Ski Kitzbühel Streif
Foto: Shinichiro Tanaka/AP/dpa

Das Hahnenkammrennen gehört in Österreich zu den wichtigsten Promi-Events des Jahres. Während die Abfahrer die Streif hinuntersausen, wird das kleine Kitzbühel zur riesigen Partymeile. Das Motto: Feiern bis zur Belastungsgrenze. Eröffnet wird die Rennwoche am 21. Januar.

Arnold Schwarzenegger gehört zu den Stammgästen beim Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel. Wenn sich die Ski-Rennläufer die spektakuläre Streif hinunter wagen und mit bis zu 140 Stundenkilometern durchs Ziel brettern, wirkt der kleine Ort in Tirol wie ein Supermagnet für die Prominenz.

Der gebürtige Österreicher Schwarzenegger darf da seit Jahren nicht fehlen, das Event ist dem 72 Jahre alten Gründer einer Umweltschutzorganisation immer wieder eine Reise aus Kalifornien nach Europa wert. Und ja, auch dieses Jahr, bei der 80. Ausgabe der Hahnenkammrennen, wird Arnie dabei sein.

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Ob der Ex-Gouverneur Kaliforniens am Freitag auch wieder die legendäre Weißwurstparty beim Stanglwirt in Going, nur wenige Kilometer von Kitzbühel entfernt, eröffnen wird, ist aber noch ein Geheimnis.

„Als er zum ersten Mal vor ein paar Jahren bei der Weißwurstparty war, war er wirklich von den Socken“, erzählte Juniorchefin Maria Hauser der Deutschen Presse-Agentur. Schwarzenegger habe mit einem kleinen Zeltfest gerechnet. „Er meinte dann aber, dass es hier ja eher sei wie bei einer Movie-Premiere.“

Weißwurstparty im Stanglwirt: Promis feiern in Kitzbühel

Der Abfahrts-Weltcup (Samstag, 11.30 Uhr) auf der legendären Streif in Kitzbühel gilt als härtestes Skirennen der Welt. Mausefalle, Steilhang, Hausbergkante, Traverse. Keine andere Strecke hat so viele bekannte Abschnitte wie die 3,3 Kilometer lange Streif, die die Profis in weniger als zwei Minuten abfahren.

Das gefährliche Spektakel lockt jedes Jahr Tausende Fans an. Im Rekordjahr 1999 waren es über das Wochenende verteilt rund 100.000 – also ein Vielfaches der Kitzbüheler Bevölkerung von rund 8000 Menschen. Die 290 Beherbergungsbetriebe vor Ort bieten 5777 Betten an. Ein Ort an der Belastungsgrenze – zumindest für ein paar Tage.

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Mit dabei sein wird auch einer der bekanntesten Einheimischen und bisher der letzte Kitzbühler, der ein Hahnenkamm-Rennen gewonnen hat. 1974 gewann der damals 19 Jahre alte Hansi Hinterseer den Slalom. „Es hat schöne Siege gegeben, aber daheim, auf dem Berg, auf dem man Skifahren gelernt hat, das ist schon was sehr Besonderes“, erinnert sich der 65-Jährige, der 1994 eine Karriere als Volksmusiker startete. Bei seinen Konzerten sorgt er gern für die große Gaudi, bei den Hahnenkamm-Partys ist er aber für gewöhnlich nicht dabei.

Die Weißwurst-Party, Promi-Treffpunkt am Freitagabend vor der Abfahrt am Samstag, entstand 1991. Damals war es noch Tradition, dass sich die österreichischen Ski-Rennläufer beim Stanglwirt vor dem Rennen auf der Streif stärkten (was sie auch heute noch tun, allerdings schon dienstags). Der bayerische Metzgermeister Toni Holnburger bot den Sportlern 1991 erstmals seine Weißwürste zur Verkostung an, es folgte eine lange Stammtisch-Party. „Damals wurde dann beschlossen, das jedes Jahr zu machen“, erzählt Hauser.

