Zum 1. April - Achtung Aprilscherz!
Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Seit vielen Jahrzehnten ist der Aprilscherz in Deutschland im Grunde etabliert, doch nur die wenigsten Personen beteiligen sich auch aktiv an dem Brauch und führen ihre Mitmenschen in die Irre. Wir erklären euch, was der Ursprung des 1. April ist und in welchen Ländern der 1. April überhaupt diese Stellung hat.

Am ersten Tag des vierten Monats muss man besonders behutsam sein – auf der Straße, im Büro, im Fernsehen und mittlerweile auch auf Social Media könnten Leute lauern, die einen durch den Kakao ziehen wollen. Am Ende heißt es dann: „April, April!“ – die traditionelle Auflösung eines Aprilscherzes.

Da ist jetzt mal die ideale Zeit, um herauszufinden, wie der 1. April überhaupt zu einem besonderen Tag wurde – wir erklären euch den Ursprung der Aprilscherze.

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Was ist der Ursprung der Aprilscherze am 1. April?

Augsburg

„Den ersten April musst überstehen, dann kann dir manches Gute geschehen“, erklärte bereits Johann Wolfgang von Goethe, der von 1749 bis 1832 lebte. Bereits da war der 1. April also ein Thema. Im Grimmschen Wörterbuch von 1854 ist bereits das Wort „Aprillsnarr“ eingearbeitet – übrigens „Aprilscherz“ da noch nicht.

In der Tat gibt es zwei Theorien, die darauf schließen, dass der Ursprung vom 1. April als „Scherztag“ schon Jahrhunderte vor Goethe war. Eine davon kommt aus Deutschland, die andere aus Frankreich.

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Die deutsche Theorie führt zurück ins Jahr 1530 und in die Stadt Augsburg im Süden des Landes. Am 1. April sollte es damals in Augsburg den „Münztag“ geben, bei dem das Münzwesen vereinheitlicht werden sollte.

Für viele Menschen, die man heutzutage wahrscheinlich als „Spekulanten“ bezeichnen würde, erhofften sich durch den „Münztag“ Reichtum und durch die Veränderungen wiederum Profit.

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Die Ernüchterung gab es für eben diese „Spekulanten“ aber am 1. April – denn der „Münztag“ fiel einfach aus und die Menschen verloren ihr Geld. Und schon damals galt: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht sorgen – somit waren sie nicht nur ihr Geld los, sondern auch das Gespött der Stadt.

Frankreich

Eine andere weit verbreitete Ursprungstheorie kommt aus Frankreich und aus dem Jahre 1564, also drei Jahrzehnte nach den Ereignissen in Augsburg. Da hat der französische König Karl IX. eine Kalenderreform initiiert.

Zuvor war es üblich, dass der Jahreswechsel in der Nacht zum 1. April stattfindet – der Wechsel sollte aber zu dem System führen, das wir auch heute noch kennen. Denn Karl IX. wollte den ersten Tag des Jahres am 1. Januar.

Der König veranlasste diese Veränderung für sein komplettes Königreich, allerdings waren es noch andere Zeiten, in denen sich Informationen und Neuheiten deutlich schlechter verbreiteten, als wir das heute gewohnt sind.

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Die Veränderung kam offenbar schlichtweg in manchen Teilen des Landes nicht an und einige Menschen hielten unwissend an der alten Tradition fest und läuteten das neue Jahr am 1. April ein – und wurden dafür natürlich von den anderen Personen verspottet.

Auf diesen Punkt wollen wir auch noch gesondert eingehen – es geht nicht darum, dass die eine oder die andere Theorie der wahre Auslöser sein muss. In diesen Zeiten hat es, wie wir gerade erklärt haben, viele Jahre gebraucht, um Informationen überhaupt innerhalb eines Landes zu verbreiten.

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Somit ist es genauso möglich, dass beide Theorien essentiell dafür waren, dass der 1. April in weiten Teilen Europas die exponierte Stellung hat, die er heute „genießt“ und beide Geschichten aus der Historie den Weg dazu geebnet haben. Die ersten offiziellen Nachweise für Begriffe wie „in den April schicken“, als Formulierung für Aprilscherze, entstanden übrigens im 17. Jahrhundert.

Wo wir gerade schon über Europa sprechen – in welchen Regionen der Erde hat der 1. April überhaupt diese besondere Rolle und wo gibt es womöglich andere Tage, an denen Personen durch den Kakao gezogen werden.

In welchen Ländern wird der 1. April „gefeiert“, wo nicht?

Zwei Länder haben wir ja bereits angesprochen – in Deutschland und in Frankreich werden Aprilscherze gerne und häufig gemacht, auch wenn man sagen muss, dass es längst nicht mehr an der Tagesordnung steht, jemanden in den April zu schicken.

In Frankreich und Italien wird sich gerne der Spaß gemacht, einer anderen Person einen Zettel auf der Rücken zu kleben. Die Botschaft ist dann meistens etwas, worüber die anderen schmunzeln – davon bekommt der Genarrte natürlich aber nichts mit.

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Ebenfalls in diesen Ländern und auch in Nachbarländern wie Belgien oder der Schweiz sind einige Spaßkanonen noch einen Schritt weitergegangen – statt eines Zettels haben sie einen Fisch aus Papier an den Rücken der anderen Person angebracht. Daher ist in diesen Länden auch der Begriff „Aprilfisch“ geläufiger als in Deutschland.

Auch in den englischsprachigen Ländern gibt es die „April Fools“, also die Aprilscherze. Bei dem Humor, für den die Briten berühmt sind, ist das keine Überraschung – auch in den USA hat sich der Tag etabliert.

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Wer den „Spaßtag“ in Spanien und lateinamerikanischen Ländern sucht, wird im Kalender nicht im April, sondern im Dezember fündig. Den „Dia de los Santos Inocentes“, spanisch für „Tag der unschuldigen Heiligen“ gibt es jedes Jahr am 28. Dezember. Was einst ein kirchlicher Feiertag war, um verstorbene Kinder zu ehren, ist mittlerweile eigentlich genauso wie der 1. April ein Tag, bei dem sich Menschen, Unternehmen und Medien den ein oder anderen Spaß erlauben.

Gerade durch Social Media sind die Aprilscherze auch nicht in Regionen der Erde angekommen, in denen diese eigentlich nicht zur Kultur gehören. Weder im Judentum noch im Islam gibt es keinen Brauch zum 1. April.

Als sich die Scherze aber um die Jahrtausendwende immer mehr verbreiteten, gab es aber vom saudi-arabischen Mufti, also einem Religionsgelehrten des Islam, Abd al-ʿAzīz Āl asch-Schaich 2001 eine Ansage, sich an Aprilscherzen nicht zu beteiligen. Der Grund dafür sei, dass sich Lügen nicht mehr den Werten des islamischen Glaubens vereinbaren ließe – dafür gebe es nur drei Ausnahmen (im Kriegsfalle, wenn es Menschen versöhnt und wenn die Ehre des Ehepartners verteidigt werden muss). Zu einem kleinen Aprilscherz werden sich wahrscheinlich allerdings schon Menschen aller Nationalitäten und kulturellen Hintergründen hinreißen lassen haben.