Wer beantragte für seine wohl berühmteste Erfindung kein Patent?

Was haben Alfred Nobel, Thomas Edison, Wilhelm Conrad Röntgen und Carl Benz gemeinsam? Sie sind Erfinder. Allerdings hat Röntgen kein Patent!
Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn

Eigentlich wollte der kauzige Professor in seinem Labor an der Universität Würzburg nur kurz die schönen Lichterscheinungen eines längst bekannten Physik-Experimentes mit Kathodenröhren bewundern. Doch zufällig stellt Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) dabei fest, dass in einiger Entfernung zu seinem Versuchsaufbau ein weiteres Glas strahlt. Kathodenstrahlung reicht jedoch eigentlich nicht so weit. Röntgen hält schwarzes Papier dazwischen, das Glas strahlt weiter. Ein Brettchen, die Strahlung bleibt sichtbar. Ein Patent hat Wilhelm Conrad Röntgen aber nicht. Das kann man über Alfred Nobel, Thomas Edison und Carl Benz nicht sagen.

Im Grunde war es der erste dokumentierte Strahlungsunfall. „Seine wissenschaftliche Leistung war, das als ungewöhnlich zu erkennen und daran weiterzuforschen“, sagt Roland Weigand. Er ist Mitglied des Röntgen-Kuratoriums in Würzburg. Der Verein hat die berühmte Wirkungsstätte des Physikers mit Originaleinrichtung und -geräten wieder entstehen lassen. An diesem Sonntag (8. November) jährt sich die bahnbrechende Entdeckung Röntgens zum 120. Mal.

Nach dem besagten Abend soll sich Röntgen sechs Wochen lang in seinem Labor eingeschlossen haben, um weiter zu experimentieren – obwohl sich seine Wohnung direkt über seinen Arbeitsräumen befand. In dieser Zeit fand er heraus, dass die bislang unbekannte Strahlung durch fast alles dringt. Er nannte sie X-Strahlen. Das wohl erste Röntgenbild eines menschlichen Körperteils war die Aufnahme der Hand seiner Frau vom 22. Dezember 1895.

In den Monaten danach stand die Fachwelt Kopf. Ein Kollege schlug vor, die Strahlen nach seinem Entdecker zu benennen, der Kaiser persönlich ließ sich alles erklären, vorführen und verlieh Röntgen den höchsten deutschen Orden. 1901 bekam er den erstmals vergebenen Physik-Nobelpreis. Röntgen schrieb ganz zufällig Physik- und Medizingeschichte.

dpa