Deutsche Bank London
Foto: dpa/Kirsty O'connor

Am Montag wurden die ersten von rund 18.000 Angestellten der Deutschen Bankin New York, London und Singapur entlassen. Während die meisten dieser Menschen nun jobtechnisch auf der Straße stehen, lassen sich die Chefs vom Schneider mit Maßanzügen ausstatten.

Die Deutsche Bank hatte am Sonntag einen radikalen Umbau beschlossen, um ihre Dauerkrise zu beenden. Bis zum Ende des Jahres 2022 sollen weltweit rund 18.000 Vollzeitstellen bei Deutschlands größtem Geldhaus gestrichen werden. Bis dahin will der Dax-Konzern seine Belegschaft auf etwa 74.000 Vollzeitkräfte verringern.

Ende März 2019 hatte die Bank weltweit knapp 91.500 Vollzeitbeschäftigte, davon gut 41.500 in Deutschland. Wie viele der rund 8000 Stellen in der Finanzmetropole London wegfallen, ist noch nicht bekannt.

Als Journalisten nun vor dem Gebäude in London warteten, um Fotos von entlassenen Mitarbeitern zu schießen, lichteten sie auch zwei Männer ab, die mehrere Anzugtaschen in der Hand hielten. Es muss ja schließlich alles aus dem Büro.

Falsch gedacht! Wie „The Guardian“ berichtet, handelt es sich bei den beiden nicht um Gefeuerte, sondern um Alex Riley und Ian Fielding-Calclutt, ihres Zeichens Vertreter des Nobelschneiders „Fielding & Nicholson“. Sie hatten ausgerechnet am ersten Tag der Entlassungswelle einen Termin im Haus, bei dem sie die Anzüge mehrerer Führungskräfte (Managing Directors) anpassen sollten.

„Unser Timing war nicht gut“, sagte Fielding-Calcutt dem Nachrichtenportal „Financial News“ später. „Ich denke, viele der Leute, die entlassen wurden, waren Händler irgendeiner Art, die keine Anzüge tragen, und so gingen wir einfach wie gewohnt mit unseren Kunden vor, die offensichtlich nicht von den Kürzungen betroffen waren.“

Ein Anzug von „Fielding & Nicholson“ ist nicht unter 1100 Pfund (rund 1200 Euro) zu haben, die Maßanfertigungen nehmen mehrere Wochen in Anspruch. Passt nicht so ganz zur „Zeitenwende“, die Christian Sewing am Montag versprach. Man wolle die Deutsche Bank neu erfinden. Wir harren der Dinge, die da noch kommen!