Foto: dpa/Stefan Adelsberger
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Der Volksmusiker Andreas Gabalier soll den Karl-Valentin-Orden bekommen und zeigt sich von der Kritik daran unbeeindruckt. „Wenn sich ein paar Einzelne aufregen, die mich persönlich überhaupt nicht kennen, dann juckt mich das nicht“, sagte der österreichische Sänger („Hulapalu“) der „Bild“.

Der Orden wird alljährlich von der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla in Gedenken an den Komiker Valentin (1882-1948) verliehen. Gabalier soll ihn am Samstag erhalten.

Das Valentin-Karlstadt-Musäum kritisiert die gesellschaftspolitische Haltung des 34 Jahre alten Volksmusikers. Diese sei rechtspopulistisch, eindeutig homophob und frauenfeindlich. „Ich bin wohl einigen zu bodenständig, aber das werde ich ganz sicher nicht für diese Leute ändern“, erklärte der 34-Jährige. „Von ein paar Neidern lasse ich mir meine Erfolgsgeschichte nicht kaputt reden.“ Er erwarte mehr Respekt, ging auf die Vorwürfe aber nicht weiter ein.

Auch Alt-Rock-’n‘-Roller Peter Kraus (79), der den Preis am Samstag überreichen soll, verteidigt Gabalier. „Ich kenne Andreas als einen netten, höflichen und respektvollen Kollegen“, sagte er dem Blatt.

Einer der Vorwürfe betrifft das Album-Cover von „VolksRock‘n‘Roller“ aus dem Jahr 2011. Dort soll die Pose des Musikers laut Kritikern einem Hakenkreuz ähneln.

Wer ist hier Volkssänger?

Was hat die Nachwelt nicht alles dem Volkssänger und Komiker Valentin (1882–1948) zu verdanken. Etwa diesen Spruch: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“ Oder „Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut.“ Ein begnadeter Humorist mit hintergründigem Sprachwitz, ein Querdenker. Beim Valentin-Karlstadt-Musäum sieht man sein Andenken nun in Gefahr: Museumsdirektorin Sabine Rinberger sagt. „Hulapalu hat nichts mit Karl Valentin zu tun!“

Das sieht die Narrhalla anders. Valentin habe sich zeitlebens als Volkssänger gesehen und Gabalier sei eben ein „Volkssänger 2.0“. Wie kein anderer verstehe er es, volkstümliche Musik mit Stadionrock zu verbinden. Gerade die Einordnung als Volkssänger ist nach Ansicht der Valentin-Expertin aber verkehrt. Das Volkssängertum sei eine Kunstgattung des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts gewesen. Bei Gabalier gebe es keinen Zusammenhang mit Valentins Sprachfertigkeit, seinem Doppelsinn und Genie oder seinem Querdenkertum. „Volks-Rock’n‘-Roller, das kann er ja sein, aber das hat nichts mit Valentin zu tun“, sagt Rinberger.

Die Museumsleiterin stört sich auch an den Texten des 34-Jährigen, etwa im Song „A Meinung haben“. Die Narrhalla würdigt das Stück als ein „Loblied auf das Andersdenken, auf Menschen, die ihr politikverdrossenes Schweigen brechen und hinter ihrer Meinung stehen“. Darin heißt es: „Dann schauns di an mit ganz großen Augen, wenn ana aufsteht und sagt was er si denkt.“

Das gehe in die Richtung von „das wird man doch wohl noch sagen dürfen“, findet Rinberger. „Als würde man bei uns nichts sagen dürfen!“ Solche Texte könne man ohne viel Fantasie sehr wohl als rechtspopulistisch interpretieren. Die Narrhalla kontert: „Texte von Künstlern sind vielseitig auslegbar und werden offensichtlich von bestimmten Personen je nach Neigung unterschiedlich wahrgenommen.“ Der Verein mache sich rechtspopulistische, homophobe sowie frauen- und fremdenfeindliche Texte nicht zu eigen. „Wir stehen für eine bunte, tolerante und soziale Stadtgesellschaft.“

Die Narrhalla vergibt den Karl-Valentin-Orden seit 1973, erhalten haben ihn schon Hape Kerkeling, Senta Berger, Loriot, Michael „Bully“ Herbig und sogar Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.. Wirbel gibt es nicht zum ersten Mal. 2015 etwa wurde der Schlagersänger Heino geehrt. Der Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer sah den von ihm verehrten Valentin nun „im Dschungelcamp der Münchner Narrhalla“ und fand spitze Worte: „Bin ich ein Narr? Holt mich da raus!“ habe der Volkssänger am Rande einer himmlischen Orchesterprobe geseufzt.

Die Unterstützer des Musäums, das auch Valentins berühmter Partnerin Liesl Karlstadt gewidmet ist, suchten das Gespräch mit der Narrhalla. Man habe um einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Namen gebeten. „Sollen sie den Orden halt einfach umbenennen“, schlug der Kabarettist Holger Paetz im Bayerischen Rundfunk (BR) vor. Das wünscht sich auch Rinberger. Hieße der Orden etwa „Der blaue Kakadu“, wäre es Sache der Narrhalla. So sei aber Karl Valentin betroffen, weil die Leute das nicht auseinanderhalten könnten. „Das treibt einem die Tränen in die Augen“, sagt Rinberger und hat auch gleich ein Zitat parat – natürlich von Valentin: „Hätte ich Tränen dabei gehabt, hätte ich sie geweint.“

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(dpa)