Der beste Teil seit Resident Evil 4!

Resident Evil 7 im Test für PlayStation 4

Der beste Teil seit Resident Evil 4!: Resident Evil 7 im Test für PlayStation 4 Der beste Teil seit Resident Evil 4!: Resident Evil 7 im Test für PlayStation 4 Foto: Capcom

Da ist es endlich: Der siebte Teil der populären Horror-Saga von Capcom setzt alles auf Anfang, spielt aus ungewohnter Ego-Perspektive und lässt sich zudem auch in VR bestreiten. Im Test zeigen wir, warum Resident Evil 7 zu den ersten Pflichttiteln des Jahres gehört - und die Landschaft der Horrorspiele noch über die nächsten Jahre hinweg prägen wird.

In einem Zeitalter, in dem jede Information binnen weniger Sekunden quer durch das Internet gejagt wird, gehört einiges dazu einen Titel wie Resident Evil 7 praktisch bis zur Veröffentlichung unter Verschluss zu halten. Umso überraschender ist der – zumindest gefühlt - doch eher geringe Hype um den siebten Teil der populären Horror-Saga.

Haben die Fans langsam aber sicher genug von Zombie-Geballer und billigen Jump-Scares? Eines können wir euch bereits verraten: Wer Resident Evil 7 nicht spielt, verpasst einen der besten Genre-Vertreter. Ganz egal, wie viel Horror ihr euch bereits gegönnt und in den letzten Jahren konsumiert habt – Resident Evil 7 weiß euch zu schockieren.

Dass wir so ein Lob noch einmal in Bezug auf Resident Evil in den Mund nehmen würden, hätten wir uns nach der Veröffentlichung des viel kritisierten Teil 6 und der unzähligen HD-Remakes und Auskopplungen, sowie des miserablen Team-Shooters "Umbrella Corps" (2016) selbst in unseren kühnsten Träumen nicht ausgemalt: Das Franchise schien ausgenudelt, die Idee dahinter lockte keine ekelige Made mehr auf's Butterbrot, die Fans waren längst weiter gewandert.

Horror verkauft sich längst nicht mehr so gut, wie dies noch vor 10 Jahren der Fall gewesen ist: An die Faszination von Titeln wie Eternal Darkness, Silent Hill 3, Resident Evil 4 und Dead Space reichen abseits des fantastischen Alien: Isolation heutzutage nur noch einige Indie-Games heran – und selbst letzteres sprang nicht gerade vor Freude aus dem Brustkorb, als es die Verkaufszahlen serviert bekam.

Vielleicht sind wir auch alle langsam etwas müde geworden, was Horror angeht: Es gibt kaum mehr ein Tabu, welches sowohl in Film-, als auch Videospiel nicht bereits gebrochen wurde. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass sich Resident Evil 7 in Sachen Brutalität keine Blöße gibt: Was euch hier erwartet ist nicht nur schockierend, sondern teils schlicht gnadenlos, den Magen um 180 Grad herumdrehend und extrem rabiat.

Born on the Bayou Resident Evil 7 Screenshots 40 Fotos

Perspektivwechsel

Resident Evil 7 ist der erste nummerierte Serienteil, der sich von der gewohnten Third-Person-Perpektive verabschiedet und euch aus der Ego-Ansicht in das Abenteuer wirft. Zudem ist es der erste Titel, der sich – zumindest auf PlayStation 4 - alternativ auch in VR "genießen" lässt. Dabei hat Capcom an so ziemlich jede Option gedacht, um euch den virtuellen Aufenthalt im Horrorland so angenehm wie möglich zu gestalten – dennoch soll der Titel visuell um einiges unspektakulärer daherkommen, als auf dem großen Bildschirm. Wie sich Resident Evil 7 in VR technisch schlägt, konnten wir aufgrund nicht vorhandener PSVR leider nicht überprüfen.

