Neymar Kylian Mbappé PSG
Foto: David Ramos/Pool Photo via AP

Neymar und Kylian Mbappé als uneitle Teamplayer? Unvorstellbar! Oder doch nicht? Nach dem Einzug ins Finale der Champions League (Sonntag, 21 Uhr/ZDF, Sky und DAZN) wird das Kollektiv von Paris Saint-Germain gelobt. Eigentlich dreht sich aber doch alles wieder um den großen Künstler aus Brasilien.

Auf den Spuren der Königsklassen-Sieger Jürgen Klopp und Jupp Heynckes hat Thomas Tuchel seine größte Leistung als Trainer schon vor dem Endspiel der Champions League geschafft. Während der große Neymar in den sozialen Netzwerken euphorisch den finalen Angriff auf den Henkelpott in Lissabon ausrief, saß Weltmeister Kylian Mbappé auf dem knallroten Sessel im Keller des Estádio da Luz neben seinem deutschen Coach und sprach das Unvorstellbare ziemlich gelassen aus.

Neymar und Mbappé als demütige Teamplayer? „Wir sind nicht mehr so konzentriert auf uns beide. Wir haben es geschafft zu verstehen, dass wir mit den anderen gewinnen – und nicht nur zu zweit“, sagte der Stürmerstar nach dem spielend leichten Einzug ins Finale der Königsklasse von Paris Saint-Germain beim 3:0 gegen RB Leipzig.

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„Ja, ganz ehrlich, ja“, schob er nach, als könnte man ihn missverstehen. „Wir haben es geschafft, eine Mannschaft zu erschaffen, wo jeder seine Wichtigkeit kennt, jeder kennt auch seine Schwächen, wir sind zusammengeschweißt auf dem Platz, so gewinnt man auch“, sagte Mbappé. So sei es leichter, „Opfer zu bringen“.

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Die spanische Zeitung „El Mundo“ beschrieb genau dieses Phänomen: „Nichts erklärt sich ohne Neymar, aber nicht alles erklärt sich nur durch ihn. PSG, bislang oft eine reine Ansammlung von Stars, ist nun ein Team.“

Mehr als eine Milliarde Euro steckt im PSG-Projekt

Mehr als eine Milliarde Euro haben die Geldgeber aus Katar in ihr Pariser Projekt und diverse Glamour-Boys des Fußballs in den vergangenen Jahren investiert. Wie eine Reminiszenz gratulierte Ex-Spieler David Beckham zum Finaleinzug. Für die Erkenntnis bei seinen Topstars, dass es gemeinsam leichter geht, brauchte auch Tuchel eine kleine Anlaufzeit. Doch jetzt ist der Griff nach dem Henkelpott nach dem erstmaligen Finaleinzug so kurz wie nie zuvor.

„Wir haben heute Geschichte geschrieben, aber dabei wollen wir es nicht belassen, wir wollen mehr…“, schrieb Neymar auf Instagram. „Jetzt wollen wir die Schüssel, den Pokal, die Trophäe. Paris feiert“, jubilierte der 28-Jährige, der 2015 mit dem FC Barcelona in Berlin schon einmal die Champions League gewinnen konnte. Diesjähriger Endspielgegner am kommenden Sonntag ist der FC Bayern, der sich am Mittwoch gegen den Pariser Ligakonkurrenten Olympique Lyon mit 3:0 durchsetzte.

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Neymar erinnerte auch an seine persönliche Verletzungsgeschichte – in den beiden Vorsaisons hatte der teuerste Fußballer der Geschichte jeweils beim Aus von PSG gefehlt. „Zwei Jahre in Serie habe ich in Momenten, die für mich und unsere Mannschaft entscheidend waren, Verletzungen erlitten. Heute konnte ich unversehrt, ohne Verletzung, meine Teamkollegen bestmöglich unterstützen“, schrieb er.

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Neymars Worte waren keinen Phrase. Tatsächlich hatte er beim Sturmlauf gegen Leipzig demonstriert, wie gut er wirklich ist, wenn er sich auf den Fußball konzentriert. Dabei gelang ihm nicht einmal ein Tor. Tuchel antwortete mit Humor auf die besorgten Fragen der französischen Reporter. „Ich kann da nichts machen. Wie soll ich Neymar erklären, wie man ein Tor schießt. Ich habe vielleicht zwei Tore in meiner ganzen Karriere geschossen. Also, da kann ich ihm nicht helfen, vielleicht kann ihm Kylian helfen“, meinte der Coach.

Und jener Kylian antwortete ganz im Sinne des neuen Teamgeistes. „Er ist einer der Besten der Welt. Er hat es heute wieder gezeigt. Vielleicht hat er nicht getroffen, aber wir wissen, dass das nicht das Wichtigste ist“, sagte Mbappé. Die Wahl zum Weltfußballer des Jahres werde Neymar und nicht Bayern Münchens Robert Lewandowski gewinnen, wenn PSG im Finale am Sonntag reüssiert.

Twitter

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Während in Frankreich der erste Einzug in das Finale der Königsklasse seit AS Monaco 2004 und der mögliche erste Triumph seit Olympique Marseille noch mit Rudi Völler im Premierenjahr 1993 bejubelt wurde, erklang aus dem unter den Top 4 nicht mehr vertretenen England auch Kritik. „Es ist nicht gerade eine sentimentale Geschichte, wenn die von Katar finanzierten Neureichen eine Mannschaft besiegen, die einen Energydrink verherrlichen soll, aber Paris Saint-Germain dürfte das nicht im geringsten kümmern“, schrieb „The Telegraph“.

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Das Boulevard-Blatt „The Sun“ erkannte offenbar den seichten Wandel an der Seine: „Das Team aus dem Prinzenpark ist das beste Fußballbeispiel dafür, dass eine Mannschaft für mehr Schein als Sein steht – aber vielleicht beweist diese Mannschaft jetzt, dass sie doch etwas Substanz hat.“

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Quelle: dpa