Warteschlangen und Chaos an NRW-Airports: Keine Besserung in Sicht

Wer an einem NRW-Airport einen Flug nehmen will, sollte früh los. Denn die Wartezeiten können sehr lang sein – und die Sorge, deswegen den Flug zu verpassen, sind zum Urlaubsauftakt ein unerwünschter Stressfaktor. Wie geht es weiter bei diesem leidigen Thema?
Flughafen Düsseldorf - Teile des Sicherheitsbereichs geräumt
Foto: Federico Gambarini/dpa
Flughafen Düsseldorf - Teile des Sicherheitsbereichs geräumt
Foto: Federico Gambarini/dpa

Auch am zweiten Ferienwochenende dürfte das Chaos an den Flughäfen in Nordrhein-Westfalen weitergehen. Entspannung dürfte es erstmal nicht geben.

Die langen Warteschlangen an den großen Flughäfen Nordrhein-Westfalens werden nach Einschätzung eines Gewerkschafters noch die ganzen Sommerferien existieren. An den Sicherheitsschleusen sei eine baldige personelle Aufstockung nicht absehbar, sagte der bei Verdi NRW für die Flughäfen zuständige Gewerkschaftssekretär Özay Tarim. „Und bei den Bodendienstleistern wird die Personaldecke wohl ebenfalls sehr dünn bleiben.“

Können ausländische Kräfte für eine Entspannung sorgen?

Die Pläne der Branche, Fachkräfte aus der Türkei und aus Balkan-Staaten zum Beispiel für die Gepäckabfertigung einzusetzen, dürften für Airports in den Sommerferien in NRW nichts mehr bringen, sagte Tarim.

Die Bundesregierung hatte unlängst den Weg freigemacht für die erleichterte Anwerbung von Personal aus dem Ausland. Hierbei geht es um zusätzliche Beschäftigte bei Bodendienstleistern, die sich zum Beispiel um die Gepäckabfertigung und um das Bereitstellen von Treppen an Fliegern kümmern. Um die Sicherheitsschleusen geht es nicht – hier sind Firmen im Auftrag der Bundespolizei im Einsatz. Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland dürfen hier nicht tätig sein.

Neben den Wartezeiten kommt erschwerend hinzu, dass Airlines weiterhin Verbindungen streichen. So annullierte Eurowings für diesen Samstag Flüge von Düsseldorf nach Nizza, Mailand und Westerland und die Lufthansa zwei Flüge am selben Tag von Düsseldorf nach Frankfurt.

Wie bewerten die Airports den Einsatz ausländischer Arbeitskräfte?

Ein Sprecher des Kölner Airports äußerte sich positiv und sagte, man prüfe diese Möglichkeit „aktuell intensiv“. Allerdings funktionierten die Prozesse bei der Abfertigung der Flugzeuge und im Gepäckdienst gut. „Die drängendste Aufgabe ist aus Sicht des Flughafens, die Personalsituation an der Passagierkontrolle der Bundespolizei nachhaltig zu verbessern.“

Was sagen die Gewerkschaften zu der Situation?

Gewerkschafter Tarim ist derzeit nach eigener Aussage täglich unterwegs an den unterschiedlichen NRW-Airports. „Die Warteschlangen werden länger und länger – es ist unfassbar“, sagte er kopfschüttelnd. Dies sei besonders ärgerlich, da die Probleme absehbar gewesen seien. Als Arbeitnehmervertretung habe man schon im vergangenen Jahr auf die drohenden Personalengpässe nach Ende der Corona-Einschränkungen hingewiesen. Die in verschiedenen Airport-Bereichen tätigen Firmen hätten aber viel zu wenig getan, um Personal trotz Krise zu halten, sagte der Gewerkschaftssekretär.

Die Arbeitsbedingungen seien nicht verbessert worden. „Wir haben gesagt, dass sich das im Sommer rächen wird – und jetzt sind wir voll gegen die Wand gefahren.“ Für die verbliebenen Beschäftigten bei den Sicherheitschecks und in der Bodenabfertigung sei die Situation sehr schwierig, weil das Arbeitspensum und der Stress immens hoch seien. „Das ist Akkordarbeit für viel zu wenig Leute.“ Für die Sicherheit sei dies gefährlich, warnte Tarim.

