In Bangladesch ist eine 19-jährige Schülerin auf Geheiß ihres Schulleiters verbrannt worden, nachdem sie ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte. Nach Polizeiangaben vom Freitag beschuldigte einer von insgesamt 18 Festgenommenen in dem Fall den Leiter eines Islamischen Seminars, den Angriff in Auftrag gegeben zu haben. Der Fall löste landesweit Entsetzen aus.

Der Schulleiter habe die jetzt Festgenommenen angewiesen, Druck auf die 19-jährige Nusrat Jahan Rafi auszuüben, ihre Vorwürfe fallen zu lassen, sagte Ermittler Mohammad Iqbal der Nachrichtenagentur AFP. Weigere sie sich, solle sie getötet werden. Wenige Tage, nachdem Rafi ihren Schulleiter wegen sexueller Belästigung bei der Polizei angezeigt hatte, wurde sie auf das Dach der Schule gelockt, mit Kerosin übergossen und in Brand gesteckt. Die junge Frau erlitt Verbrennungen an 80 Prozent ihres Körpers und starb später im Krankenhaus.

Vor ihrem Tod zeichnete Rafi allerdings noch ein Video auf, in dem sie ihre Vorwürfe gegen den Schulleiter bekräftigte. „Der Lehrer hat mich angefasst, ich werde bis zu meinem letzten Atemzug gegen dieses Verbrechen kämpfen“, erklärte sie darin. Sie nannte auch einige der Angreifer, die ihr aufgelauert hatten.

Laut Polizei hatten mindestens fünf der Festgenommenen, darunter drei Mitschüler, die junge Frau mit einem Schal gefesselt. „Der Plan war, den Vorfall als einen Selbstmord auszugeben. Aber er scheiterte, als es Rafi gelang, die Treppe hinunterzulaufen, nachdem das Feuer den Schal durchgebrannt hatte und ihre Hände und Füße wieder frei waren“, sagte Ermittler Iqbal.

Rafis Bruder Mahmudul Hasan Noman sagte der Nachrichtenagentur AFP, Menschen aus dem Umfeld des Schulleiters hätten auch auf ihn und auf andere Familienmitglieder Druck ausgeübt. „Sie haben uns gesagt, dass es eine Verschwörung gegen ihn gibt und die Vorwürfe erfunden sind“, sagte er. Ein Polizeisprecher bestätigte unterdessen die Festnahme des örtlichen Vorsitzenden der Regierungspartei. Dieser soll einem der Hauptverdächtigen zur Flucht geraten haben.

Menschenrechtsorganisationen beklagen eine steigende Zahl von Vergewaltigungen und Belästigungen in Bangladesch wegen unzureichender Strafverfolgung. Auch Rafis Anzeige war bei der Polizei als „keine große Sache“ abgetan worden, wie aus einem bekannt gewordenen Video hervorging. Die Regionalleiterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Meenakshi Ganguly, sprach von einem „schrecklichen Mord an einer mutigen Frau“. Der Fall zeige, dass die Regierung in der Pflicht sei, Opfer sexueller Gewalt ernstzunehmen und sicherzustellen, dass sie ohne Angst vor Vergeltung gegen die Täter vorgehen könnten.

Nach dem Tod der jungen Frau hatte es in der vergangenen Woche landesweit Proteste gegeben. Premierministerin Scheich Hasina Wajed versprach, dass „keinem der Täter gerichtliche Schritte erspart bleiben“. Am Freitag versammelten sich Dutzende Studenten in der Hauptstadt Dhaka und forderten, die Rolle der Polizei in dem Fall müsse gerichtlich untersucht werden. Die Zeitung „Daily Star“ zitierte in ihrer Onlineausgabe einen Organisator der Proteste mit den Worten, die Polizei habe nicht nur nachlässig gehandelt, sondern sei „in den Mord an Nusrat verwickelt“, weil sie auf die Anzeige nicht schnell genug reagiert habe.

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