Eichenprozessionsspinner: Alle Infos zu den gefährlichen Raupen

Nicht alle Schmetterlinge sind bunt und hübsch: Der Eichenprozessionsspinner kommt optisch eher unauffällig bis hässlich daher. Warum die Raupen so gefährlich für Menschen sein können, erfahrt ihr hier.
Eichen-Prozessionsspinner Raupen
Foto: JD Fotografiert / Shutterstock.com

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Zahnspinner (Notodontidae) und dabei nicht besonders hübsch anzusehen: Ausgewachsen präsentieren sich die Nachfalter mit braunem Kleid und wuschelig-haarigem Kopfteil. Dabei sind es nicht die Falter, welche in Deutschland für Angst und abgesperrte Baumbestände sorgen: Die Gefahr liegt in der Brut, also den Raupen. Genauer: den hauchdünnen Haaren der Raupen.

Wie verbreitet sind Eichenprozessionsspinner?

Aufgrund der Klimaveränderung und den immer wärmeren Wintern in Deutschland konnte sich die Population in Deutschland stark ausbreiten. Gemäß des Namens macht es sich der Eichenprozessionsspinner gerne auf Eichen bequem, darunter neben der Stiel- und Traubeneiche auch an der amerikanischen Roteiche.

Betroffen sind mittlerweile alle Bundesländer. Weit vorne rangieren jedoch Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen (NRW) und Bayern. Dabei zieht der Eichen-Prozessionsspinner meist das Flachland vor, kann aber auch Höhenlagen befallen.

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Woran erkenne ich die Raupen vom Eichenprozessionsspinner?

Die Raupen werden bis zu fünf Zentimeter lang und haben eine dunkle, breite und behaarte Rückenlinie mit rotbraunen Warzen. Zudem treten sie meist im Verbund von 20 bis 30 Raupen auf. Sie sind erstaunlich robust und können im Ei selbst tiefe Wintertemperaturen von bis zu Minus 39 Grad Celsius überleben.

Wie gefährlich sind Eichenprozessionsspinner für Menschen?

Während der Nachtfalter vollkommen ungefährlich ist, können die Brennhaare der Raupen sowohl bei Mensch als auch Tier allergische Reaktionen auslösen. Das Problem: Für den Kontakt muss man die Raupen nicht zwingend berühren. Oft reicht eine kleine Windböe um die feinen Haare der Tiere mehrere hundert Meter vom befallenen Baum entfernt in der Luft zu verteilen. Die Brennhaare bleiben dann an der Kleidung haften und werden gerne nach Hause „verschleppt“. Nebenbei kann man sie auch einatmen.

Nicht jede Berührung geht zwingend mit einer allergischen Reaktion einher. Zudem sollte man bei der medialen Präsenz des Themas nicht in Panik verfallen: Wirklich schlimme Reaktionen sind und bleiben zum Glück die Minderheit.

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Welche Symptome können bei Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner auftreten?

Bereits äußerst unangenehm sind die normalen allergischen Reaktionen wie (teils starker) Juckreiz, Blasenbildung oder Hautausschlag. Schlimmer und gefährlicher wird es bei einer Reizung der Atemwege, oder gar Atemnot und Asthma. Ebenfalls äußerst unangenehm ist der Augenkontakt mit den feinen Haaren: Hier kann es bis zur Bindehautentzündung kommen. In jedem Fall sollte bei einer allergischen Reaktion ein Arzt aufgesucht werden. Gegen den Hautausschlag können Kortison-Salben helfen.

Wann beginnt die Saison vom Eichenprozessionsspinner und wie lange ist er gefährlich?

Bereits im April und Mai können die Larven für den Menschen gefährlich sein, schlimmer ist aber die Zeit von Ende Mai bis Anfang Juli. Selbst im Winter können die übriggebliebenen Raupenhaare in den Nestern noch eine Gefahr darstellen, weil sie sich mit dem Wind verbreiten.

Das Toxin der Brennhaare ist übrigens ein wahrer Überlebenskünstler und über Jahre hinweg aktiv. So kann selbst Brennholz aus betroffenen Gebieten zum gesundheitlichen Problem werden.

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Wie kann ich mich vor dem Eichenprozessionsspinner schützen?

Leider gibt es diesbezüglich nur eine Antwort: Abstand wahren. Meidet in den Monaten von Ende Mai bis Anfang Juli befallene Eichen im Wald und in der Stadt. Nach Kontakt mit Raupenhaaren solltet ihr sofort die Kleidung wechseln und bei 60 Grad waschen. Eine ausgiebige Dusche kann ebenfalls nicht schaden.

Woher kommt der Name „Prozessionsspinner“?

Der Name „Prozession“ stammt vom Verhalten der jungen Raupen, die im geselligen Bunde von 20 bis 30 Individuen nebeneinander in bis zu 10 Meter langen „Zügen“ auf Nahrungssuche gehen. Das Wort „Prozession“ stammt vom lateinischen „procedere“, also „vorrücken“ und „voranschreiten“ . In Deutschland wird damit vor allem ein religiöses Ritual beschrieben, bei dem eine Menschenmenge nach bestimmten Regeln an einem feierlichen Umzug teilnimmt.

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Was macht man gegen den Befall vom  Eichenprozessionsspinner?

Die Bekämpfung der Raupenplage wird aktuell in mehrfacher Hinsicht ausgeführt: Zum einen versucht man den Bestand der natürlichen Feinde der Raupen, zum Beispiel Vögel wie der Kuckuck und der Piro, auszubauen und zu stärken. Den Befall selbst muss man aufwendig absaugen, oder man verwendet diverse Schädlingsbekämpfungsmittel. Eines davon hört auf den Namen „NeemProtect“: Das Biozid aus Margosa-Extrakt verursacht einen Fraß- und Entwicklungsstopp bei den Raupen.

https://www.youtube.com/watch?v=pZ2Ey8WMYKE

Eichenprozessionsspinner im eigenen Garten – was tun?

Die Entfernung von Eichenprozessionsspinnern im eigenen Garten sollte man in jeder Hinsicht besser den Profis, also Schädlingsbekämpfern, überlassen. Wer blind den verbreiteten Tipps im Internet folgt, der riskiert dabei nicht nur seine eigene Gesundheit: Bei falscher Anwendung können sich die feinen Haare der Raupen bis zu hunderte Meter um den betroffenen Baum ausbreiten – etwa beim ohnehin riskanten „Abflämmen“ oder bei der Reinigung mit einem Wasserschlauch oder Hochdruckreiniger.

Spart euch also besser den Stress und ruft gleich die Profis. Leider können dabei Kosten von ca. 150 bis 200 Euro auf euch zukommen.

Gibt es bei der Sichtung vom Eichenprozessionsspinner eine Meldepflicht?

Eichen-Prozessionsspinner im Wald meldet man an den zuständigen Förster. Im Park oder örtlichen Grünflächen sollte man der Grünflächenverwaltung der Stadt Bescheid geben. Eine gesetzliche Meldepflicht gibt es noch nicht.

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