John McAfee
Foto: Christoph Dernbach/dpa

Der durch sein Antiviren-Programm bekannt gewordene Software-Entwickler John McAfee ist in seiner Gefängniszelle in Spanien tot aufgefunden worden. Die Wärter in der Haftanstalt Brians 2 bei Barcelona hätten noch versucht, den 75-Jährigen wiederzubeleben, teilte die Regionalregierung von Katalonien am Mittwoch mit.

Nur Stunden zuvor hatte der Nationale Gerichtshof Spaniens bekannt gegeben, dass er einer Auslieferung McAfees in die USA wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung zugestimmt hat.

McAfee, der immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war, war eine schillernde Figur. Der in England geborene und in den USA aufgewachsene Unternehmer hatte Anfang der 90er Jahre seinen Anteil an dem nach ihm benannten Antivirus-Software-Unternehmen verkauft und danach ein exzentrisches Leben geführt.

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Er setzte sich gegen Steuern und für mehr Freigabe von Waffen und Drogen ein, förderte Kryptowährungen, kandidierte aussichtslos für das US-Präsidentenamt und war Justizflüchtiger von den USA über Zentralamerika bis in die Karibik. 2012 wollte die Polizei ihn zum Tod seines Nachbarn in Belize befragen, er wurde aber nie wegen eines Verbrechens angeklagt.

John McAfee drohte 30 Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft im US-Staat Tennessee wirft McAfee vor, er habe Einkommen aus einer Beratertätigkeit, Redeaufträgen und dem Verkauf der Rechte an seiner Lebensgeschichte für eine Dokumentation nicht angegeben. Auf die mutmaßlichen Steuervergehen steht eine Haftstrafe von bis zu 30 Jahren.

Der Entscheidung zur Auslieferung McAfees hätte noch das spanische Kabinett zustimmen müssen. Auch eine Berufung wäre noch möglich gewesen.

In der offiziellen Mitteilung der katalanischen Regierung wurde McAfee nicht namentlich genannt. Es handele sich um einen 75-jährigen US-Bürger, der vor seiner Auslieferung an die USA gestanden habe, hieß es darin. Aus Regierungskreisen wurde der Nachrichtenagentur AP bestätigt, dass es sich um McAfee handelte. Der Regierung zufolge sollte zur Todesursache ermittelt werden. „Alles deutet auf Tod durch Suizid hin“, teilte sie mit.

Im Oktober in Barcelona verhaftet

McAfee war im Oktober am internationalen Flughafen von Barcelona verhaftet worden. Er argumentierte in einer Anhörung im Juni, dass die Vorwürfe gegen ihn politisch motiviert seien. Sollte er an die USA ausgeliefert werden, würde er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen, gab der 75-Jährige zu Bedenken.

McAfee werde „immer als Kämpfer in Erinnerung bleiben“, sagte sein Anwalt Nishay Sanan mit Sitz in Chicago. „Er hat versucht, dieses Land zu lieben, aber die US-Regierung hat seine Existenz unmöglich gemacht. Sie haben versucht, ihn aus der Welt zu schaffen, aber sie sind gescheitert.“ Sanan wollte wissen, ob es in der Zelle von McAfee oder im Gefängnis Videokameras gab.

In einem seiner letzten bekannten Medieninterviews hatte McAfee im November gesagt, dass seine Erfahrung in einem spanischen Gefängnis ein „faszinierendes Abenteuer“ sei. Er habe nicht vor, jemals wieder in die USA zurückzukehren, sagte McAfee der britischen Zeitung „The Independent“.

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Quelle: dpa