Strom- und Gas-Preise in Düsseldorf: Das bedeutet die gekippte Gasumlage für Kunden

Bis zu 5000 Euro mehr Strom- und Gasausgaben für einen normalen Haushalt – düstere Aussichten der Stadtwerke Düsseldorf.
Stromzähler
Ein Anblick, der nicht für gute Stimmung sorgt: Ein Stromzähler. Foto: Sina Schuldt/dpa
Stromzähler
Ein Anblick, der nicht für gute Stimmung sorgt: Ein Stromzähler. Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Preise für Gas und Strom steigen immer weiter – auch in Düsseldorf. Stadtwerke-Boss Mounier geht davon aus, dass ein normaler Haushalt im nächsten Jahr rund 4000 bis 5000 Euro mehr für Strom und Gas bezahlen muss – für viele Düsseldorfer ein klaffendes Loch in der Geldbörse. Wir geben eine Übersicht über die wichtigsten Eckdaten und jüngsten Entwicklungen.

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Die wichtigsten Termine auf einen Blick:

  • 1. Oktober 2022: Die Gasumlage ist gekippt. Eigentlich hätte die geplante Maßnahme den Preis für alle Endkunden um 2,4 Cent pro Kilowattstunde erhöhen sollen.
  • 1. November 2022: Der Stichtag für die nächste Strompreiserhöhung. Dann wollen die Stadtwerke den Preis um über neun Cent pro Kilowattstunde erhöhen.

Die Übersicht der letzten News zum Thema:

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst begrüßt Abwehrschirm

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hat den vom Bund geplanten „Abwehrschirm“ von bis zu 200 Milliarden Euro gegen die steigenden Energiekosten begrüßt. „Bund und Länder sind sich einig, Menschen und Wirtschaft substanziell zu entlasten, damit das Land gut durch den Herbst und den Winter kommt“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag, 29. September 2022, in Düsseldorf. Dazu habe der Bund nun mit dem „Abwehrschirm“ seine Bereitschaft klar erklärt. „Eine harte Bremse für Energiepreise ist richtig“, betonte der NRW-Regierungschef. Zugleich monierte Wüst aber, die Ankündigungen der Ampelkoalition lösten viele neue Fragen aus.

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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte in Berlin zuvor angekündigt, dass ein „Abwehrschirm“ von bis zu 200 Milliarden Euro Verbraucher und Unternehmen vor den stark steigenden Energiepreisen schützen solle. Der Kanzler und die Länder wollen am kommenden Dienstag über die Finanzierung der geplanten weiteren Entlastungen beraten. Die Länder hatten am Mittwoch unter sich getagt und einen Energiepreisdeckel für Strom, Gas und Wärme gefordert.

Wüst zufolge muss die Bundesregierung bei dem anstehenden Bund-Länder-Gespräch darlegen, „wie die Größenordnung der Energiekosten für Haushalt und Unternehmen nach der Energiepreisbremse zu beziffern ist“. Auf dieser Grundlage könne man dann über gezielte Entlastungen beraten. Der CDU-Politiker – aktuell ist er auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) – mahnte: „Die Menschen müssen schnell wissen, was diese Ankündigung für sie konkret bedeutet.“

Stadtwerke Düsseldorf: Das bedeutet die gekippte Gasumlage für Kunden

Wenn es nach den Plänen der Stadtwerke Düsseldorf geht, soll die Gasumlage gar nicht erst auf der Rechnung ihrer Kunden auftauchen. Die am 29. September 2022 von der Regierung abgesetzte Maßnahme hatte zuvor zu vielen Diskussionen geführt.

Das Ziel sei es nun, dass die Gasumlage weder in Sachen Fernwärme, noch beim Gas abgerechnet wird. Solltet es bei euch dennoch versehentlich zu einer Abbuchung kommen, könnt ihr euch den Betrag zurückerstatten lassen – ein genauer Blick auf die nächste Abrechnung macht in jedem Fall Sinn.

Dennoch ist die Abschaffung der Gasumlage am Ende nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Durchschnittlich musste ein Haushalt in einer 60-Quadratmeter-Wohnung bislang etwa 771 Euro netto im Jahr zahlen, mit der Umlage wären es 1939 Euro gewesen. Nun aber sind es noch immer stolze 1784 Euro netto – ein unglaubliches Plus von mehr als 130 Prozent.

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Gas-Preise in Düsseldorf: Gaspreisbremse kommt

Zur Entlastung hat die Regierung eine finanzielle Unterstützung in die Wege geleitet. Diese soll ein Paket von 150 bis 200 Milliarden Euro umfassen und dafür sorgen, dass den steigenden Energiekosten Einhalt geboten wird.

Gas-Preise in Düsseldorf 2022: Gasumlage soll abgeschafft werden

Die Diskussionen im Bund rund um die Gasumlage verschärfen sich. Zum Oktober sollte die Gasumlage kommen – sie steht aber zunehmend infrage. Die Gasumlage soll Gasimporteure stützen, die wegen ausbleibender russischer Lieferungen hohe Kosten für Ersatzbeschaffungen haben. Derzeit ist die Umlage für alle Gasnutzer auf rund 2,4 Cent pro Kilowattstunde Erdgas festgelegt – sie verteuert also das Gas für den Kunden. Habeck sieht finanzverfassungsrechtliche Fragen zu klären, und auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) zieht das Instrument in Zweifel.