Wie sehen die Sicherheitsunternehmen die Lage?

Am Köln-Bonner Flughafen ist die Firma Securitas zuständig für die Sicherheitsschleusen. Ein Firmensprecher begründete die personellen Engpässe unter anderem mit einem coronabedingt hohen Krankenstand und mit unerwartet hohen Passagierzahlen. Man rekrutiere aktiv Mitarbeiter und bilde laufend qualifiziertes Personal aus. „Wir starten unsere Ausbildungslehrgänge in kurzen zeitlichen Abständen und haben somit ständig mehrere Lehrgänge am Laufen“, so der Securitas-Sprecher. „Dementsprechend stoßen auch jetzt im Abstand von wenigen Wochen immer neue Mitarbeiter zu uns.“ Wann sich die Situation entspannen werde, könne man nicht sagen.

Das Dienstleistungsunternehmen Piepenbrock, dessen Tochterfirma DSW für die Sicherheitschecks am Düsseldorfer Flughafen zuständig ist, wollte sich auf Anfrage nicht zu den aktuellen Problemen äußern.

Sind die Abläufe an den Sicherheitsschleusen optimal?

Wer unlängst in einer der Warteschlangen ausharren musste und immer wieder nervös auf die Uhr schaute, der könnte sich die Frage gestellt haben, ob man die Abläufe an den Sicherheitsschleusen nicht beschleunigen kann. Nein, sagte Jens Flören von der Bundespolizei und betonte, dass die Prozesse nicht geändert würden. „Gründlichkeit und damit Sicherheit gehen vor Schnelligkeit.“

Die Bundespolizei beauftragt die Sicherheitsfirmen mit der Arbeit an den Schleusen. Der Polizei-Sprecher bestätigte, dass die Unternehmen mit Hochdruck auf Personalsuche seien. In Düsseldorf habe die zuständige Firma DSW zum Start der Sommerferien immerhin 62 zusätzliche Arbeitskräfte in den Einsatz schicken können, die sich um die Einweisung und Wannenrückführung an den Sicherheitsschleusen kümmern. 60 weitere stünden aller Voraussicht nach bald bereit.

Die personelle Achillesferse sind die Luftsicherheitsassistenten, die die Gepäck-Scans und die Körper-Überprüfungen durchführen. Hier ist die Personalrekrutierung aufwendiger, die Ausbildung dauert laut Bundespolizei 12 Wochen und nicht nur knapp eine Woche wie bei ihren Kollegen, die weniger Kompetenzen haben.

Könnte eine Entzerrung der Flugpläne helfen?

Aus Sicht des Polizeisprechers ist auch der Flugplan ein Teil der aktuellen Schwierigkeiten. „Nicht die Masse der Passagiere ist das Problem, sondern die Ballung auf Stoßzeiten“, sagte Flören. Würde der Flugplan entzerrt und wäre das Aufkommen der Passagiere an den Sicherheitschecks und Terminals im Tagesverlauf in etwa gleich hoch, wäre dies viel einfacher für die Sicherheitsfirmen zu handhaben.

Als „ultima ratio“ ist es möglich, dass Bundespolizisten einspringen und die Einweisung und Wannenrückführung an den Schleusen übernehmen. Dies geschehe aber nur bei einer drohenden Gefährdung der Luftsicherheit und „wenn es gar nicht anders geht“, so der Bundespolizei-Sprecher. Das Gepäck scannen dürfen die Polizisten nicht, dafür sind sie nicht ausgebildet.

Und was ist dieses Wochenende zu erwarten?

Einen minimalen Hoffnungsschimmer gibt es, dass die Warteschlangen an diesem Wochenende vielleicht nicht ganz so extrem lang sind wie vor einer Woche. Denn es müssen etwas weniger Passagiere durch die Sicherheitsschleusen als zuvor: Nutzten am vergangenen Samstag und Sonntag rund 132 500 Fluggäste den Düsseldorfer Airport, so werden am zweiten Sommerferien-Wochenende 111 000 erwartet. In Köln-Bonn sinkt die Zahl um 5000 auf 110 000 Passagiere, hierbei beziehen sich die Wochenend-Zahlen auf jeweils drei Tage, also Freitag bis Sonntag.

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dpa