Gabriele Frehse
Foto: picture alliance / Catalin Soare/dpa

Schwere Vorwürfe ehemaliger Athletinnen gegen die Chemnitzer Turn-Trainerin Gabriele Frehse: Sie ist vorläufig suspendiert. In Fernseh- und Zeitungsinterviews setzt sie sich zur Wehr.

Die vom Olympiastützpunkt Chemnitz suspendierte Turn-Trainerin Gabriele Frehse setzt sich weiter gegen die schweren Vorwürfe ehemaliger Athletinnen zur Wehr. Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer, deren Schwester Helene und weitere Turnerinnen hatten Frehse vorgeworfen, sie im Training schikaniert, Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben.

In Interviews des Mitteldeutschen Rundfunks am Donnerstag und der „Sächsischen Zeitung“ (Freitag) sagte die 62-Jährige, es handele sich um viele haltlose Vorwürfe und Unwahrheiten. Zuerst hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ darüber berichtet. Frehse betonte, dass man sich im Leistungssport quälen, auch mal schinden müsse, dass ab und zu ein härteres Wort falle. „Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt die Absicht, Turnerinnen durch meinen Ton zu verletzen.“

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DTB-Präsident Alfons Hölzl stellte sich hinter die Entscheidung des Olympiastützpunktes Chemnitz und sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir halten es für notwendig, dass Frau Frehse bis zur Klärung der Sachverhalte sowohl für ihre Tätigkeit am Bundesstützpunkt in Chemnitz als auch für Maßnahmen und Veranstaltungen des DTB freigestellt wurde. Dies dient dem Schutz aller Beteiligten.“ Eine unabhängige Kommission soll den Sachverhalt klären. „Ich finde die Entscheidung richtig, um die Kinder und meine Trainerkollegen zu schützen“, sagte Frehse der „Sächsischen Zeitung“ (Freitag).

Training unter Schmerzen, Diätzwang und psychische Erniedrigungen

Im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatten mehrere Turnerinnen über ihre Zusammenarbeit mit Frehse berichtet. Dabei ging es um Training unter Schmerzen, Diätzwang, aber auch psychische Erniedrigungen. All das versuchte die Trainerin in den Interviews des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und der „Sächsischen Zeitung“ zu entkräften. „Aber täglich erniedrigt zu werden – das hinterlässt irgendwann Spuren“, sagte beispielsweise Pauline Schäfer im „Spiegel“.

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Den Vorwurf, sie habe ohne ärztliche Verordnungen Medikamente verabreicht, wies Frehse zurück. „Ich habe nie einer Turnerin ohne Absprache mit einem Arzt und/oder den Eltern ein Medikament gegeben“, sagte Frehse. Gegen eine in diesem Zusammenhang stehende Abmahnung durch den DTB 2018 sei sie nicht vorgegangen, weil sie vor der Heim-WM 2019 einen Skandal habe verhindern wollen. „Auch, weil man gegen eine Abmahnung bis drei Jahre danach vorgehen kann“, sagte Frehse.

In Bezug auf den vorgebrachten Vorwurf des Diätzwangs sagte Frehse, das Gewicht sei im Turnen ein wichtiges Thema. Die Mädchen würden sich in der Pubertät verändern und zunehmen. „Aber wir müssen darauf achten, weil es gefährlich werden kann, wenn sie am Barren zu viel Gewicht haben, das Flugelement deswegen schiefgeht und sie sich dadurch verletzen. Deshalb habe ich mich immer gekümmert“, sagte Frehse. Man habe mit Ernährungsberatern gearbeitet, zeitweise abends extra einen Caterer engagiert, man sei bei einem Projekt für gesunde und ausgewogene Ernährung gewesen und habe mit Eiweiß-Shakes gearbeitet.

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Dass weitere frühere Athletinnen am Donnerstag im „Spiegel“ die Vorwürfe erneuerten, Grenzen überschritten zu haben, wies die Trainerin von sich. „In dieser Weise habe ich diese Grenzen niemals überschritten.“ Sie habe im Gegenteil das Training abgebrochen, wenn ein Mädchen geweint habe oder wenn es erschöpft gewesen sei. „Ich bin eine vorsichtige Trainerin. Es gibt einige Elemente, die bei mir nicht trainiert werden dürfen“, betonte Frehse.

Verteidigt wird sie von Sophie Scheder. „Ich bin seit meinem elften Lebensjahr in Chemnitz und für mich war und ist Gabi immer Bezugsperson wie auch Ersatzmama. Natürlich ist es im Leistungssport so, dass auch mal ein bisschen der Ton verschärft wird und man angetrieben wird, aber nur so kann man letztendlich erfolgreich sein“, sagte die Olympia-Dritte am Stufenbarren von 2016 dem MDR.