Zapfen Erle Zweige
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Wählen Gartenbesitzer einen Nadelbaum aus, achten sie auf einen ansprechenden Wuchs und dekorative Nadel- oder Schuppenblätter. Die Früchte der Pflanzenfamilie werden meist vernachlässigt. Dabei sind die Zapfen gerade für den Winter ein schöner Schmuck.

Zapfen werden gerne als Dekoration in der Adventszeit verwendet: Sie schmücken Gestecke, Kränze und sogar den Weihnachtsbaum. Aber besonders wirken sie dort, wo sie auch wachsen – an den Bäumen. «Gerade im Winter sind die Zapfen besonders schmuck», sagt Arne Janssen, Fachbuchautor aus Worpswede (Niedersachsen).

Zapfen sind seit der frühen Kulturgeschichte Symbol der Fruchtbarkeit. Das liegt nahe: «Zapfen gehen aus einem Blütenstand hervor», erläutert Ulrich Pietzarka, Kustos des Forstbotanischen Gartens der Technischen Universität Dresden in Tharandt. Zunächst sind sie noch grün. Bis die Samen reif sind, verholzen die ehemaligen Blütenstände – sie werden also braun und hart. «Im Zusammenspiel mit den umgebenden dunkelgrünen Nadeln bietet sich jetzt ein besonders hübscher Kontrast», sagt Autor Janssen. Jeder Zapfen wirkt dann wie eine kleine Skulptur.

«Zapfen verbindet man in der Regel mit Koniferen», erläutert Pietzarka. Deren Name greift das sogar auf: Konifere setzt sich aus den lateinischen Begriffen «conus» und «ferre» zusammen, und heißt übersetzt so viel wie «kegeltragend». Aber auch andere Nadelgehölze tragen Zapfen – und sogar einige der sogenannten Bedecktsamer, die häufig als Blütenpflanzen bezeichnet werden. «Das gängigste Beispiel ist die Erle», sagt Pietzarka.

Der Aufbau von Zapfen ist relativ unterschiedlich. Der Forstwissenschaftler beschreibt die Zapfen von Koniferen so: «Der Blütenstand baut sich an einer Mittelachse auf, um die die Blüten jeweils in der Achsel eines tragenden Blattes angeordnet sind.» Hier entwickeln sich nach der Bestäubung die Samen und die sogenannten Deckschuppen verholzen. «Von Gattung zu Gattung sind die Komplexe von Deck- und Samenschuppen unterschiedlich aufgebaut und entwickelt», erklärt Pietzarka. Bei der Zypresse werden acht bis zehn Komplexe gebildet, während die Tanne Hunderte bekommt.

Zapfen haben drei verschiedene Funktionen. Sie gewährleisten die Bestäubung der Blüten, weshalb sie bei vielen Arten zunächst aufrecht am Zweig sitzen und dann hängen. Die Zapfen schützen – ähnlich wie eine Frucht – den Samen, solange er noch nicht reif ist. Und als dritte Aufgabe stellen Zapfen sicher, dass der Samen zur rechten Zeit freigelassen wird – indem sie aufspringen.

In der Regel verbreitet der Wind die Samen, was bei Trockenheit besser funktioniert als bei feuchter Witterung. Daher öffnen sich die Zapfen, wenn es länger nicht regnet. Die Samen segeln dann in deutlicher Entfernung zum Mutterbaum gen Erdboden.

Zu den bekannten Zapfenträgern zählt die heimische Waldkiefer (Pinus sylvestris). Aber sie eignet sich nicht für jeden Standort, erläutert Janssen. «Sie wird wie die Österreichische Schwarzkiefer (Pinus nigra) für die meist kleinen Gärten viel zu groß.»

Auf seiner Hitliste stehen aber zwei Sorten, die aus der Waldkiefer entstanden sind, ganz oben: Pinus sylvestris ‚Fastigiata‘ wächst langsam bis zu vier Meter als schmale Säule in die Höhe. Pinus sylvestris ‚Watereri‘ breitet sich hingegen als Strauch am Boden gemächlich aus – wird aber auch zwei bis drei Meter hoch.

«Die dritte Schönheit im Bunde ist ebenfalls eine Kiefer – die bis zu drei Meter hohe Blaue Mädchenkiefer (Pinus parviflora ‚Glauca‘)», sagt Janssen. Die Kulturform aus Japan eignet sich als Hausbaum – egal, wie klein ein Garten ist. Schön ist sie auch im Heidegarten oder im Topf auf dem Balkon. Alle drei Kiefern vertragen trockene, sandige Böden und brauchen einen Standort mit voller Sonne um ihre Schönheit zu entwickeln.

Auch einige Fichten haben besonders tolle Zapfen: Die Orient-Fichte (Picea orientalis) wächst ähnlich wie die Gemeine Fichte im Wald. Die sogenannte Zapfen-Fichte (Picea abies ‚Acrocona‘) ist eine spezielle Auslese mit großen, wohlgeformte Zapfen, die sich nicht mitten zwischen den Nadeln befinden, sondern deutlich sichtbar am Ende der Zweige. Mit zwei Metern Höhe und einem Wuchs wie ein breiter Kegel passt sie selbst in einen Schrebergarten. Fichten gedeihen auch auf feuchtem Boden in halbschattigen Lagen.

Koniferen entwickeln erst nach 10 bis 15 Jahren am Standort ihre Zapfen. Aber die Gärtner haben einen Trick, den Ansatz von Zapfen zu fördern, verrät Janssen: «Gaukelt man dem Baum eine karge Notzeit vor, dann werden überreich Zapfen und Samen ausgebildet, um die eigene Art zu erhalten und das Überleben zu sichern.»

Dafür sollten Hobbygärtner zum Spaten greifen und im Abstand von 50 Zentimetern zum Stamm einen mindestens spatentiefen Halbkreis um den Baum stechen. «Das Durchtrennen der Wurzeln kann man drei Jahre später auf der anderen Seite wiederholen – mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Bäume nicht so schnell in die Höhe schießen», erläutert Janssen. Und zumindest sichert man sich so einen überreichen Behang mit wunderschönen Zapfen.

Diese kann man nun zur Dekoration verwenden. Große Zweige mit Zapfen sind beispielsweise dekorativ in einer Bodenvase, kleinere passen im Gefäß auf den Tisch. Autor Janssen kombiniert dazu die Blüten von Christrosen. Eine serbische Fichte mit Zapfen schmückt sich als Weihnachtsbaum quasi von selbst – das ist für Gartenexperte Pietzarka die bevorzugte Wahl im Dezember.

«Und natürlich kennt jeder die riesigen mediterranen Pinienzapfen, die man mit etwas Goldbronze bepinselt so wunderbar als pure Deko auf den Esstisch oder unter den Weihnachtsbaum legen kann», gibt Janssen ein weiteres Beispiel. Doch damit nicht genug: Kränze aus verschiedenen Zapfen – von Lärche bis Scheinzypresse – lassen sich auf einem Strohrömer vom Floristen im Nu mit einer Heißklebepistole befestigen. «Noch ein wenig edles Schleifenband drumherum – fertig ist der exklusive Schmuck für die Haustür oder den Couchtisch.»

Quelle: dpa