„Allahu akbar“: Ab Freitag hallt der Muezzin-Ruf durch Köln-Ehrenfeld

Der Muezzin der Türkisch-Islamischen Union Ditib darf am Freitag in Köln erstmals über Lautsprecher zum Gebet rufen. Der Psychologe Ahmad Mansour kritisiert dies als "Machtdemonstration des politischen Islam".
Moschee Köln
Foto: Shutterstock/Bilderstoeckchen
Moschee Köln
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Die Türkisch-Islamische Union Ditib in Köln kann am Freitag (14. Oktober) erstmals den Muezzin über Lautsprecher zum Gebet rufen lassen. Eine Sprecherin der Stadt Köln sagte am Mittwoch (12. Oktober), dass am Donnerstag ein entsprechender öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen der Stadt und der Ditib unterzeichnet werde. Die Ditib habe bereits unterschrieben, am Donnerstag werde noch die Unterschrift von Seiten der Stadt erfolgen. Dann sei der Weg für den Muezzin-Ruf prinzipiell frei. Alles Weitere liege bei der Ditib.

Diese stehe in der Pflicht, die Anwohner unter anderem mit Flyern zu informieren. Für Donnerstagnachmittag hat die Ditib zu einer Informationsveranstaltung in die Zentralmoschee im Stadtteil Ehrenfeld eingeladen.

Die Sprecherin der Stadt sagte, der maximal fünf Minuten lange Muezzinruf dürfe bei den Anwohnern der Moschee nur mit einer Lautstärke von höchstens 60 Dezibel ankommen. Die Stadt verweist bei dem zunächst auf zwei Jahre befristeten Pilotprojekt auf die im Grundgesetz verbriefte Freiheit der Religionsausübung. Während in Kirchen die Glocken läuteten, um die Gläubigen zum Gottesdienst zu rufen, seien es in den Moscheen die Rufe des Muezzins.

Islamismus-Experte Ahmad Mansour kritisiert Muezzin-Rufe in Köln

Der Berliner Islamismus-Experte Ahmad Mansour kritisierte den Muezzinruf als „Machtdemonstration des politischen Islam“. Er erinnerte daran, dass die Ditib der verlängerte Arm der türkischen Religionsbehörde in Ankara sei und Präsident Recep Tayyip Erdogan die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld persönlich eröffnet habe. „Es ist verheerend, wenn ausgerechnet dieser Organisation jetzt eine derartige öffentliche Anerkennung zuteil wird“, sagte der Psychologe und Autor.

Der Vergleich mit dem Läuten der Kirchenglocken überzeuge ihn nicht. „Beim Glockengeläut geht es um Klang, beim Muezzin-Ruf geht es um konkrete religiöse Botschaften.“ Der Muezzin rufe, dass es keinen anderen Gott als Allah gebe und dass Mohammed sein Gesandter sei. „Das ist also ein deutlicher Unterschied zu einfachem Läuten.“ Man übersehe auch leicht, dass viele junge Muslime in Deutschland es gerade zu schätzen wüssten, dass die Religion im öffentlichen Raum nicht so sichtbar sei wie in den islamischen Herkunftsländern ihrer Familien. „Sie finden das entspannend, sie finden das gut“, sagte Mansour. „Wenn sie pünktlich zum Gebet erscheinen wollen, dann stellen sie einfach ihre Handys ein.“

Muezzin-Ruf als Schritt in Richtung Islamisierung?

Dagegen teilte die Ditib mit: „Das Freitagsgebet ist im Islam das wichtigste Gebet der Woche und in seiner religiösen Bedeutung vergleichbar mit dem christlichen Sonntagsgottesdienst oder dem jüdischen Schabbat.“ Durch den Gebetsruf würden Muslime an das gemeinschaftliche Gebet erinnert. „Die Gemeinschaft hat bei den Muslimen einen hohen Stellenwert.“

Mansour kritisiert insbesondere, dass die Entscheidung von der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) einfach verkündet worden sei, ohne dass vorher eine Diskussion stattgefunden habe. Dabei gehe es hier doch um sehr grundsätzliche Fragen: „Welche Stellung hat der Islam in unserer Gesellschaft? Ist er wirklich gleichberechtigt? Wenn das so ist, dann müssten Muslime auch staatliche Feiertage einfordern können und vieles andere mehr. Und eben das wird jetzt geschehen: Die Konservativen fühlen sich bestätigt, sehen dies als einen wichtigen Schritt hin zur Islamisierung Europas und werden immer mehr fordern.“ Für Glaubensfreiheit sei natürlich jeder. „Aber den Muezzin-Ruf einfach nur in diesen Kontext zu stellen, ist sträflich naiv.“

dpa