Eurovision Song Contest 2021: Italien siegt, Deutschland scheitert krachend – alle Infos zum ESC

Gäbe es die Corona-Pandemie nicht, dann hätte in diesem Jahr der 66. Eurovision Song Contest stattgefunden. Weil er aber im vergangenen Jahr wegen Corona ausfiel, wurde 2021 der 65. ESC in Rotterdam nachgeholt - mit neuen Liedern. So lief der ESC 2021.
Maneskin Italien ESC Sieger
Foto: AP Photo/Peter Dejong

Der bis vor 20 Jahren in Deutschland meist Grand Prix Eurovision de la Chanson genannte Eurovision Song Contest (ESC) existiert seit 1956. Somit wäre es dieses Jahr eigentlich der 66. „Eurovision-Liederwettbewerb“ – doch die Corona-Pandemie führte 2020 erstmals zur Absage und so wurde 2021 der 65. nachgeholt. Hier erfahrt ihr alles rund um den ESC 2021.

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Wer gewann den ESC 2021?

Gewonnen hat Italien mit dem rockigen Protestsong „Zitti e buoni“ der Band Måneskin. Die Römer lieben es, sich wild mit schrillen Outfits und halbnackt zu inszenieren. Auf Platz zwei kam Frankreich mit dem Chanson „Voilà“ von Barbara Pravi, auf Rang drei die Schweiz mit der Ballade „Tout l’univers“ des Sängers Gjon’s Tears. Hier gibt es den Siegersong im Video:

Mit dem Anti-Hass-Lied „I don’t feel hate“ ist Deutschland beim Eurovision Song Contest auf wenig Gegenliebe gestoßen und mal wieder ganz weit hinten gelandet – wie schon vor zwei, vier, fünf und sechs Jahren. Der 26 Jahre alte Hamburger Sänger Jendrik erreichte nur Rang 25 und damit den vorletzten Platz beim 65. ESC in Rotterdam. Hinter Deutschland landete nur Großbritannien.

Hier geht es zur ausführlichen Rückschau auf das Finale.

Alle Platzierungen im Überblick:

  • 01 ITALIEN mit Måneskin („Zitti E Buoni“): 524 Punkte
  • 02 FRANKREICH mit Barbara Pravi („Voilà“): 499 Punkte
  • 03 SCHWEIZ mit Gjon’s Tears („Tout l’univers“): 432 Punkte
  • 04 ISLAND mit Daði og Gagnamagnið („10 Years“): 378 Punkte
  • 05 UKRAINE mit Go-A („Shum“): 364 Punkte
  • 06 FINNLAND mit Blind Channel („Dark Side“): 301 Punkte
  • 07 MALTA mit Destiny („Je me casse“): 255 Punkte
  • 08 LITAUEN mit The Roop („Discoteque“): 220 Punkte
  • 09 RUSSLAND mit Manizha („Russian Woman“): 204 Punkte
  • 10 GRIECHENLAND mit Stefania („Last Dance“): 170 Punkte
  • 11 BULGARIEN mit Victoria („Growing Up Is Getting Old“): 170 Punkte
  • 12 PORTUGAL mit The Black Mamba („Love Is On My Side“): 153 Punkte
  • 13 MOLDAU mit Natalia Gordienko („Sugar“): 115 Punkte
  • 14 SCHWEDEN mit Tusse („Voices“): 109 Punkte
  • 15 SERBIEN mit Hurricane („Loco Loco“): 102 Punkte
  • 16 ZYPERN mit Elena Tsagrinou („El Diablo“): 94 Punkte
  • 17 ISRAEL mit Eden Alene („Set Me Free“): 93 Punkte
  • 18 NORWEGEN mit Tix („Fallen Angel“): 75 Punkte
  • 19 BELGIEN mit Hooverphonic („The Wrong Place“): 74 Punkte
  • 20 ASERBAIDSCHAN mit Efendi („Mata Hari“): 65 Punkte
  • 21 ALBANIEN mit Anxhela Peristeri („Karma“): 57 Punkte
  • 22 SAN MARINO mit Senhit („Adrenalina“): 50 Punkte
  • 23 NIEDERLANDE mit Jeangu Macrooy („Birth Of A New Age“): 11 Punkte
  • 24 SPANIEN mit Blas Cantó („Voy A Quedarme“): 6 Punkte
  • 25 DEUTSCHLAND mit Jendrik („I Don’t Feel Hate“): 3 Punkte (nur von Jurys: 2 Punkte von Österreich und ein Punkt von Rumänien)
  • 26 GROSSBRITANNIEN mit James Newman („Embers“): 0 Punkte

Wo fand der ESC statt?

Der 65. Eurovision Song Contest wurde im Veranstaltungszentrum Ahoy in Rotterdam ausgetragen, weil 2019 die Niederlande gewonnen und so die Show zu sich geholt hatten.

Wo lief der ESC 2021 im deutschen TV?

Das fast vierstündige Finale begann am 22. Mai um 21.00 Uhr und wurde in Deutschland im Ersten ausgestrahlt. Die gut zweistündigen Halbfinalshows am 18. und 20. Mai übertrug der ARD-Digitalsender One ab 21.00 Uhr.

Wie lief das mit dem Publikum vor Ort?

Beim ESC in der Halle gab es Publikum, allerdings unter Corona-Bedingungen. Der Wettbewerb wurde ein sogenanntes „Fieldlab-Experiment“, bei dem getestet wurde, wie Großereignisse auch in Corona-Zeiten stattfinden können. Das entschied das niederländische Kultur-Ministerium Ende April.

