Bayern München champions league sieger hansi flick
Foto: Miguel A. Lopes/Pool EPA/AP/dpa

In nicht einmal zehn Monaten formt Hansi Flick die Bayern zum besten Fußballteam Europas. Im Jubel nach dem Finaltriumph gegen Paris erinnert der Trainer aber auch an die Abgesänge der Anfangszeit. „Der Haufen ist Wahnsinn“, sagt ein nun zweimaliger Triple-Gewinner.

Hansi Flick setzte seinen Triple-Champions in der Jubelnacht von Lissabon beim Feiern keinerlei Grenzen. „Ich habe keine Sperrstunde ausgerufen“, sagte der 55-Jährige, der den FC Bayern in nicht einmal zehn Monaten als Cheftrainer mit dem krönenden 1:0 (1:0) im Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain zum besten Fußballteam Europas formte.

„Wir gehen mit dem Henkelpott nach Hause“, sagte der Baumeister des zweiten Münchner Triples nach 2013, damals unter Jupp Heynckes. „Es ist ein Traum für uns alle“, sagte Kapitän Manuel Neuer, der den Pokal als Erster halten durfte.

Der fesselnde Krönungsabend im praktisch leeren Estádio da Luz hatte auf Münchner Seite zwei Helden, die herausstachen. Neben dem auch für Neymar, den teuersten Fußballer der Welt, unbezwingbaren Torhüter Neuer war Kingsley Coman die umjubelte Figur. Der französische Nationalspieler traf in der 59. Minute mit dem Kopf. Das 500. Champions-League-Tor der Bayern entschied das hochintensive Endspiel.

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Coman sprach später „vom schönsten Tag meines Lebens, was den Fußball angeht“. Der Außenstürmer, der vor 24 Jahren in Paris zur Welt kam, bei PSG ausgebildet wurde und im Alter von 16 im Profiteam debütiert hatte, verhinderte den ersehnten ersten Königsklassen-Triumph des französischen Meisters mit Trainer Thomas Tuchel.

„So ist Fußball, der schreibt manchmal seine eigenen Geschichten“, sagte Flick zu Matchwinner Coman. Flicks Kalkül war aufgegangen. Er stellte Coman für Ivan Perisic in die Startelf, weil die PSG-Vergangenheit vielleicht ein Schuss „Extra-Motivation“ sei. Es funktionierte.

Flick mochte aber keinen Einzelnen hervorheben für eine gigantische Gesamtleistung, die mit seiner Übernahme des Chefpostens nach der Trennung von Niko Kovac Anfang November 2019 begann. „Es war harte Arbeit“, sagte er zum Triple, bei dem am Ende vieles spielerisch wirkte. Und Flick erinnerte im Moment des größtmöglichen Erfolgs auch bewusst an die Anfänge.

„Im vergangenen November war zu lesen, dass man keine Angst mehr hat vor der Mannschaft, keinen Respekt. Und wie schlecht die Mannschaft eigentlich ist. Ich finde, die Entwicklung, die sie genommen hat, ist einfach sensationell.“ In der Tat.

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2020 sind die Bayern ungeschlagen, alle elf Saisonspiele auf dem Weg zum Königsklassen-Titel wurden auch oft dank Torschützenkönig Robert Lewandowski (15 Treffer) gewonnen – eine historische Leistung.

Joshua Kimmich sprach davon, dass man auch im Finale trotz der PSG-Superstars Neymar und Kylian Mbappé „ein wenig das Gefühl der Unschlagbarkeit“ gehabt habe. „Der Haufen ist Wahnsinn, von A bis Z“, sagte Thomas Müller, einer von jetzt fünf zweimaligen Münchner Triple-Siegern, über das nächste große Bayern-Team.

Flick mochte nicht gleich wieder in die Zukunft schauen, auf das, was schon im September beim raschen Start in die neue Saison auf ihn und seine Mannschaft zukommt. „Das ist jetzt erstmal hinten angestellt, weil es uns jetzt auch gut tut, wenn wir 14 Tage mal durchschnaufen können“, sagte er: „Jetzt genieße ich einfach diesen Sieg im Finale.“

Wieso wurde die Champions League unterbrochen?

Während die Gruppenphase der Champions-League-Saison 2019/20 ja noch im vergangenen Jahr vor Ausbruch des Coronavirus ausgetragen werden konnte, musste die UEFA das Achtelfinale der „Königsklasse“ aufgrund der Pandemie unterbrechen.

Nachdem alle acht Hinspiele der Runde im Februar noch normal vor Zuschauern ausgetragen werden konnten, zählten die vier Rückspiele, die noch gespielt wurden, zu den letzten großen Fußballspielen vor der Corona-Unterbrechung.

Am 10. bzw. 11. März wurden die Spiele RB Leipzig gegen Tottenham sowie Liverpool gegen Atletico Madrid sogar noch vor Zuschauern ausgetragen. Die Partien Paris Saint-Germain gegen Borussia Dortmund und Valencia gegen Atalanta Bergamo fanden hingegen schon unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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Einige Spiele der UEFA Europa League wurden einen Tag später noch ausgetragen, dann rollte erst einmal in den europäischen Top-Ligen und folglich auch den beiden Klubwettbewerben monatelang aufgrund von Corona kein Ball mehr.

