Foto: AFP
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Das Luschniki-Stadion war am Sonntagabend mit einigen Staats- und Regierungschefs gefüllt. Eine stahl beim WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien (4:2) allen die Show: Die charmante kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic.

Im strömenden Regen von Moskau, völlig durchnässt, umarmte die 50-Jährige zuerst ihre Landsleute. Innig, freundschaftlich und mitunter leidenschaftlich tröstete die erste weibliche Präsidentin ihres Landes die Verlierer des Abends gesten- und wortreich. Gekleidet im kroatischen Trikot – wie schon bei vorangegangenen Spielen – gibt sie sich als große Verliererin. Schier unbeirrt von der bitteren Niederlage im WM-Finale lacht sie, wirkt ausgelassen, nimmt jeden in den Arm, später sogar jeden französischen Spieler einzeln. Sie küsst, was es zu küssen gibt.

Im Netz und weltweit erntet sie große Sympathiewerte – nicht erst seit dem Finale, das für die Mutter zweier Kinder klitschnass zu Ende geht. Schon bei den vorangegangenen Auftritten war sie ein steter Hingucker. Die TV-Sender ließen keine Gelegenheit aus, die Blondine im kroatischen Rot-Weiß auf der VIP-Tribüne einzufangen. Immer fröhlich, immer herzlich strahlt sie Nähe aus. Eine Präsidentin zum Anfassen, ungestellt.

Dabei ist Grabar-Kitarovic gar nicht so VIP, zumindest wirkt sie eher wie ein begeistertes Mädchen neben all den Schlipsträgern. Mit ihrem Trikot verstößt sie gelassen gegen die Etikette. Den Flug nach Russland bestritt sie in der „Economy Class“. Berichten zufolge hat sie den Flug aus eigener Tasche bezahlt. Sie wolle deutlich machen, dass sie nur eine von vielen kroatischen Fans ist, die ihr Team bei der WM unterstützen, sagte sie dem russischen Blatt „Sportbox“.

Grabar-Kitarovic ist die Tochter eines Metzgers und ein Sprachtalent: Englisch, Spanisch und Portugiesisch gehen der gläubigen Katholikin neben ihrer Muttersprache Kroatisch fließend über die Lippen. Dazu spricht sie gutes Italienisch, Französisch und Deutsch. Sie studierte unter anderem an der Universität in Zagreb und der George Washington University, genoss eine diplomatische Ausbildung an der Akademie in Wien und erhielt unter anderem ein Stipendium für die US-Spitzen-Uni in Harvard. 1996 heiratete sie Jakov Kitarović, den sie im Studium kennengelernt hatte und der seine Professur für Seefahrt zugunsten der Karriere seiner Frau seit etwa einem Jahrzehnt ruhen lässt.

Grabar-Kitarovic ist offenbar Mensch geblieben und will mindestens noch einmal feiern. Diesmal in ihrer Heimat. Noch am Montag will sie die Mannschaft, den Trainer und die Betreuer mit einem hohen Orden dekorieren. Die Show wird aber sicher auch dann wieder ihr gehören.