Ukraine-Hilfe aus Düsseldorf und Neuss: „Wir wollten einfach etwas tun, nicht nur zusehen“

Die Hilfsbereitschaft für die Ukraine ist enorm. Einfach nur tatenlos dem Krieg zuschauen? Das wollte auch der Neusser Denis Rimpo nicht. Vom Spendenaufruf bis zur Fahrt an die polnisch-ukrainische Grenze vergingen nur ein paar Tage. Mit dabei war auch der Inhaber vom Gare du Neuss – Kay Schlossmacher.
Ukraine Hilfstransport aus Neuss mit Kay Schlossmacher
Alles hat geklappt: Die Erleichterung über die erfolgreiche Spendenaktion und den Transport ist der Neusser Truppe (Max Lennertz, Kay Schlossmacher, Marek Skrzypczyk, Jolanta Lublinska, Denis Rimpo und Stephan Avenel v.l.n.r.) anzusehen. Foto: privat
Ukraine Hilfstransport aus Neuss mit Kay Schlossmacher
Alles hat geklappt: Die Erleichterung über die erfolgreiche Spendenaktion und den Transport ist der Neusser Truppe (Max Lennertz, Kay Schlossmacher, Marek Skrzypczyk, Jolanta Lublinska, Denis Rimpo und Stephan Avenel v.l.n.r.) anzusehen. Foto: privat

Der Ukraine-Spendenaufruf von Denis Rimpo erreichte über Facebook zahlreiche Menschen. So auch Kay Schlossmacher – bestens bekannt aus der Düsseldorfer Gastroszene und heutiger Inhaber vom Gare du Neuss. Der Unternehmer teilte den Beitrag und beschloss mit weiteren Freunden, gleich selbst mitanzupacken. Denn innerhalb kürzester Zeit kamen zahlreiche Sach- und Geldspenden zusammen. „So viele, dass das vorrübergehende Lager fast aus allen Nähten platzte“, erzählt Kay Schlossmacher.

Am Wochenende machte sich dann ein Fahrzeug-Konvoi voller Spenden auf den Weg an die polnisch-ukrainische Grenze: Ein großer Sattelschlepper, ein LKW, drei Sprinter und ein Kleinbus. Samstagmorgen ging es los, gegen 23 Uhr kam die Truppe aus NRW im polnischen Chelm an.

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„Hier wurde dann alles auf ukrainische LKWs und Transporter verladen, sie bringen es dann an Bedürftige vor Ort“, erklärt Kay Schlossmacher. Was sich für manchen so einfach anhört, ist viel Arbeit – begleitet von zum Teil widersprüchlichen Emotionen. Da ist auf der einen Seite die Freude darüber, wenigstens etwas geben zu können. Und auf der anderen Seite die Ohnmacht angesichts der vielen Schicksale und des Krieges, der nur wenige Kilometer weiter ausgetragen wird und ein ganzes Land zerstört. Wie passt das alles zusammen? „Die Welt ist kein schlechter Ort“, gibt Schlossmacher als Antwort. „Es gibt nur einige wenige Idioten, die uns das alles vermasseln wollen.“

Ukraine Hilfstransport aus Neuss Ankunft in Polen

Im polnischen Chelm wurden die Spenden auf andere LKWs und Transporter verladen. Foto: privat

Große Hilfsbereitschaft an der polnisch-ukrainischen Grenze

Schlossmacher war in Chelm dabei, hat die große Hilfsbereitschaft der Polen für die Flüchtlinge vor Ort gesehen. Vieles ließ sich unkompliziert regeln, zu wichtig ist das große Ganze. Er selbst war in keinem Aufnahmelager, aber hat trotzdem viel von der Stimmung mitbekommen. „Die Ukrainer sind dankbar über die Hilfe“, fasst er zusammen. „Aber auch wenn viele Menschen flüchten, haben sie große Hoffnung, dass sie bald wieder zurückkehren können.“

Es sind vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen, die dieser Tage aus der Ukraine kommen, denn Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen nicht ausreisen. Auch wenn die Hilfsbereitschaft groß ist, ist die Situation gerade für Frauen nicht ungefährlich. „Auf den Parkplätzen an der polnischen Grenze sind leider auch Leute unterwegs, die nichts Gutes im Sinn haben“, weiß Kay Schlossmacher zu berichten.

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Die Rückfahrt nach NRW treten Denis Rimpo, Kay Schlossmacher und die weiteren Helfer mit fast leeren Fahrzeugen an. „Fast“, weil ihre Mission mit dem Transport von Hilfsgütern noch nicht abgeschlossen ist. Vier Frauen, ein Baby und sechs Kinder sind auf der Rückreise mit an Bord. Ukrainische Flüchtlinge, die nun in Neuss eine Unterkunft haben.

Und wie geht’s jetzt weiter? „Die spontane Aktion von Denis war so erfolgreich, das hat uns alle überwältigt“, so Kay Schlossmacher. Aktuell arbeitet das neu gefundene Team daran, wie es die weitere Hilfe rechtlich und organisatorisch auf die richtigen Beine stellen kann. Dabei stellt sich auch die Frage, ob es weitere Transporte geben wird oder vor Ort bei der Bereitstellung von Unterkünften mehr Unterstützung benötigt wird.

Hilfe für Menschen aus der Ukraine: Adressen in Düsseldorf und Neuss

Düsseldorf: Die Annahmestelle für Sachspenden der Stadt ist in der Querstraße 4 (40227 Düsseldorf). Interessierte können hier private Sachspenden von montags bis freitags von 16 Uhr bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr abgeben. Wer unterstützen oder anderweitig helfen möchte, kann sich per E-Mail an [email protected] wenden.

Neuss: Wer eine private Unterkunft für Flüchtlinge anbieten möchte, kann sich bei der Stadt Neuss hier informieren, die Tel.: 02131/90-5777 anrufen oder eine E-Mail an [email protected] schicken.