Grünen-Vorsitzender Omid Nouripour fordert, dass die Gasumlage nach ihrem Inkrafttreten am 1. Oktober 2022 „so schnell es irgendwie nur geht“ wieder gekippt wird. Es müssten Gespräche in der Bundesregierung geführt werden, die Lage sei dynamisch. „Dass die jetzt weg muss, ist etwas, was richtig ist. Das sehen alle so.“

Mit Blick auf den Bundeswirtschaftsminister aus seiner Partei fügte Nouripour hinzu: „Ich kann versichern, dass Robert Habeck alles dafür tut, damit die Umlage so schnell wie möglich fällt.“ Als „sehr geboten“ bezeichnete der Parteichef einen Gaspreisdeckel. Alle denkbaren Nachfolgemodelle der Gasumlage kosteten aber Geld, die Finanzminister Christian Lindner (FDP) bereitstellen müsse.

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Auch für SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich ist die Gasumlage „nicht das Mittel der Wahl“: Er geht davon aus, dass die Gasumlage nicht kommt. Im ARD-„Morgenmagazin“ verwies Mützenich darauf, dass die Umlage zum 1. Oktober wirksam werden soll, aber erst zum 31. Oktober fällig werde. Es gebe hier in den nächsten Tagen genug Diskussionsstoff.

Finanzminister Christian Lindner hatte die Gasumlage in Frage gestellt und setzt stattdessen auf eine Gaspreisbremse. Diese gilt als sehr teuer. Dennoch will der FDP-Chef die Schuldenbremse einhalten. Mützenich verwies auf Instrumente wie einen Nachtragshaushalt oder „andere Mittel“. Auf die Frage nach einem weiteren Sondervermögen sagte Mützenich: „Zum Beispiel, das sind Möglichkeiten. Das haben wir bei der Ausrüstung der Bundeswehr gezeigt.“

Strompreiserhöhung in Düsseldorf ab 1. November

Der Stichtag für die nächste Strompreiserhöhung ist der 1. November 2022. Dann wollen die Stadtwerke den Preis um über neun Cent pro Kilowattstunde erhöhen.

Für den Stromtarif „Düsselstrom Öko“ errechnet die Homepage der Stadtwerke aktuell (Stand: 20. September 2022) für einen Zweipersonenhaushalt bei einem Verbrauch von 2500 kWh genau 165,36 Euro pro Monat – das wären 1984,32 Euro im Jahr (gemessen in den Stadtteilen Oberkassel, Stadtmitte und Benrath).

Bund übernimmt Anteile von Uniper: Gasumlage wackelt

Atempause für den finanziell angeschlagenen Düsseldorfer Versorger Uniper: Der Düsseldorfer Konzern soll vom Staat übernommen werden, der alle Anteile der finnischen Mutter Fortum übernehmen will. Die finale Vereinbarung dazu sei aber noch nicht abgeschlossen.

Bereits seit mehreren Wochen kauft Uniper teuer Gas am Spotmarkt zu, um seine Verpflichtungen gegenüber Stadtwerken und Industriekunden erfüllen zu können. Durch den Gaslieferstopp aus Russland liegen die Nerven blank. Kein Wunder also, dass die Belegschaft den nahenden Staatseinstieg ausdrücklich begrüßt: „Wir brauchen den Staat als Hauptaktionär, um jetzt die Gaskrise zu überstehen und auf Dauer die Energiewende zu meistern“, zitiert RP Online den Chef des Konzernbetriebsrats, Harald Seegatz.

Für Endkunden könnte sich die Verstaatlichung von Uniper gleich doppelt rentieren – denn bei Verbrauchern einkassierte Umlagen dürfen rechtlich nicht einfach an Staatskonzerne ausgeschüttet werden. Somit gerät die viel gescholtene Gasumlage ins Wackeln: Gaskunden sollen ab Oktober 2,4 Cent je Kilowattstunde als Umlage zahlen. Noch ist die Diskussion nicht zu Ende geführt – und auch die rechtliche Handhabe nicht endgültig geklärt.

Der Energieexperte des RWI-Leibniz-Institutes, Manuel Frondel, dazu: „Einkommensschwache private Gasverbraucher und Unternehmen, die wegen der hohen Energiepreise ebenfalls in existenziellen Nöten sind, dafür zahlen zu lassen, ist einfach falsch verstandene Solidarität.“

Gaspreise in Düsseldorf explodieren weiterhin

Egal ob mit oder ohne Gasumlage: Verbraucher haben bereits jetzt hart mit den Gaspreisen zu kämpfen. Im September 2022 befinden sie sich auf Rekordniveau, für einen Haushalt mit durchschnittlich 20.000 kWh pro Jahr werden laut dem Vergleichsportal Check24 4371 Euro für Gas fällig – umgerechnet kostet eine Kilowattstunde Gas derzeit im Schnitt 21,9 Cent. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von wahnwitzigen 232 Prozent – 2021 lag der Preis bei 1316 Euro. Experten gehen davon aus, dass die Preise im Herbst und 2023 weiter steigen werden.

