Foto: feelartfeelant/Shutterstock.com (Symbolbild)
Foto: feelartfeelant/Shutterstock.com (Symbolbild)

In einer Pflegeeinrichtung für Schwerkranke im US-Staat Arizona hat eine Frau, die seit zehn Jahren im Wachkoma liegt, ein Baby zur Welt gebracht. Die Polizei in Phoenix nahm am Dienstag auf richterlichen Beschluss DNA-Proben von allen männlichen Angestellten von Hazienda HealthCare, um den Vater zu ermitteln.

Der Fall veranlasste Behörden, ihre Vorkehrungen zum Schutz schwerkranker Menschen vor sexuellen Übergriffen zu überprüfen. Vor allem löste er Empörung und Erschütterung darüber aus, das so etwas geschehen konnte – und das übrige Personal bis zur Geburt des Kindes am 29. Dezember offenbar nicht bemerkt hat, dass die Frau schwanger war.

Die Frau liegt im Wachkoma, nachdem sie vor zehn Jahren beinahe ertrunken wäre, berichtete die Webseite Azfamily.com. Sie hatte als erste über den Fall berichtet. Der Vorsitzende der San Carlos Apache, Terry Rambler, teilte mit, dass die Frau zu dem Volk gehöre. „Im Namen unseres Stamms bin ich zutiefst schockiert und entsetzt über die Behandlung von unserer Angehörigen“, sagte er. Man müsse den Pflegenden von derart hilflosen Patienten vertrauen können.

Ein Anwalt der Familie teilte mit, die Familie sei entsetzt über die „Vernachlässigung ihrer Tochter“ und bitte um Respektierung ihrer Privatsphäre. „Die Familie möchte, dass ich mitteile, dass das Baby in eine liebende Familie geboren wurde und dass sie sich darum kümmern wird“, sagte John Micheaels.

Der Polizeichef der San Carlos Apache, Alejandro Benally, sagte, zusammen mit der Polizei von Phoenix werde alles getan, um den Täter ausfindig zu machen. Die Geschäftsführung der Pflegeeinrichtung teilte mit, sie kooperiere mit den Ermittlern. Sie werde „nicht weniger akzeptieren, als eine vollständige Aufklärung dieser absolut entsetzlichen Situation“, sagte Hazienda HealthCare-Vorstandsmitglied Gary Orman.

Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Bill Timmons, trat am Dienstag zurück, wie Hacienda-Sprecher David Leibowitz mitteilte. Der Gouvnerneur von Arizona, Doug Ducey, ließ mitteilen, dass dieser Vorfall „zutiefst beunruhigend“ sei. Die Polizei von Phoenix äußerte sich zunächst nicht.

In der Einrichtung werden schwerkranke Kinder und junge Erwachsene betreut. Die Gesundheitsbehörde Arizonas teilte mit, sie habe veranlasst, dass von nun an neue Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt werden. Bei der Behandlung, Versorgung oder Betreuung eines Patienten oder einer Patientin müsse nun mehr Personal anwesend sein. Es solle mehr Überwachung geben und auch Besucher genauer kontrolliert werden.

Ein Anwalt, der sich auf Missbrauchsfälle bei pflegebedürftigen Erwachsenen spezialisiert hat, sagte, es seien sehr umfangreiche Ermittlungen von der vollständigen Krankenakte der Frau, einer Liste aller ehemaligen und derzeitigen Mitarbeiter und aller Rechtsstreitigkeiten der Einrichtung nötig.

„Es gibt viele Informationen, die wir nicht haben“, erklärte Martin Solomon. „Aber diese Dinge passieren nicht, ohne dass das jemand anderes mitbekommt oder hätte mitbekommen sollen. Ob es nun ein Angestellter war oder jemand von draußen, die Einrichtung hat eine Verpflichtung, ihre Patienten zu schützen.“

Die Direktorin einer Einrichtung für Behinderte, Erica McFadden vom Arizona Development Disabilities Planning Council, sagte, es müsse mehr getan werden, um sexuellen Missbrauch zu erkennen und zu melden. Dies gehöre in das Ausbildungsprogramm des Pflegepersonals.

Jon Meyers, Direktor einer weiteren Patienten-Hilfsorganisation, The Arc of Arizona, sagte: „Ich war nicht dort, ich weiß nicht aus erster Hand, was passiert ist. Aber ich kann nicht glauben, dass bei einer Person, die dieses Ausmaß konstanter Pflege bekommt, bis zur Geburt nicht bekannt war, dass sie schwanger war.“

Keine News mehr verpassen: Folgt uns jetzt bei Facebook! (dpa)