nicht lange mit der Einführung der Charaktere auf. Marcus Holloway ist ein junger Nerd. Und er will der Hackergruppe "DedSec" beitreten. Zum Beweis seiner Fähigkeiten soll er sein Persönlichkeitsprofil in der ctOS-Datenbank des IT-Konzerns Blume löschen. Und sehr viel mehr wird man auch nicht über ihn erfahren. Im gesamten Spiel.

Gleich zu Beginn wird euch alles über das ctOS-System gesagt, was gesagt werden muss: Die Software kontrolliert im Hintergrund so ziemlich alles – von Überwachungskameras über Ampelschaltungen bis hin zu vernetzten Haushaltsgeräten.

Aus den Daten werden Persönlichkeitsprofile erstellt und verkauft – an Banken, die so entscheiden, wie kreditwürdig man tatsächlich ist oder aller Wahrscheinlichkeit demnächst sein wird. Oder an Regierungsbehörden, die das kriminelle Potenzial eines Bürgers dadurch festlegen. Die Hackergruppe DedSec will das alles offenbaren. Und damit ist die Story so gut wie auserzählt.

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Die Story ist nur ein Grundgerüst, Spaß steht im Vordergrund

Das könnte eine sehr aktuelle Geschichte über die Folgen und Gefahren der Vernetzung mit Tiefgang sein – und über die Macht der IT-Konzerne wie den Suchmaschinengiganten "Nudle" im Spiel (*Hust* Google in der Realität). Aber Ubisoft hat sich für den Spaß entschieden. Marcus Holloway und seine DedSec-Freunde hauen einen lockeren Spruch nach dem anderen raus. Das ist nicht immer tiefsinnig, manchmal auch nicht immer zielgenau. Aber es macht tatsächlich Spaß, mit den Hackern abzuhängen.

Das täuscht darüber hinweg, dass sie alle sehr klischeebeladen sind. Und wie bei einer Sitcom bleiben die Charaktere flach. Der Hacker Wrench beispielsweise trägt eine Maske mit LED-Anzeige, die über Emojis seine Stimmung oder Meinung zeigt. Das wäre ein guter Ansatz, wenn dahinter etwas stecken würde. Das tut es nicht. Er trägt eben die Maske. Das war’s.

Und so bewegen sich die ganze Story und auch der Blume-Chef als Bösewicht auf eher seichtem Niveau. Hauptsache es ist cool und witzig und bunt und auf jeden Fall anders als im überernsten ersten Teil mit dem farblosen Helden Aiden Pearce.

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San Francisco beeindruckt, wirkt aber etwas leblos

Davon wollte sich Ubisoft im zweiten Teil definitiv absetzen. Auch optisch. Das graue und düstere Chicago aus dem ersten Spiel musste dem knallig bunten San Francisco mit dem Vibe der Pazifikküste weichen. Und tatsächlich fühlt man sich beschwingt und badet im virtuellen Sonnenlicht, wenn man durch die Stadt fährt.

Die Autos steuern sich dabei immer noch sehr arcadig, aber besser als im ersten Teil. Auch weil sie nicht ganz so empfindlich reagieren. Dafür wirkt San Francisco manchmal etwas leblos. Anders als in einem Grand Theft Auto V beispielsweise sind die Straße nicht so von Menschen erfüllt und wirkt die Metropole nicht so geschäftig.

Da ist die Konkurrenz etwas weiter. Auch die aus dem eigenen Haus. Die Städte in Assassin’s Creed wirkten "voller" und echter als das digitale Abbild der Pazifikküsten-Stadt.

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Aber die ist ohnehin nur eine Bühne für das Gameplay. Marcus Holloway stehen viele Fähigkeiten und Spielzeuge wie eine Drohne zur Verfügung. Vorausgesetzt ihr habt genug Geld für die Gadgets verdient und Forschungspunkte gesammelt. Die findet ihr in der Stadt verstreut und meist in gesicherten Arealen.

In der Regel mündet das dann in kurzen Mini-Missionen. Noch leichter erhaltet ihr die Forschungspunkte, wenn ihr genug "Follower" für die DedSec-App gesammelt hat. Die gewinnt Holloway über Selfies an markanten Orten der Stadt. Oder aber über kurze, aber oft ironische Nebenmissionen. In einem Fall legt ihr einen schwerreichen Boss eines Pharma-Konzerns rein, der exklusiv und nur für sich Stücke von einem Rap-Superstar haben möchte – und bereit ist dafür Millionen zu zahlen. Das erinnert nicht nur ein wenig an den Manager Martin „Pharma-Bro“ Shrkeli, der sich 2015 ein exklusives Album des Wu-Tang-Clans gesichert hatte.

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Der Spieler hat jede Menge Freiheiten und kann viel ausprobieren

Vor allem aber erhaltet ihr Follower und damit Forschungspunkte über die Hauptmissionen. Diese Punkte investiert ihr in neue Fähigkeiten.

