Erneut Messerangriff auf Polizistin in Frankreich – Verdächtiger tot

Immer wieder steht die französische Polizei im Fokus von gewalttätigen Angreifern. Nun hat ein Mann eine Polizistin mit einem Messer attackiert und ist anschließend stundenlang auf der Flucht. Das ganze Land fragt sich: Was ist das Motiv?
Messerangriff auf Polizistin in Frankreich
Foto: Loic Venance/AFP/dpa

Angst und Schrecken in einer französischen Kleinstadt: Wieder erschüttert ein Messerangriff auf eine Polizistin unser westliches Nachbarland. Ein Mann hatte am Freitagnachmittag eine Polizeimitarbeiterin in der Nähe der Großstadt Nantes auf dem Kommissariat attackiert und verletzt. Der Mann ergriff anschließend die Flucht, Hunderte Einsatzkräfte suchten mit Hunden und Hubschraubern nach dem Mann.

Die Stadt La Chapelle-sur-Erdre wurde von den Sicherheitskräften abgeriegelt. Stunden später kam es zu einem Schusswechsel mit der Polizei – der mutmaßliche Täter kam schließlich ums Leben. Die Hintergründe des Vorfalls waren zunächst unklar – französische Medien berichteten aber, dass der Mann radikalisiert gewesen sei.

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Immer wieder war es in den vergangenen Wochen zu Angriffen auf die Polizei gekommen. Erst im April hatte ein mutmaßlich islamistisch motivierter Angreifer eine Polizistin in Rambouillet in der Nähe von Paris mit einem Messer getötet. Auch weitere Angriffe auf die Polizei hatten zuletzt in Frankreich eine große Debatte über die Sicherheit der Einsatzkräfte ausgelöst. Erst in der vergangenen Woche hatten Tausende Polizistinnen und Polizisten vor der Pariser Nationalversammlung demonstriert und mehr Unterstützung gefordert.

Der aktuelle Vorfall ereignete sich am Freitagvormittag gegen 10.20 Uhr in der Polizeiwache der Gendarmerie von La Chapelle-sur-Erdre, einer Stadt mit rund 20.000 Einwohnern. Anschließend ergriff der Mann der Gendarmerie zufolge zu Fuß die Flucht. Er soll Medien zufolge auch die Dienstwaffe der Polizistin mitgenommen haben. Kinder und Jugendliche durften die Schulen dort zunächst nicht mehr verlassen, Läden mussten vorsorglich schließen. Die Menschen sollten zu Hause bleiben.

Messerangriff auf Polizistin in Frankreich

Ein französischer Soldat ist im Einsatz, nachdem eine Polizistin mit einem Messer verletzt worden ist. Foto: Loic Venance/AFP/dpa

Wenige Stunden nach der Tat kam es dann zur Festnahme, bei der zwei Einsatzkräfte und der mutmaßliche Angreifer verletzt wurden. Kurze Zeit später starb der Verdächtige – Medien zufolge an den Folgen von Schussverletzungen. Über das Motiv des Täters gab es zunächst keine offiziellen Angaben.

Medien berichteten, dass der Mann für Aggressionen gegen Sicherheitskräfte bekannt und in einer Anti-Terror-Datenbank registriert gewesen sein soll. Er soll außerdem psychische Probleme gehabt haben. Die Polizistin war bei der Attacke unter anderem schwer am Bein verletzt worden und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

„Ich weigere mich, die Angriffe auf unsere Polizisten zu unserem Alltag werden zu lassen“, reagierte Rechtspopulistin Marine Le Pen auf Twitter. „Wie konnte eine Person, die für ihre Radikalisierung bekannt ist, die dafür bekannt ist, Polizeibeamte angreifen zu wollen, da draußen sein, frei, um Schaden anzurichten?“

Kein Einzelfall

Die Bürgermeisterin von Nantes, Johanna Rolland, prangerte eine „verachtenswerte, unsägliche Tat“ an. Was könnte verachtenswerter sein, als diejenigen anzugreifen, die uns täglich beschützen, schrieb sie in einer Mitteilung. Innenminister Gérald Darmanin hatte sich auf den Weg nach La Chapelle-sur-Erdre gemacht.

Immer wieder gibt es in Frankreich Angriffe auf die Polizei. Im Herbst 2019 tötete ein Angestellter im Polizeihauptquartier in Paris vier seiner Kollegen mit einem Messer. Die Ermittler gehen von einem Terrorhintergrund aus. 2017 tötete ein Mann auf der Pariser Nobelstraße Champs-Élysées einen Beamten und verletzte zwei weitere.

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. Frankreichs Mitte-Regierung will mit einem neuen Sicherheitsgesetz mehr Schutz für die Ordnungskräfte im Land bieten.

dpa