Duden 28. Auflage 12. August 2020
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Jahrhundertelang war klar: Ein Mieter ist ein Mensch, der etwas gemietet hat. Ob dieser Mensch männlich, weiblich oder divers ist, spielte sprachlich keine Rolle. Der Duden macht damit jetzt Schluss. Wer auf Duden.de „Mieter“ eingibt, sieht als Wortbedeutung: „männliche Person, die etwas gemietet hat“. Expertinnen warnen vor diesem sprachpolitischen Umsturz. Im aktuellen Duden haben die beiden Verben befreunden und entfreunden einen eigenen Eintrag.

«Die Festlegung des grammatischen Genus Maskulinum auf das natürliche Geschlecht entspricht nicht der Systematik des Deutschen», sagt die Sprachwissenschaftlerin Prof. Ursula Bredel. Wenn das Wort „Mieter“ nur noch männliche Mieter bezeichne, erschwere dies auch die Bezeichnung diverser Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen: Die bislang häufige Bezeichnung „Mieter (m/w/d)“ wäre dann nicht mehr möglich.

Die Grammatik-Expertin Prof. Gisela Zifonun, die am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim gearbeitet hat, warnte bereits 2018 vor einer Abschaffung des sogenannten generischen Maskulinums. „Generisch“ bedeutet: Personenbezeichnungen mit grammatisch männlichem Geschlecht wie „der Mieter“ sagen nichts über das biologische Geschlecht aus.

„Sprachsystematisch führt ein Total-Verzicht auf maskuline Personenbezeichnungen in geschlechtsneutraler Deutung zu empfindlichen Lücken“, schrieb Zifonun im „IDS Sprachreport“ und gab ein Beispiel: Wenn ich eine Autorin „eine der wichtigsten Schriftstellerinnen“ nenne, ist das ein viel kleineres Lob als zu sagen: Sie ist „einer der wichtigsten Schriftsteller“. Denn im zweiten Fall wird die Autorin mit allen Schreibenden verglichen.

Die Mannheimer Linguistik-Professorin Angelika Wöllstein nennt weitere Beispiele: Bei einer Durchsage im Zug „Ist ein Arzt an Bord?“ seien nicht nur männliche Ärzte gefragt. Dasselbe gelte für Wendungen wie „zum Arzt gehen“ oder „zum Bäcker gehen“. Auch bei Wortverbindungen wie „bürgernah“ und „Mieterschutz“ gebe es keinen Bezug zum natürlichen Geschlecht. „Um diese Möglichkeiten des Bedeutungsbeitrags zu ermöglichen, sollten die lexikalischen Informationen derartigen Beispielen nicht widersprechen“, betont Wöllstein mit Blick auf den Duden.

Quelle: dpa