NRW-Museen nach Attacken von Klima-Aktivisten alarmiert

Nach den Attacken von Klima-Aktivisten auf berühmte Kunstwerke zeigt man sich in den großen Kunstmuseen Nordrhein-Westfalens alarmiert. Zwar hat man Verständnis für das Anliegen, nicht aber für die Angriffe auf Kulturgüter.
Die Füchse von Franz Marc
Eine Frau betrachtet das Gemälde "Füchse" von Franz Marc (1880-1916) im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Foto: Marcel Kusch/dpa
Die Füchse von Franz Marc
Eine Frau betrachtet das Gemälde "Füchse" von Franz Marc (1880-1916) im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Foto: Marcel Kusch/dpa

Immer öfter kommt es zu Attacken von Klima-Aktivisten auf berühmte Kunstwerke. Das hat die Museen in Nordrhein-Westfalen in Alarmbereitschaft versetzt. „Wir haben uns mit anderen Museen und betroffenen Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht und einen Notfallplan entwickelt“, sagte eine Sprecherin der Kunstsammlungen NRW in Düsseldorf auf dpa-Anfrage.

Der Plan sehe eine stärkere Kontrolle beim Einlass, mehr Aufsichtspersonal und eine erhöhte Präsenz der Restaurierungsabteilung vor. Außerdem gebe es einen Ablaufplan im Fall der akuten Beschädigung eines Werkes.

Die Kunstmuseen sehen sich zu Unrecht im Visier der Aktivisten: „Wir nehmen das Thema Nachhaltigkeit sehr ernst und arbeiten bereits seit einigen Jahren daran, unserer CO2-Ausstoß stark zu verringern“, so die Sprecherin. „Wir respektieren das Engagement der Aktivist*innen, aber wir finden die Verknüpfung von Klimaaktivismus und die Beschädigung von Kulturgut den falschen Weg.“

Anliegen verständlich, aber keine Rechtfertigung

Ein Sprecher des Lehmbruck Museums in Duisburg beklagte die „zerstörerische Wut“ der „sogenannten Aktivist:innen“. „Auch wenn das grundlegende Anliegen der Umweltbewegung natürlich drängend und verständlich ist, rechtfertigt das nicht die Mittel und die kriminelle Energie, mit der sie sich gegen Kunstwerke wenden.“

„Wir waren bereits vor den aktuell vermehrt auftretenden Attacken in anderen Museen für solche Szenarien sensibilisiert“, teilte Peter Gorschlüter, Direktor des Folkwang Museums, auf dpa-Anfrage mit. Zu den bereits getroffenen Sicherheitsvorkehrungen und Einsatzplänen werde man sich aber nicht öffentlich äußern. „Als Museum fühlen wir uns dem Erhalt, der Pflege und Sicherheit der uns anvertrauten Objekte verpflichtet.“

Auch die Museen der Stadt Köln sind durch die Anschläge gewarnt und werden mit besonderer Aufmerksamkeit darauf reagieren, wie eine Sprecherin dort mitteilte. Die bestehenden Sicherheitskonzepte seien auf hohem Niveau. Zu Einzelheiten wollte man aber auch in Köln keine Auskunft geben.

„Zweck heiligt nicht die Mittel“

„Angesichts des aktuellen Vorfalls werden wir die Aufmerksamkeit nochmals erhöhen und insbesondere strengere Maßstäbe anlegen, wenn es um die Mitnahme von Taschen und Gegenständen in die Ausstellungsräume geht“, berichtete Roland Mönig, Direktor des Von der Heydt-Museums in Wuppertal. Von seinem Notfallplan werde das Museum keine Details preisgeben.

Das Engagement gegen den Klimawandel sei zwar „richtig und sinnvoll“, sagte Mönig. „Aber der Zweck heiligt nicht die Mittel.“ Die Kunst sei ihrerseits ein kostbares und oft gefährdetes Gut. „Sie ist ihrerseits eine Ressource und sollte mit Respekt behandelt und geschützt werden – nicht mutwillig beschädigt.“

Zwar deckten die Versicherungen für die Kunstwerke zwar auch solche Fälle von Vandalismus ab, aber: „Unabhängig von den Konditionen der Versicherer zieht ein solches Ereignis unweigerlich einen Vertrauensverlust bei aktuellen oder potenziellen Leihgebern und Projektpartnern nach sich. Die museale Arbeit kann dadurch auf längere Zeit stark beeinträchtigt werden“, warnte Mönig.

Klima-Aktivisten etwa der Gruppe „Letzte Generation“ hatten zuletzt Attacken auf berühmte Kunstwerke in Potsdam, Dresden, Berlin und London verübt. Die Kunstwerke selbst blieben dabei unbeschädigt.

dpa