In den drei Live-Shows und bei den sechs öffentlichen Proben durften jeweils 3500 Zuschauer dabei sein. Das entspricht etwa 20 Prozent der Kapazität des Ahoy. Es gab vor der Mega-Bühne keine Stehplätze, stattdessen war dort der „Green Room“. Alle Zuschauer mussten sich zuvor und fünf Tage nach dem Event testen lassen. Ausländische Fans sind im Prinzip zugelassen, doch wurden wegen der Reisebeschränkungen nur wenige erwartet.

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Was geschieht bei einem Corona-Fall?

Sollte ein Sänger positiv auf das Corona-Virus getestet werden, darf er nicht auftreten – zumindest nicht live. Wie im Fall von Island, wo dann ein Video von dem Beitrag gezeigt wurde. Alle Teilnehmerländer mussten – als Vorbereitung für den Notfall – so ein Video einschicken. Übrigens wurden auch diese Videos nach Wettkampfbedingungen aufgenommen.

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Welche Länder und Acts traten beim ESC 2021 an?

Nach dem Rückzug von Armenien Anfang März und der Disqualifikation von Belarus (wegen eines zu politischen Beitrags, der den Wettbewerb laut Veranstalterin EBU instrumentalisieren oder in Verruf bringen könnte), nahmen nur noch 39 Länder am ESC 2021 teil. Australien trat – wegen der Reisebeschränkungen – als einziges Land nur mit einem Video an. Das sind die 39 Lieder im Schnelldurchlauf:

Aus den beiden Halbfinals qualifizierten sich letztlich 20 Kandidaten, die neben den „Big Five“ (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien) sowie dem Gastgeber (Niederlande) im Finale antreten dürfen.

Das waren die Finalisten des ESC-Finale 2021:

  • Norwegen
  • Israel
  • Russland
  • Aserbaidschan
  • Malta
  • Litauen
  • Zypern
  • Schweden
  • Belgien
  • Ukraine
  • Schweiz
  • Island
  • Albanien
  • Serbien
  • Bulgarien
  • Moldau
  • Portugal
  • San Marino
  • Griechenland
  • Finnland
  • Deutschland
  • Niederlande
  • Frankreich
  • Großbritannien
  • Italien
  • Spanien

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Schickten alle Länder ihre Beiträge vom letzten Jahr?

Kein einziges Land konnte noch einmal den Beitrag von 2020 ins Rennen schicken. Alle mussten neue Lieder einreichen. Das legte die Rundfunkunion EBU als Veranstalterin früh fest. 26 Länder halten jedoch – teils nach Vorentscheiden – an ihren für 2020 ausgewählten Interpreten fest. 13 schickten neue Acts, darunter Deutschland.

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Wer und was ist der deutsche Beitrag?

Der Hamburger Musiker Jendrik Sigwart (26) wurde in einem vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) organisierten Verfahren ausgewählt. Der NDR hat innerhalb der ARD-Rundfunkanstalten die ESC-Federführung. Am 25. Februar veröffentlichte der Sänger sein Lied „I don’t feel hate“. Es geht darum, über dem Hass anderer zu stehen. Das Lied kommt betont fröhlich daher, die Strophen werden von Jendriks Ukulele untermalt, der Refrain von Trompeten.

Hier könnt ihr euch das Lied anhören:

Wer war Favorit beim ESC 2021?

Wer sich bei Fans und Buchmachern umhörte, bekam als Favoriten immer wieder die Beiträge der Länder Malta und Schweiz genannt. Für den kleinen Inselstaat Malta wäre es der erste Sieg überhaupt gewesen, für die Schweiz der dritte – nach 1956 mit Lys Assia und 1988 mit Céline Dion. Auch Frankreich und Italien gehörten zum Favoritenkreis. Im weiteren Favoriten-Feld kamen Island, Litauen, Bulgarien, Schweden und Zypern vor.

Deutschland, das den ESC 2010 zuletzt mit Lena Meyer-Landrut am Mikrofon gewinnen konnte, wurden kaum Chancen eingeräumt.

Wer moderierte den ESC?

Das Trio Chantal Janzen, Edsilia Rombley und Jan Smit, das schon 2020 durch die Show führen sollte, moderierte den ESC 2021. Dazu kommt die Vloggerin Nikkie de Jager alias NikkieTutorials. Smit ist auch in Deutschland populär, da er Teil des Schlagertrios Klubbb3 ist – neben dem Belgier Christoff De Bolle und Florian Silbereisen. Die Sängerin Rombley hatte ihr Land 1998 auf dem ESC vertreten und wurde vierte. Chantal Janzen ist ebenfalls Sängerin und prominente TV-Moderatorin.

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Und sonst?

Im letzten Jahr galt der Isländer Daði Freyr mit seiner Band als ein Favorit, er lebt seit Jahren in Berlin. Viele sagen auch, dass die litauische Band The Roop 2020 gewonnen hätte, ihr Lied „Discoteque“ dieses Jahr fanden viele aber schwächer. Zyperns Song „El Diablo“ (Der Teufel) wurde angefeindet, eine christliche Gruppe versuchte mit einer Petition, die ESC-Teilnahme zu verhindern, weil sie das Lied als satanistisch empfanden. Der zyprische Sender wies das zurück, das sei eindeutig metaphorisch.

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dpa