Foto: AFP/Johannes Eisele
Foto: AFP/Johannes Eisele

Büroangestellte flüchten in Panik in tiefer gelegene Stockwerke, ein Wolkenkratzerdach steht in Flammen. Die Szenerie erinnert viele in New York an 9/11. Über die Ursache des Helikopterabsturzes herrscht noch Rätselraten.

Ein Hubschrauberabsturz hat in New York kurzzeitig böse Erinnerungen an die Terroranschläge vom 11. September wach werden lassen. Bei schlechtem Wetter krachte ein Helikopter am Montag nahe dem Times Square und dem Trump Tower auf einen Wolkenkratzer, wie die Feuerwehr mitteilte. Der Pilot – der einzige Insasse – kam ums Leben. Berichte über weitere Verletzte lagen nicht vor. Von einem terroristischen Hintergrund gingen die Behörden nicht aus.

Die Unglücksursache war zunächst unklar. Ermittler rätselten zudem, warum der Pilot der Maschine vom Typ Agusta A109E bei Platzregen und tief hängenden Wolken im Luftraum von Manhattan unterwegs war. Seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump gelten Flugbeschränkungen für die Gegend: Maschinen dürfen eine Flughöhe von 914 Metern nicht unterschreiten und sich einem Radius von 1,6 Kilometern um den Trump Tower nicht nähern, der weniger als 800 Meter von der Absturzstelle entfernt ist.

Bürgermeister Bill de Blasio sprach in einem Interview des Senders CNN von einem „mysteriösen“ Vorfall. Die Behörden prüften derzeit Videomaterial, das einen „sehr unkontrollierten“ Helikopterflug zeige. Es gelte nun, weitere Informationen über die Entscheidungen des Piloten beim Start zu bekommen, ergänzte de Blasio.

Nach ersten Angaben hob der Hubschrauber am Nachmittag (Ortszeit) von einem Heliport am East River ab. Rund elf Minuten später krachte er nach weniger als 1,6 Kilometern auf das Dach des Gebäudes AXA Equitable. Ein Feuer brach aus, Büroangestellte flohen über Treppen und Aufzüge nach unten, wie Augenzeugen und Behördenvertreter berichteten.

Pedro Rodriguez, ein Koch in einem bekannten Restaurant im AXA Equitable, schilderte, Angestellte hätten Anweisung bekommen, dass jeder das Gebäude verlassen müsse. Später habe er von Umstehenden gehört, dass das Dach in Flammen stehe. Er habe sofort an die Terroranschläge vom 11. September 2001 gedacht. „Es ist beängstigend, wenn so etwas passiert“, sagte er.

Im Internet kursierten Videos, die Einsatzfahrzeuge zeigten, aber keine sichtbaren Schäden am Wolkenkratzer. Die Feuerwehr twitterte später ein Foto von dem Hubschrauberwrack, auf dem auch Haufen von verbranntem Trümmerhaufen auf dem Dach zu sehen waren. Präsident Trump teilte ebenfalls via Twitter mit, er sei über den Absturz informiert.

Der Gouverneur des Staats New York, Andrew Cuomo, berichtete, der Brand sei inzwischen unter Kontrolle. Als New Yorker habe man von den Anschlägen 2001 auf das World Trade Center eine posttraumatische Belastungsstörung zurückbehalten. „Ich erinnere mich an diesen Morgen nur zu gut. Sobald Sie hören, dass ein Luftfahrzeug ein Gebäude getroffen hat, geht es meinem Verstand, denke ich, nicht anders als dem Verstand aller New Yorker.“ Bei den Anschlägen islamistischer Terroristen waren in New York mehr als 2700 Menschen getötet worden.

Der Pilot des Unglückshubschraubers flog seit fünf Jahren für die Firma American Continental Properties. Seine Lizenz für Hubschrauber habe er seit 2004 gehabt, wie die Luftfahrtbehörde FAA mitteilte. Seit dem vergangenen Jahr sei er auch Ausbilder gewesen. Paul Dudley, Direktor des Flughafens Linden im Staat New Jersey, sprach von einem „höchst erfahrenen“ und „sehr geschätzten“ Piloten, der sich oft auf dem Flugplatz aufgehalten habe.

Vermutlich habe ein mechanisches Problem vorgelegen oder das Wetter habe „ihn und den Helikopter überfordert“, sagte Dudley. „Ich glaube, dass er aufs Dach zu kommen versuchte und Leute am Boden verschonen wollte.“ Die Kongressabgeordnete Carolyn Maloney, eine Demokratin aus Manhattan, forderte als Konsequenz aus dem Vorfall ein Verbot von „nicht notwendigen“ Hubschrauberflügen über dem am dichtesten besiedelten Bezirk von New York City.

Den letzten größeren Hubschrauberunfall gab es in der Metropole im vergangenen Jahr. Damals stürzte ein Touristenhelikopter in den East River, fünf Menschen kamen dabei ums Leben. (dpa)