Foto: dpa/Christophe Gateau
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Der Armbrust-Fall mit drei Toten in Passau und zwei Toten im niedersächsischen Wittingen gibt weiter Rätsel auf. Die Obduktionen der Leichen haben zumindest etwas Licht ins Dunkel gebracht.

Die rechtsmedizinische Untersuchung der Toten aus Passau gab Hinweise auf die Tatumstände. Geklärt ist die Identität der beiden am Montag in einer Wohnung in Wittingen gefundenen Frauen. Wie sie ums Leben kamen, blieb zunächst noch unklar.

Was die drei in der Passauer Pension mit Armbrustpfeilen getöteten Menschen betrifft, geht die Staatsanwaltschaft von Tötung auf Verlangen beziehungsweise Suizid aus. Es gebe weiterhin keine Hinweise darauf, dass eine vierte Person an dem Geschehen beteiligt gewesen sein könnte, sagte am Dienstag ein Sprecher der dortigen Staatsanwaltschaft.

Die Obduktion der am Samstag gefundenen Leichen aus Passau ergab, dass ein 53-jähriger Mann und eine 33-jährige Frau, die Hand in Hand in einem Bett lagen, jeweils durch einen Schuss ins Herz getötet wurden. Bei einer 30-Jährigen, die in dem Zimmer auf dem Boden lag, sei ein Schuss in den Hals sofort tödlich gewesen. Es deute alles darauf hin, dass die 30-Jährige erst die beiden anderen und dann sich selbst erschossen habe. Man könne das Geschehen auch als erweiterten Suizid betrachten.

Pfeile mitten ins Herz

Die beiden Leichen im Bett hätten weitere Pfeile aufgewiesen, die den Erkenntnissen nach jedoch erst nach den tödlichen Schüssen ins Herz abgeschossen worden seien. Bei keiner der drei Leichen gebe es Kampf- oder Abwehrspuren. Zudem seien in dem Pensionszimmer zwei Testamente gefunden worden, die von den beiden im Bett liegenden Personen stammten. Von möglichen Verbindungen des Trios in die Ritter-Szene, über die Medien berichteten, wusste der Sprecher der Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben nichts.

Die Obduktion der beiden getöteten Frauen in Wittingen ergab, dass sie nicht durch äußere Gewalt ums Leben kamen. Die Todesursache stand am Dienstag noch nicht fest, wie eine Sprecherin der Hildesheimer Staatsanwaltschaft sagte. In der Wohnung wurden laut Polizei keine Armbrüste oder Pfeile gefunden. Die Leichen lagen in der Wohnung der 30-Jährigen, die in Passau starb. Ersten Erkenntnissen nach liegt der Todeszeitpunkt einige Tage zurück.

Bei einer der beiden Frauen handelte es sich laut Polizei um die Lebensgefährtin der 30-Jährigen, eine 35-jährige Grundschullehrerin. Die zweite Tote ist eine 19-Jährige, die ebenfalls in der Wohnung lebte. In welcher Beziehung sie zu den anderen Beteiligten stand, ist noch unklar. Die 30-Jährige war laut Polizei Verkaufsleiterin in einer Bäckerei. Die Polizei hatte beide Leichen entdeckt, als sie der 35-Jährigen die Nachricht überbringen wollte, dass ihre Lebenspartnerin in Passau gestorben sei.

Im ostniedersächsischen Wittingen hat der Tod der Frauen und die Verbindung zum Passauer Armbrust-Fall die Menschen aufgewühlt, wie Bürgermeister Karl Ridder (CDU) am Dienstag sagte. „Das ist Gesprächsthema Nummer eins im Ort.“ Die Frauen hätten erst seit März in Wittingen gelebt. Die 35-Jährige hat an der Grund- und Oberschule unterrichtet. „Die Schüler und Lehrer werden dort aktuell betreut“, sagte Ridder.

Warum Passau?

Der 53-Jährige und die 33-Jährige waren in einer Gemeinde im Westerwald in Rheinland-Pfalz gemeldet. Dort war der Staatsanwaltschaft nach auch die 30-Jährige bis vor zwei Monaten gemeldet. Im nahegelegenen Hachenburg betrieb der Mann einen Mittelalterladen. Vor der Pension in Passau, in der sich die drei am Freitag eingemietet hatten, stellte die Polizei das Auto der 33-Jährigen sicher. Der weiße Pick-up werde untersucht.

Warum sie sich ausgerechnet Passau als Ort für ihren Tod ausgesucht haben, sei noch ein Rätsel, sagte der Sprecher der dortigen Staatsanwaltschaft. Zumindest eine der drei Armbrüste hatten sie zuvor in Österreich gekauft. Das belege eine Quittung. Viele Fragen sind noch offen.

Habt ihr suizidale Gedanken oder diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/adressen/. (dpa)