Wenn der Stadtrat zustimmt, kommt die freie Fahrt für alle Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt mit einem betreffenden Pass im ersten Quartal 2020!

Monheim am Rhein will als eine der wenigen Kommunen in Deutschland einen Gratis-Nahverkehr beschließen.

Der Stadtrat der Kleinstadt mit 44.000 Einwohnern nahe Düsseldorf soll sich bei einer Sitzung am Mittwochabend für diese Maßnahme entscheiden, die spätestens ab April 2020 gelten soll. Die Annahme gilt als sicher, da die kommunale Partei Peto von Bürgermeister Daniel Zimmermann das Sagen in dem Lokalparlament hat.

Zimmermann erklärt: „Das ist kein kurzer Testlauf, sondern das Angebot ist, sofern der Stadtrat zustimmt, auf mindestens drei Jahre angelegt. Danach werden wir mit dem Verkehrsverbund neu über die Kosten verhandeln müssen.“

Die städtische Flotte umfasst 47 Busse. Bürger, die in Monheim gemeldet sind, sollen auch ins benachbarte Langenfeld umsonst fahren können. Eine Bahn hat Monheim nicht, die Busse steuern aber mehrere S-Bahn-Haltestellen kurz hinter der Stadtgrenze an – dort können zum Beispiel Pendler in die S-Bahn umsteigen und nach Düsseldorf fahren. Für so eine Fahrt halbiert sich der Preis. Für die wegbrechenden Ticketeinnahmen zahlt Monheim pro Jahr etwa drei Millionen Euro an das lokale Nahverkehrsunternehmen.

Ganz neu ist solch ein Konzept nicht, im brandenburgischen Templin waren Gratis-Busse von 1998 bis 2003 unterwegs. Im bayerischen Pfaffenhofen befördern seit Ende 2018 sechs Linienbusse kostenlos Einheimische und Zugereiste, seither haben sich die Passagierzahlen dort mehr als verdoppelt.

Verkehrsverbünde sehen kommunalen Gratis-Nahverkehr kritisch – sie warnen davor, dass durch fehlende Ticketeinnahmen Geld für Investitionen fehle. In Monheim dürfte das allerdings kein Problem sein – die Stadt gilt wegen eines sehr niedrigen Gewerbesteuersatzes als Steueroase für Firmen. Da viele Unternehmen Geschäft nach Monheim verlagerten, schossen die Steuereinnahmen in die Höhe.