Gerade in der Zeit unmittelbar nach der Unterbrechung stand ein kompletter Abbruch im Raume – unter anderem wurden ja auch die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Sommerspiele verschoben.

Allerdings wurde im Mai und Juni ein Konzept entwickelt, um die „Königsklasse“ im veränderten Modus, mit neuem Austragungsort und zu einem deutlich späteren Zeitpunkt zu Ende zu bringen.

Nach welchem Modus wurde die Champions League ausgetragen?

Seit Jahrzehnten sind Fußball-Fans daran gewöhnt, dass es in der K.o.-Runde der Champions League Hin- und Rückspiele mit jeweils einem Heimspiel pro Team gibt, ehe dann das Finale in einem Spiel mit etwaiger Verlängerung und Elfmeterschießen ausgetragen wird.

Der Modus wurde in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise angepasst und es gab ein Finalturnier geben, das vielmehr an die Austragung einer Welt- oder Europameisterschaft erinnert.

Die Spiele im Viertelfinale, die beiden Halbfinals und das Endspiel wurden allesamt in einer Stadt, der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, ausgetragen. In Viertelfinale und Halbfinale wird es nicht wie gewohnt Hin- und Rückspiele geben. Es kam nur zu einem Aufeinandertreffen der Teams.

Wann und wo fanden die restlichen Achtelfinal-Spiele der Champions League statt?

Bevor es zu dem Finalturnier in Lissabon kam, wurden noch die vier ausstehenden Rückspiele des Achtelfinals, das im März unterbrochen wurde, nachgeholt. Das waren die ausstehenden Achtelfinal-Spiele, Anstoß war jeweils um 21 Uhr:

  • Freitag, 7. August: Manchester City – Real Madrid 2:1 (Hinspiel 2:1)
  • Freitag, 7. August: Juventus Turin – Olympique Lyon 2:1 (Hinspiel 0:1)
  • Samstag, 8. August: FC Bayern München – FC Chelsea 4:1 (Hinspiel 3:0)
  • Samstag, 8. August: FC Barcelona – SSC Neapel 3:1 (Hinspiel 1:1)

Diese vier Partien fanden in den jeweiligen Heimstadien der erstgenannten Mannschaften statt, damit sie auch einmal einen „Heimvorteil“ in der Paarung mit Hin- und Rückspiel haben. Da alle Spiele ohne Zuschauer stattfinden, dürfte sich dieser Vorteil aber in Grenzen halten.

Welche Teams nahmen am Champions-League-Finalturnier teil?

Neben den Teams, die sich in den noch ausstehenden Achtelfinals durchsetzen, nahmen die bereits qualifizierten Vereine Paris Saint-Germain, Atalanta Bergamo, Atletico Madrid und RB Leipzig am Finalturnier in Lissabon teil.

Die vier Mannschaften, die sich bereits vor der Unterbrechung im März für das Viertelfinale qualifiziert haben, trafen dabei in zwei direkten Duellen aufeinander – das hat die Auslosung der UEFA Mitte Juli ergeben. Die Viertelfinal-Spiele werden vom 12. bis zum 15. August ausgetragen.

Das Champions-League-Viertelfinale:

  • Atalanta Bergamo – Paris Saint-Germain 1:2
  • RB Leipzig – Atletico Madrid 2:1
  • Barcelona – Bayern München 2:8
  • Manchester City gegen Lyon 1:3

Ursprünglich war das Viertelfinale der „Königsklasse“ übrigens für die erste April-Hälfte terminiert. In Spielen Ende April und Anfang Mai hätten dann wiederum in zwei Halbfinal-Paarungen die beiden Finalisten ermittelt werden sollen.

Das Champions-League-Halbfinale:

  • Dienstag, 18. August: RB Leipzig – Paris Saint-Germain 0:3
  • Mittwoch, 19. August: Olympique Lyon – Bayern München 0:3

Wann fand das Champions-League-Finale 2020 statt?

Das Endspiel der Champions-League-Saison 2019/2020 fand am Sonntag, den 23. August, um 21 Uhr statt. Die Partie zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern München wurde im Estadio da Luz in Lissabon, dem Stadion von Benfica ausgetragen. Ursprünglich sollte das Finale am 30. Mai im Atatürk-Stadion in Istanbul gespielt werden.

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Das Champions-League-Finale:

  • Sonntag, 23. August: Paris Saint-Germain – Bayern München 0:1

Wo wird das Champions-League-Finalturnier ausgetragen?

Als Austragungsort für die Spiele des Viertelfinale, des Halbfinals sowie für das Endspiel hat die UEFA die portugiesische Hauptstadt Lissabon bestimmt. Dort fanden die insgesamt sieben Spiele in zwei Stadien statt.

Zwei Spiele im Viertelfinale und ein Halbfinale wurden im Estádio José Alvalade ausgetragen, die anderen drei Partien der Vorschlussrunden sowie das Finale fanden im Estádio da Luz statt.