Die Party wurde in den folgenden Jahren immer größer, inzwischen ist sie auf 2800 Gäste beschränkt. Die Tickets seien innerhalb von einer Stunde verkauft gewesen, die günstigste Karte kostete dieses Jahr 145 Euro – inklusive Weißwürsten, Brezeln und ein paar Getränken. 7000 der Würste hat Organisatorin Hauser bestellt, auch heute noch kommen sie von der Metzgerei Holnburger.

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Welche Promis dieses Jahr die Würste probieren werden, ist noch nicht bekannt – beim Stanglwirt bewahrt man Stillschweigen über die Gästeliste. „Wir haben noch nie eine Gage für’s Kommen bezahlt. Wer kommt, der kommt freiwillig. Wir wissen dadurch aber auch oft selbst nicht, wer dabei sein wird“, erklärt Hauser. In den vergangenen Jahren wurden neben Schwarzenegger schon Andreas Gabalier, Verona Pooth, Sonja Kirchberger und DJ Ötzi am großen Weißwurst-Topf gesichtet.

Eigentlich soll aber natürlich der Sport im Mittelpunkt stehen – das betonen sie alle in Kitzbühel. Tatsächlich werden Streif-Sieger gefeiert wie Helden, auch bei den Rennläufern nimmt ein Abfahrtssieg in Kitzbühel einen besonderen Stellenwert ein. „Es ist schon etwas schade, dass es für gewisse Leute sicher mehr ums Feiern geht als um den Sport“, sagte Volksmusiker Hinterseer der dpa. „Natürlich hat sich das in den letzten Jahren sehr verändert, auch viele Firmen und Sponsoren wollen ja inzwischen bei der Musik dabei sein. Letztlich ist aber der Athlet derjenige, der die Show macht, die jungen Burschen, die sich da darunter hauen.“

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Erstmals veranstaltet wurden die Hahnenkammrennen 1931, die Streif hinunter ging es erstmals 1937. In den 1950er Jahren begeisterten die Österreicher Toni Sailer und Andreas Molterer, Letzterer stand über drei Disziplinen hinweg (Abfahrt, Slalom, Kombi) neun Mal bei Hahnenkammrennen ganz oben auf dem Podest. In den 1970ern sorgte vor allem Franz Klammer mit seinen wilden Ritten für Aufsehen.

1997 zimmerte Fritz Strobl den bis heute gültigen Streckenrekord bei einer Streif-Abfahrt in den Schnee: Nach 1:51,58 Minuten und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 107 Stundenkilometern erreichte der Österreicher das Ziel. „Die Sportler sind schon die letzten 30 Sekunden für die Zuschauer sichtbar, das macht es so interessant, so spannend – und einmalig“, erklärt Hinterseer.

Aus Deutschland siegten zuletzt Thomas Dreßen (Abfahrt, 2018) und Felix Neureuther (Slalom, 2010 und 2014). Neben Ruhm und Ehre sind diese Erfolge auch finanziell ein gutes Geschäft, die Preisgelder sind in Kitzbühel höher als anderswo. Dieses Jahr dürfen sich Slalom- und Abfahrtssieger über ein Rekordpreisgeld von je 100.000 Euro freuen.

„Das Hahnenkammrennen hat seit Jahren enorme Bedeutung für die Stadt Kitzbühel“, sagt Bürgermeister Klaus Winkler. „Es liefert einen unverzichtbaren Tourismusimpuls für die zweite Saisonhälfte in Kitzbühel und weit darüber hinaus für viele Wintersportorte.“ Auch er betont, dass der Sport im Mittelpunkt stehe – „weshalb alle Besucher gleichermaßen willkommen sind.“

Einen kleinen Promi-Wunsch lässt sich Winkler aber doch entlocken: „Ein Mitglied aus dem englischen Königshaus hätte aber natürlich schon etwas.“

Quelle: dpa