Laut den Stadtwerken Düsseldorf entfallen übrigens 75 Prozent des gesamten Energiebedarfs eines Haushaltes allein auf die Heizung – und nur 15 Prozent in die Aufbereitung von Warmwasser. Wer sparen will, zieht sich über den Winter also am besten warm an und vermeidet unnötige Heizperioden.

Heizen in Düsseldorf immer teurer – auch Fernwärme betroffen

Seit Anfang August sind die Gaspreise in Düsseldorf um rund 40 Prozent gestiegen. Anfang September lagen die Gas-Preise für die Grundversorgung „Düsselgas Klassik“ bis zu einem Verbrauch von 2745 Kilowattstunden bei 12,99 Cent pro Kilowattstunde, der Grundpreis bei 31,42 Euro pro Jahr. Wer über 2746 Kilowattstunden verbraucht, der zahlt 10,47 Cent pro Kilowattstunde und einen Grundpreis von 100,67 Euro pro Jahr.

Durch den Wegfall der Gaslieferungen aus Russland, steigen die Beschaffungskosten in teils unerschwingliche Höhen. Allein durch die neuen Umlagen zur Gasbeschaffung und zum Gasspeicher steigt der Preis bei den Stadtwerken Düsseldorf um 2,4 Cent pro Kilowattstunde.

>> Neue Gas-Umlage: Was muss ich mehr bezahlen? <<

Auch die Fernwärme ist von der Preiserhöhung betroffen. Für die Düsseldorfer Stadtteile Wittlaer und Benrath steht ein starker Anstieg an: Ab dem 1. Oktober müssen Fernwärme-Kunden hier tiefer in die Tasche greifen. Ab November soll dann noch die Gasumlage an die Kunden weitergereicht werden – ein erneuter Aufschlag. Wie hoch genau die Preise ausfallen sollen, konnten die Stadtwerke noch nicht mitteilen.

Wegen der steigenden Preise ist die Nachfrage nach Fernwärme hoch. Viele versuchen den Umstieg von der Gasheizung nun noch kurz vor Schluss zu stemmen – mit wenig Aussicht auf Erfolg. Wie RP Online an einem konkreten Fall verdeutlicht kann der Umstieg teils mehrere Jahre dauern. Der Grund: Mangel bei Material und Fachpersonal bei den Stadtwerken Düsseldorf. Es ist wohl kaum damit zu rechnen, dass sich die Situation in den kommenden Monaten entspannt, ganz im Gegenteil.

Strom- und Gas-Preise Düsseldorf 2022: Stadtwerke-Chef liefert Düsseldorfern düstere Prognose

Seit Wochen und Monaten ist das Thema „Explosion bei den Strom- und Gas-Preisen“ in Deutschland allgegenwärtig. Aber wie wird die Situation explizit in Düsseldorf? Da sind natürlich die Stadtwerke Düsseldorf, in erster Linie Vorstandsvorsitzender Julien Mounier, die richtigen Ansprechpartner. Gute Nachrichten gibt es aber nicht.

Mit den Gedanken, dass für Gas und Strom in den kommenden Jahren tiefer in die Tasche gegriffen werden muss, hat sich mittlerweile jeder abgefunden. Zu groß sind die Veränderungen auf dem Weltmarkt in den vergangenen Monaten. Was das für Düsseldorfer bedeutet, hat nun Stadtwerke-Boss Mounier beim „Campfire-Festival“ der „Rheinischen Post“ hochgerechnet.

Seine Prognose: „Ein normaler Haushalt wird kommendes Jahr rund 4000 bis 5000 Euro mehr für Strom und Gas bezahlen müssen.“ Aktuell würden Stadtwerke und somit auch die Kunden noch von dem Umstand profitieren, dass sie noch einiges an Gas zu günstigeren Konditionen einkaufen konnten, das berichtete er auf dem „RP“-Event. So entstehe der gegenwärtige Preis aus einem Mix des Gases aus dem Zeitraum vor der Preis-Explosion und „teurem Gas“.

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Aber auch das werde sich künftig ändern. Deswegen will Mounier keine Illusionen machen: „Das wird massiv sein. Eine ehrliche Kommunikation ist wichtig.“ Einige Stadtwerke-Kunden hätten daraufhin proaktiv reagiert und freiwillig ihre Abschläge erhöht – vermutlich aus Angst vor extremen Nachzahlungen.

Ein Modell für die kommenden Wochen sei, dass eine solche Anpassung automatisch von den Stadtwerken vorgenommen wird – wer das nicht will, könne diese Veränderung dann ablehnen. Diese Reaktion habe aber nicht nur den Hintergrund, die Vorauszahlungs- und Nachzahlungsebene für die Kunden auszubalancieren. Die Stadtwerke müssen auch weiterhin liquide sein, um zu den deutlich höheren Preisen Gas einzukaufen. Auch unter diesem Gesichtspunkt sei das Modell in die Wege geleitet worden.