Das Estádio da Luz ist das Stadion von Benfica und wurde für die Europameisterschaft 2004 errichtet, dort fand auch das Endspiel zwischen Gastgeber Portugal und den von Otto Rehhagel trainierten Griechen statt.

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Eigentlich hätten über 60.000 Zuschauer in das Stadion im Nordwesten Lissabons Platz finden können, allerdings wurden alle Spiele ohne Fans ausgetragen. Im Estádio da Luz fand übrigens auch das Champions-League-Finale 2014 zwischen Real Madrid und Atletico Madrid (4:1 nach Verlängerung) statt.

Das Estádio José Alvalade ist die Heimstätte von Benficas großen Rivalen Sporting. Das Stadion wurde ebenfalls für die EM 2004 gebaut und war damals unter anderem Austragungsort eines Viertel- und eines Halbfinals.

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Ein Jahr später wurde im Estádio José Alvalade ein europäisches Finale ausgetragen. Sporting verlor im Mai im heimischen Stadion das Finale des UEFA Cup (inzwischen Europa League) 1:3 gegen ZSKA Moskau. Im Stadion finden normalerweise rund 50.000 Zuschauer Platz.

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Konnten Zugänge schon im Champions-League-Finalturnier für ihre neue Vereine spielen?

Nein! Auch wenn das Transferfenster in den europäischen Ligen schon wieder geöffnet ist, durften die Zugänge in der laufenden Champions-League-Saison noch nicht zum Einsatz kommen.

Das betraf beim FC Bayern unter anderem Alexander Nübel und Leroy Sané, die bereits beim deutschen Rekordmeister trainieren. Auch Timo Werner kam noch nicht für den FC Chelsea zum Einsatz, spielte aber auch nicht mehr für seinen alten Verein RB Leipzig.

Zwar ist es laut UEFA-Regularien erlaubt, an dem 25-Mann-Aufgebot für die Champions League Veränderungen vorzunehmen. Allerdings waren nur Profis spielberechtigt, die bereits seit der Transferperiode im vergangenen Winter (Stichtag ist der 3. Februar) bei dem jeweiligen Verein unter Vertrag stehen.

Während einige Spieler also auf ihre ersten Pflichtspiel-Einsätze bei ihrem neuen Klub warten mussten, mussten einige Klubs auf Spieler verzichten, die im Februar und März noch zu ihren wichtigen Stützen in der Champions League zählten.

Profis, die in der Zwischenzeit den Verein gewechselt haben, konnten sich dafür entscheiden, ob sie die Champions-League-Saison noch für ihren alten Klub zu Ende spielen.

Allerdings haben sich unter anderem Timo Werner (ist von Leipzig zu Chelsea gewechselt), Lucas Tousart (war von Hertha BSC an Lyon ausgeliehen) oder Thomas Meunier (ist von PSG zu Dortmund gewechselt) dagegen entschieden. Sie bereiten sich stattdessen mit ihren neuen Klubs auf die bevorstehende Saison vor.

Andere Spieler wie die Bayern-Leihgaben Alvaro Odriozola (Real Madrid) und Philippe Coutinho (FC Barcelona) kehren erst nach Ende des Champions-League-Turniers zu ihren eigentlichen Vereinen zurück.

Wie viele Wechsel waren in der Champions League erlaubt?

Eine Veränderung, die die coronabedingte Wettkampfpause nach sich zog, ist die Tatsache, dass auch in der „Königsklasse“ bis zum Saisonende fünf Wechsel pro Mannschaft erlaubt waren.

Diese Anpassung hat es bereits in den europäischen Ligen nach dem Re-Start gegeben, um in erster Linie auf die kurze Vorbereitungszeit der Vereine nach der langen Wettkampfpause zu reagieren.

Um diese fünf Wechsel vorzunehmen, hat ein Trainer die Möglichkeit, das laufende Spiel dreimal zu unterbrechen. Wechsel in der Halbzeitpause, vor Anpfiff einer möglichen Verlängerung und in der Halbzeitpause der Verlängerung zählen auch in der „Königsklasse“ nicht als eine Unterbrechung. Sollte ein Spiel in die Verlängerung gehen, können die Trainer dann sogar eine sechste Auswechslung vornehmen.

Wer war der beste Torschütze der abgelaufenen Champions-League-Saison?

Schauen wir zum Schluss noch einmal auf das Sportliche. Während in den vergangenen Jahren eigentlich Cristiano Ronaldo und Lionel Messi unter sich ausgemacht haben, wer bester Torschütze in der „Königsklasse“ wird, sieht es in dieser Saison anders aus.

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Drei Spieler, die bei deutschen Klubs unter Vertrag stehen, stehen dort nach Abschluss des Wettbewerbs an der Spitze. Robert Lewandowski gewinnt die Torjägerkrone mit 15 Treffern, dahinter folgen Dortmunds Erling Haaland (10) und Bayerns Serge Gnabry (9).

Hier könnt ihr euch übrigens noch einmal alle Champions-League-Finals der Geschichte anschauen!