Welche Pflanzen schlagen für gewöhnlich keine Wurzeln in die Erde?

Bei Stechpalmen, Weihnachtssternen und Nordmanntannen ist es anders – Misteln sind Pflanzen, die für gewöhnlich keine Wurzeln in die Erde schlagen.
ARCHIV – 05.05.2017, Brandenburg, Biesenbrow: Die Heilpflanze breitet sich massiv aus, mit fatalen Folgen für Obstbäume (zu dpa: Mistel gefährdet Obstbäume und breitet sich stark aus) Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein küssendes Paar unter einem Mistelzweig zur Weihnachtszeit bedeutet nach altem Brauch ewige Liebe – für Bäume ist der grüngelbe Halbparasit aber eine Plage. Denn die Mistel schwächt viele Baumarten. Normalerweise setzt sie sich vor allem an Pappeln und Obstbäume. Doch in Brandenburg breitet sie sich weiter aus. „Wir haben mehr Meldungen, und wir sehen auch mehr Misteln, sowohl an Nadelholz als auch an Laubholz in den Wäldern“, berichtet Waldschutzexpertin Karin Möller vom Landesbetrieb Forst in Eberswalde. Misteln sind Pflanzen, die für gewöhnlich keine Wurzeln in die Erde schlagen.

Die Mistel profitiere davon, dass es den Bäumen im Land immer schlechter gehe. Ein Baum müsse vital sein, um Schaderreger abzuwehren zu können. Je gestresster Bäume durch Dürre, Extremwetterlagen, Hagel oder Sturm seien, umso anfälliger seien sie. Abwehrmechanismen seien wegen Trockenperioden, mehr Schadstoffen sowie dem Befall unter anderem von Raupen, Pflanzenwespen und seit drei Jahren auch von Borkenkäfern geschwächt.

Laut Waldzustandsbericht 2020 des Umweltministeriums ist der Brandenburger Wald trotz einer leichten Erholung das dritte Jahr in Folge im «Dauerstress». Seit Beginn der gesamtdeutschen Waldzustandserhebung im Jahr 1991 wurde dem Ministerium zufolge sogar die höchste Absterberate von Bäumen beobachtet. „Mit dem Wassermangel und den sich durch Trockenheit stark vermehrenden Schaderregern ist der Klimawandel mitten im Brandenburger Wald angekommen“, so Umweltminister Axel Vogel (Grüne).

Urte Delft, Diplom-Ingenieurin für Landschaftsnutzung und Naturschutz, berichtet von einer Verbreitung des Schmarotzers in der Prignitz, vor allem im Elbtal, aber auch im Osten und Süden Brandenburgs und nördlich von Potsdam. Vor allem ältere Apfelbäume seien anfällig, insgesamt sei Pflege notwendig. Die Mistel nehme sich die Nährstoffe und wachse über Jahre. Durch ihr Gewicht können Äste abbrechen, die Früchte werden kleiner. Wenn man gesunde Obstbäume wolle, müsse man die Misteln herausschneiden, weiß die Expertin.

dpa