For Honor von Ubisoft im Test

Ehre, wem Ehre gebührt

For Honor von Ubisoft im Test: Ehre, wem Ehre gebührt For Honor von Ubisoft im Test: Ehre, wem Ehre gebührt Foto: Ubisoft
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Stahl trifft auf Stahl. Äxte treffen Samurai-Schwerter und Morgensterne prächtig verzierte Holzschilder. Der Action-Titel For Honor von Ubisoft setzt auf martialische Mann-gegen-Mann-Duelle mit mittelalterlichem Flair. Nach diversen Beta- und Alpha-Phasen ist der Titel nun endlich für jedermann zugänglich. In unserem Test verraten wir, ob For Honor hält was es verspricht.

Endlich mal wieder ein ganz neues Spiel, statt der gefühlt siebten Fortsetzung eines altbekannten Titels. Und dann auch noch in einem, aus meiner Sicht, sehr attraktivem Setting. Ritter, Vikinger und Samurai - was für eine Mischung! Ich hatte das Glück, dass ich bereits in der Alpha-Phase von For Honor einen ersten Blick auf das neues Projekt von Ubisoft werfen konnte. Dementsprechend waren die Erwartungen hoch. Eins vorab - For Honor hält was es versprochen hat!

Besitzer der Verkaufsversion erfreuen sich nicht nur über spannende Multiplayer-Schlachten, sondern auch über eine Einzelspielerkampagne. In der rund 10 Stunden andauernden Geschichte des Spiels, bekommt ihr die Möglichkeit, jede der drei Fraktionen inklusive der unterschiedlichen Klassen anzuspielen. Der Inhalt der Story ist dabei eher zu vernachlässigen. Ihr werden auch sicherlich nicht in ein paar Jahren auf For Honor zurückblicken. Dennoch fühlte ich mich durchaus unterhalten und war froh, meine Fähigkeiten zuerst einmal gegen nicht menschliche Spieler testen zu dürfen, bevor es ans Eingemachte geht.

Das Herz des Spiels

Allen voran ist For Honor ein Multiplayer-Spiel. Es geht darum, euch mit anderen Spielern auf mittelalterlichen Schlachtfeldern zu messen und eure Fraktion zum Sieg zu führen. Das könnt ihr in unterschiedlichen Spielmodi. Zum einen die extrem intensiven und spannenden Eins-gegen-Eins oder Zwei-gegen-Zwei Duelle, in einer Art Death-Match und dem Spielmodus Domination. Hier geht es darum, zu viert strategisch wichtige Punkte einzunehmen und zu halten, bis ihr alle feindlichen Krieger niedergestreckt habt. Sehr cool: Wahlweise müsst ihr nicht nur gegen menschliche Spieler antreten, sondern könnt auch gemeinsam mit von Spielern gesteuerten Charakteren gegen Bots spielen. Das ist vor allem interessant für diejenigen, die noch etwas Übung brauchen.

Doch was bringen die Schlachten eurer Fraktion? Jeder Sieg bringt euch und eurem Stamm Ressourcen. Mit denen unterstützt ihr auf der Weltkarte virtuelle Areale, in denen zum Beispiel Vikinger gegen Samurai kämpfen. Schickt ihr mehr Ressourcen als der Gegner an diesen Ort, erobert ihr dieses Areal. Die Fraktion, die am Ende der Saison die meisten Regionen beherrscht, gewinnt diese. Die Mitglieder erhalten folglich neue, dekorative Items, mit denen die Charaktere geschmückt werden und einige weitere Boni, die aber keine langfristigen Extras für die kommenden Saisons bieten. Somit fängt der Krieg immer wieder von neuem an.