Da fällt es nicht so auf, dass viele Hauptmissionen sehr ähnlich gestrickt sind. Immer wieder müsst ihr in ein gesichertes Areal möglichst heimlich eindringen und etwas hacken. Der Spielspaß entsteht dadurch, dass man mit neuen Fähigkeiten auch immer neue Wege findet.

Eine Richtung gibt das Spiel indes immer vor: Ihr wollt unentdeckt bleiben. Zwar kann man sich auch den Weg freischießen. Aber Marcus Holloway kann nicht so viel einstecken und die Deckungs-Shooter-Mechanik wirkt im Vergleich zu den Hacker-Möglichkeiten dann doch etwas rudimentär.

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Watch Dogs 2 zwingt einen schon den Weg auf. Aber das ist in dem Fall nichts Schlechtes. Zumal das Spiel mit den verschiedenen Fähigkeiten viele Freiheiten lässt, um das Ziel zu erreichen. Und ein Nerd ist eben kein Kriegsveteran, der Waffen mit geschlossenen Augen zielgenau einsetzt. Zumal es später im Spiel noch einfache Rätsel gibt, die ihr bisweilen unter Zeitdruck lösen müsst – und da kommt ihr mit einer Maschinenpistole nicht sonderlich weit.

Fazit von Ludwig Jovanovic

Watch Dogs 2 lädt tatsächlich zum Spielen ein. Vor der bunten Kulisse von San Francisco. Das geht indes auf Kosten der Story und eines roten Fadens oder der Charaktere. Die sind da, die sind hip und sorgen für Spaß, der aber niemals so abgedreht und zynisch ist wie bei Rockstars Grand Theft Auto.

Damit bewegt man sich bereits in die Richtung, die vor wenigen Tagen Serge Hascoet vom Ubisoft-Vorstand im Interview mit der französischen Zeitung "Le Monde" vorgab. Zukünftige Titel sollten demnach den Spieler weniger dazu zwingen, dem Erzählstrang zu folgen. Vielmehr solle er alle Freiheiten in der Spielewelt haben, um das zu tun, was ihm Spaß mache.

Watch Dogs 2 lässt bereits ahnen, was das für zukünftige Ubisoft-Titel bedeuten wird. Denn die Story-Mischung aus "Big Bang Theory" und "Mr. Robot" geht niemals in die Tiefe. Es wird beispielsweise niemals hinterfragt, inwieweit sich DedSec vom bösen Blume-Konzern unterscheidet: Beide spionieren alle möglichen Daten aus. Beide fragen nicht nach, ob sie das dürfen. Und beide machen mit den Daten, was sie für richtig halten. Das Spiel will vor allem unterhalten und Spaß machen. Und das gelingt auch.

Das aber macht die Bewertung schwierig. Was wollt ihr? "Mafia III" beispielsweise punktet mit der ernsten, düsteren Story, schwächelt aber in der Umsetzung. Watch Dogs 2 hingegen schwächelt in der Story, bietet dafür aber tatsächlich jede Menge Spielspaß. Am Ende muss jeder für sich entscheiden, was ihm wichtig ist.

Behält man das im Blick, geben wir dem Spiel 8 von 10 Smartphones, 12 von 14 Firewalls und 34 von 40 knallbunten 3D-Druckern.

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Zweites Fazit von Michael Grünewald

Eins vorweg: Ich habe den ersten Teil der Watch Dogs-Reihe intensiv gespielt und mit 100 Prozent abgeschlossen. Dennoch empfand ich das Spiel im Nachhinein etwas fade und repetitiv. Es war zum großen Teil die Thematik und das Setting, das mich gepackt hat.

Der Nachfolger, Watch Dogs 2, ist aus meiner Sicht in nahezu allen Belangen besser gelungen. Ubisoft hat aus den Problemen und Versäumnissen des sehr ambitionierten Vorgängers gelernt. San Fransisco ist nicht nur eine wunderschöne und besonders auf der PS4 Pro strahlende Stadt, sondern sie ist auch sehr lebendig. So sorgt der Blick durch das Schlüsselloch in das Privatleben eines NPCs mit Hilfe der Hacken-Funktion für den einen oder anderen Lacher.

Die Geschichte des Spiels ist dafür etwas flach, genau wie ihre Charaktere. Was mir dennoch gefällt sind die unzähligen Nebenaufgaben, mit denen ich auch noch nach Abschluss der Hauptgeschichte viele viele Stunden beschäftigt war. Für Ubisoft-Spiele typisch findet ihr auf der riesigen Karten unzählige Nebenmissionen, sammelbare Objekte und Upgrades.

Fans des Vorgängers sollten meiner Meinung nach unbedingt zuschlagen, genau wie Freunde von Open World-Spielen. Denn insgesamt bietet Ubisoft mit Watch Dogs 2 ein gutes Gesamtpaket mit riesigem Umfang, guter Technik und viel Spielspaß

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