Artem Bahmet
Foto: Screenshot Twitter

Irgendwie bekommt er den Aufschlag noch über das Netz, beim zweiten Schlag trifft er aber nicht einmal mehr den Ball. Wer Videoaufnahmen sieht, wie Artem Bahmet Tennis spielt, dürfte davon ausgehen, dass er vorher noch nie einen Schläger in der Hand hatte. Dennoch tritt er bei einem offiziellen Turnier an.

Das Prozedere ist für den Laien schwer nachzuvollziehen. Mitten auf einer Liste des Tennis-Weltverbandes ITF taucht Artem Bahmet aus der Ukraine auf, seine aktuelle Bilanz (Stand: 11. Dezember 2019) kein Sieg, dafür aber eine Niederlage.

Und dieses verlorene Spiel sorgt aktuell für viel Aufsehen. Bahmet hat bei seinem Debüt gleich für ein „Golden Match“ gesorgt, davon wird im Tennis gesprochen, wenn ein Spieler eine Partie ohne jeglichen Punktgewinn verliert.

In der ersten Qualifikationsrunde des ITF-Turniers in Doha traf der Ukrainer auf Krittin Koaykul aus Thailand. Doch nach nur 22 Minuten war das Spiel beendet. Deutlich setzte sich Koaykul, der aktuell auf Position 1367 der Weltrangliste geführt wird, durch – 6:0, 6:0 und musste keinen einzigen Punkt verloren geben.

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Inzwischen wurden Videoaufnahmen des finalen Spiels (zum 6:0 im zweiten Satz) veröffentlicht – diese zeigen, dass sich der Thailänder eigentlich nur selbst hätte schlagen können… wobei wahrscheinlich nicht einmal das.

Während man über Koaykuls spielerisches Vermögen kaum etwas sagen kann, weil er überhaupt nicht geprüft wird, hat Bahmets Auftritt Slapstick-Potential. Er wirkt wie ein angetrunkener Urlauber, dem von seiner Familie einfach mal ein Tennisschläger in die Hand gedrückt wurde.

Einfachste Bälle seines Gegners trifft der Ukrainer nicht einmal oder haut sie kläglich ins Netz. Dazu leistet sich der Anfänger einen ziemlich plumpen Doppelfehler. Das Professionellste an diesem Videoausschnitt: Beide geben sich nach dem letzten Punkt fair die Hand, so wird es auch in Grand-Slam-Finals gemacht.

Die Zweifel sind aber gegeben, ob es tatsächlich mit fairen Mitteln zugeht. Ein Twitter-User namens Oleg wirft auf, dass Bahmet mit einem bekannten Wetter zusammenarbeitet. Dazu passen auch Nachrichten, die in einem Wettforum gepostet wurden.

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„In diesem Video kann man sehen, wie unser Manager Artem bei einem ITF-Turnier spielt. Artem hatte heute zum ersten Mal einen Tennisschläger in der Hand. Das beste Spiel in unserem Leben, mein Manager spielt. Übrigens weiß Artem nicht einmal, wie die Tennisregeln funktionieren“, heißt es dort in einem Post.

Durch die Wetten auf das Bahmet-Match sollen sie sich einen Trip nach Doha und einen einwöchigen Aufenthalt in einem „exzellenten“ Hotel finanziert haben. Darüber hinaus hätten die Wetten noch einen weiteren Betrag abgeworfen. Offenbar gibt es schon Pläne, ihn bei weiteren Turnieren antreten zu lassen.

Aber wie schafft es so ein Spieler zu einem offiziellen Turnier? Bahmet stand auf Position 67 in der Nachrückerliste für die Qualifikation zum ITF-Turnier in Doha. Um auf diese Liste zu kommen, muss man eine geringe Gebühr (zweistelliger Euro-Betrag) zahlen. Sind die vor einem gerankten Spieler dann nicht anwesend, rutscht man in den Turnierbaum für die Qualifikation. So kam Bahmet zu seinem zweifelhaften Auftritt in Doha – der Weltverband wird sich den Ukrainer sicherlich ganz genau anschauen.