Die Kunst des Krieges

In der Theorie klingt For Honor simpel. Doch hinter den scheinbaren Haudrauf-Kämpfen steckt viel Geschickt und Können. Persönlich sehe ich For Honor wie eine Multiplayer-Version von den Souls-Spielen oder Bloodbourne - denn ein Fehler kann uns im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf kosten. Je nach gewählter Klasse müsst ihr euren Kampfstil anpassen. Geht ihr mit Schild und Morgenstern vor, solltet ihr aus einer sicheren Defensive heraus das Schlachtfeld dominieren. Seid ihr hingegen eine flinke Walküre mit Speer, müsst ihr eure Beweglichkeit und Überraschungsangriffe zu eurem Vorteil nutzen. Doch mein Tipp: fangt mit einem der Standart-Helden an, so lernt ihr die grundsätzlichen Spielmechaniken und bekommt ein Gefühl, wie es auf dem Schlachtfeld zugeht. Beherrscht ihr euren Recken und das Schlachtfeld, macht For Honor erst so richtig Spaß.

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Jeder der insgesamt 12 Charaktere hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Praktisch: Ihr könnt euch jederzeit während oder vor eine Partie eure Angriffe anschauen und einstudieren. Diese Move-Liste ähnelt der eines Beat’em‘ups wie Tekken oder Street Fighter. Um euren Lieblingskrieger zu meistern, müsst ihr also auch die Theorie beherrschen.

Zeigt ihr euer Talent auf dem Schlachtfeld, erhaltet ihr Erfahrung und Ausrüstung. Mit steigendem Level schaltet ihr neue, teils passive Fähigkeiten frei, wie zum Beispiel eine schnellere Lebensregeneration oder einen verbesserten Rüstungswert. Zudem könnt ihr die Charaktere ganz nach eurem Gusto ausrüsten und dekorieren. So begegnet ihr auf dem Schlachtfeld dem einen oder anderen Paradiesvogel - auch wenn dieser nicht immer ganz ins Gesamtbild passt.

Die Technik macht’s!

Aber nicht nur spielerisch lässt Ubisoft die Muskeln spielen. Technisch ist, vor allem auf der PS4 Pro, kaum eine Schwäche zu erkennen. Gut, abgesehen von den hin und wieder auftretenden Lags. Aber was Grafik, Sound und Präsentation angeht, trifft For Honor genau ins Schwarze. Das Charakterdesign ist nachvollziehbar, die musikalische Untermalung und die Soundeffekte passen zur Kulisse und die Grafik sieht einfach nur richtig gut aus. Die liebevoll gestalteten Ausrüstungsgegenstände und die tollen Schauplätze in unterschiedlichen Wetterverhältnissen sind ein echter Hingucker. Vor allem die Arenen, egal ob in einer Ritterburg, einer Samurai-Feste oder einem Vikinger-Schiff verbreiten ein tolles Gefühl für die martialischen Schlachten.

Fazit

Wer For Honor kauft, sollte wissen, was ihn erwartet. Es handelt sich bei dem packenden Actionspiel nicht um das Richtige für Casual-Spieler. Wer den Titel richtig aufblühen lassen möchte, muss sich in das Spiel hineinfuchsen, um Erfolg zu haben. For Honor erinnert mich, vom Gameplay/Frust und Glücksgefühl-Faktor, ein bisschen an Dark Souls oder Bloodbourne. Jeder, besonders hart erkämpfte Sieg, fühlt sich richtig gut an. Die Langzeitmotivation im Multiplayermodus ist durch täglich neue Aufgaben und Level-Ups durchaus gegeben. Auch die unterschiedlichen Spielmodi sollten für jeden etwas bieten. Besonders für Gruppen von mehreren Spielern drängen sich die Vier-gegen-Vier-Spielmodi auf.

Leider muss man bei der Einzelspielerkampagne kleinere Abstriche machen. Hier wäre mehr drin gewesen! Das interessante Setting und die unterschiedlichen Fraktionen bieten grundsätzlich genügend Stoff für eine relevante, gut geschriebene und interessante Story. Doch Ubisoft definiert For Honor primär als Multipalyer-Titel und behandelt die Kampagne eher wie ein verlängertes Tutorial. Schade eigentlich. Insgesamt liefert For Honor aber genau das, was es schon in der Beta versprochen hat: spannende Action und brachiale Multiplayer-Action.

For Honor erhält von uns 88 von 100 geschärfte Klingen, 4 von 5 gewonnene Schlachten und 9 von 10 polierte Rüstungen!