Egal wie die technische Umsetzung gelungen sein mag, alleine die Vorstellung, das auf dem großen Bildschirm erlebte Abenteuer in VR zu spielen, lässt uns einen kalten Schauder über den Rücken kriechen: An Resident Evil 7 in VR sollten sich definitiv nur Menschen wagen, die nicht leicht zu schockieren sind!

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Ethan, Mia und die Baker Familie

In Sachen Handlung stellen euch die Entwickler recht fix vor vollendete Tatsachen – und viele offene Fragen. Ihr schlüpft in die Haut von Ethan Winters, der im Gegensatz zu den im Kampf geschulten Spezialeinheiten der letzten Serienteile praktisch keinerlei Kampferfahrung mit sich bringt. Dafür treibt Ethan ein Video seiner über drei Jahre verschollenen Frau Mia nach Dulvey, in die lauschigen Sümpfe inmitten von Louisiana.

Wenig später seid ihr auch schon am Ziel angekommen, steigt mutig aus dem Auto und erforscht die Umgebung: Ein kleines Waldstück führt zu einem verkommenen Anwesen, welches bereits laut „Resident Evil!“ schreit. Natürlich ist das Gemäuer durch ein Tor verschlossen – also fix einen Nebenweg nehmen und schauen, ob jemand zu Hause ist...

Zur Handlung von Resident Evil 7 wollen wir euch so wenig wie möglich verraten: Immerhin ist die Erwartungshaltung und die Entwicklung der Geschichte einer der wesentlichen Gründe, warum ihr gebannt am Bildschirm kleben werdet. Nur so viel im Voraus: Die bereits aus den Trailern und Screenshots bekannte Baker Familie, ein schrulliger Haufen verrückter Hillbillys, ist beim Erkunden der Umgebung nicht euer einziges Problem.

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Grüne Kräuter, große Truhen, dicke Knarren

Resident Evil 7 zitiert den ersten Serienteil an so vielen Stellen, dass alte Fans nicht selten ein kleines, dreckiges Grinsen im Gesicht haben werden: Grüne Kräuter dienen mal wieder zur Gesundheitswiederherstellung und lassen sich per simplen Crafting-Menü zu Heiltränken zusammenbrauen.

Auch die Safe-Rooms feiern eine Rückkehr, inklusive Kassetten-Rekordern zum Abspeichern (wer nutzt so etwas noch?) und großer Truhen, in denen ihr eure gesammelten Gegenstände zwischenlagern könnt. Euer Inventar ist – und das kommt nicht überraschend – mal wieder auf einige wenige Plätze begrenzt. Was ihr mit euch nehmt sollte deswegen gut durchgeplant sein.

Handlungsrelevante Gegenstände sind quer durch die Häuser (ja, es gibt mehrere Häuser!) verteilt: Telefone, deren "Ring, Ring!" euch manchmal mehr schockt als jede Begegnung mit den Bakers, sowie an alte Fernseher angeschlossene Videorekorder spinnen die Geschichte weiter.

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Letztere bieten darüber hinaus eine mechanisch gewitzte Möglichkeit einen Blick zurück in die Vergangenheit zu riskieren: Dabei schaut ihr euch die gefundenen Video-Kassetten nicht nur an, sondern spielt sie nach. So gewährt euch Capcom die Kontrolle über andere Charaktere absetis von Ethan – und nutzt die Chance für einzigartige Szenarien fernab vom normalen Spiel-Alltag.

Last but not least freut sich Ethan nicht nur über neue Waffen und knobelt sich durch einige – mal mehr, mal weniger – offensichtliche Rätsel, sondern entwickelt sich auch stetig weiter: Mit den quer durch die Spielwelt verstreuten Münzen kauft ihr euch neue Waffen, erweitert eure Gesundheitsleiste und lernt schnelleres Nachladen – alles praktisch Zusätze, um den nächsten Kampf für sich zu entscheiden.

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Was wirklich weh tut

Neben einigen Rätseln gehören Begegnungen der "übernatürlichen" Art natürlich zu jedem Resident Evil dazu, wie das Kunstblut auf die Zombie-Maske. Auch hier müssen wir vorsichtig sein und wollen euch nicht zu viel verraten. Tatsache ist: Neben der Baker-Familie begegnet ihr auch weiteren Gegnern, welche euch das Leben schnell zur Hölle machen können.

Dabei stechen die Bakers durch eine nicht unwichtige Einzelheit aus dem bunten Horror-Potpourri heraus: Sie sind (scheinbar) unsterblich! Und sie jagen euch gerne quer durch das gesamte Anwesen, sind äußerst anhänglich und nur schwierig zu überwinden - nur wer die Umgebung für seine Zwecke ausnutzen kann, oder seine Beine einfach in die Hand nimmt, überlebt die Begegnungen.

Die Ego-Perspektive macht das Zielen mit den Waffen übrigens nicht wirklich leichter: Erwartet hier kein Doom, oder Call of Duty. Die Bewegungen von Ethan bleiben gewollt träge und erinnern trotz der neuen Perspektive noch immer dezent an die Zielmechanik der Third-Person-Vorgänger. Dass sich die Gegner teils extrem schnell bewegen und ihre verwundbaren Köpfe kreisen lassen, als wären sie besoffen, hilft dem gestressten Spieler in vielen Situationen zudem auch nicht weiter - und bei dem Horror eine ruhige Hand zu behalten, ist einfacher gesagt als getan. Erst nach einigen Spielstunden lernt ihr die Art zu zielen und das sorgsame Verwalten von Munition zu schätzen - gleichzeitig büßt der Titel dann aber auch an Spannung ein.

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Immerhin: Wenn ihr wirklich mal das Zeitliche segnet (was nicht selten vorkommt), serviert euch das Spiel einige praktische Tutorial-Tipps im Ladebildschirm. So werden viele Situationen etwas entschärft – wobei man sich nicht selten wünscht, schon vorher über die eine oder andere Kleinigkeit Bescheid gewusst zu haben. Freut euch auf viele „WTF???“-Momente!

Noch ein letztes Wort zu den Bosskämpfen: Grandios! Was Capcom hier abliefert, muss sich fürwahr nicht vor einigen der besten Bosskämpfen der Seriengeschichte verstecken. Freut euch schonmal auf viele überraschende Momente, welche nicht nur eure Nerven, sondern auch eure Kreativität und Reaktionsgeschwindigkeit hart auf die Probe stellen werden.

Tipp: Der Schwierigkeitsgrad "Normal" erweist sich beim ersten Anspielen für Neulinge eventuell bereits als "zu knackig". Frischlinge im Resident Evil Universum sollten sich lieber zuerst auf "Leicht" austoben. 

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Zurück zu den Wurzeln

Resident Evil ist über die Jahre immer weiter gewachsen: Vom einstigen Abenteuer in einem einsamen Herrenhaus bis zum ersten Ausflug nach Raccoon City, bis hin zum weltweiten Bioterrorismus-Abenteuer ist von der ursprünglichen Grundidee nicht viel übrig geblieben. Kein Wunder also, dass man sich für Resident Evil 7 Zeit genommen hat sich seiner Ursprünge zu besinnen und die Spielwelt erheblich schrumpfen zu lassen.

Keine Sorge, Resident Evil 7 ist sicher kein „kleines“ Spiel: Mit einer Spielzeit von 10 bis 12 Stunden ordnet sich der Titel zwar deutlich unter dem direkten Vorgänger Resident Evil 6 ein, bietet aber letztendlich ein umso stringenteres und knackiger präsentiertes Abenteuer.

Keine Sorge: Auch Wiederspielwert ist gegeben: Nach dem ersten Durchspielen serviert euch Capcom mit dem "Mad House Modus" einen neuen Schwierigkeitsgrad, der das Spiel teilweise gehörig auf den Kopf stellt und sogar neue Spielmechaniken integriert.

Interessant: Die seit Resident Evil 4 fest in sämtliche Nachfolger integrierten Quick-Time-Events (Drücke schnell X um der Pranke von Monster Y auszuweichen) verabschieden sich in Resident Evil 7 ebenfalls in den virtuellen Mülleimer der Spielmechanik-Küche – und das ist gut so! Auf diese Weise bleibt das Spielerlebnis direkter, verzweifelter und noch panischer. Danke Capcom! Danke!

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Technisches Meisterstück des modernen Horrors

Audiovisuell liefert Capcom großes Kino: Das Szenario ist perfekt durchdacht und extrem detailliert, die Animation und Darstellung der Gegner teils auf Referenz-Niveau. Insbesondere die Baker-Familie ist so perfekt eingefangen, dass es eine paradoxe Freude ist ihnen bei der "Arbeit" zuzuschauen. Technischen Antrieb für das grafische Spektakel liefert die Capcom-eigene RE Engine, welche insbesondere in Hinsicht auf die VR-Kompatibilität entwickelt wurde.

Negativ: Die Umgebung ist recht statisch und lässt sich von euch nicht zerstören. Weder Lampen und Lichtquellen lassen sich kaputt schießen, noch Teile von Tischen schmeißen. Wenn sich ein Gegenstand zerstören lässt, wird euch das unmittelbar vom Spiel kommuniziert - alles andere ist sprichwörtlich in Stein gemeißelt.

Ladezeiten vermeidet Resident Evil 7 beinahe vollständig - wenn dann aber mal ein Ladebildschirm aufpoppt, dürft ihr euch gut und gerne einen nervenbalsamierenden Kakao aufgießen, oder die nächsten Minuten auf Klo verbringen.

Lobenswert ist der Surround-Sound, der euch meist vor euren eigenen Schritten zurückschrecken lässt. Musikalisch hält sich Resident Evil 7 stark zurück, lediglich in den Safe-Rooms und an bestimmten Stellen tröpfeln leise Melodien im Hintergrund vor sich her. Genial: Die Synchronstimmen der Baker-Familie passen zumindest in der englischen Sprachversion perfekt, die deutsche Version konnten wir noch nicht antesten.

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Fazit

Es ist ein großes Lob an Capcom, dass mich Resident Evil 7 gefühlsmäßig zurück in die Zeiten des Erstlings bringen kann: Eine Zeit, in der mich aus den Fenstern krachende Hunde vom Sofa schockten und in welcher der Tausch einer alten Schrotflinte gegen eine neue Schrotflinte noch ein kreatives Rätsel gewesen ist. Eine Zeit, in der jeder Schritt nach vorne mit schweißnassen Händen am Joypad geführt wurde und in der ich kaum mehr ruhig schlafen konnte.

Doch Resident Evil 7 bringt auch viel Neues für das angeschlagene Franchise: Der Sprung in die Ego-Perspektive ist ein mutiger Schritt seitens Capcom, der sich voll auszahlt und die Immersion zusätzlich befeuert. Und als erster VR-Horrortitel mit Triple-A-Budget wird Resident Evil 7 ohnehin erneut in die Videospielgeschichte eingehen.

Kurz: Für mich persönlich ist es eines der besten Horrorspiele seit langer Zeit, welches mir Capcom da auf den Tisch geknallt hat. Der Fokus auf Horror und weniger auf Action zahlt sich zumindest für mich voll aus. Es fühlt sich extrem rund und durchdacht an, die Mechaniken greifen perfekt ineinander, sind clever verzahnt und wachsen mit andauernder Spieldauer zu einem wohlschmeckenden Horror-Deluxe-Diner.

Damit ist es zwar noch immer kein kreativer Durchbruch, wohl aber ein nahezu perfekt ausgeführtes Horrorspiel für Einzelspieler - ein erneutes Aufflammen eines Genres, welches aktuell in Sachen Spannung und Kreativität im Sterben liegt.

Resident Evil 7 erhält von uns 88 von 100 fiesen Schreckmomenten, 9 von 10 Blutspritzern und 4 von 5 antiken Münzen.

Resident Evil 7 ist ab sofort für PlayStation 4, Xbox One und PC (via Steam und Windows 10 Store) erhältlich.

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