Gegen den Muezzin-Ruf: Frauen demonstrieren oben ohne vor Kölner Moschee

Ist es Ausdruck von Religionsfreiheit oder ein "Punktsieg" islamistischer Hardliner? An der Kölner Zentralmoschee wurde am Freitag jedenfalls zum ersten Mal der Muezzin über Lautsprecher zum Gebet gerufen.
Erster Muezzinruf in Köln
Oben ohne demonstrierten Iranerinnen gegen den Muezzin-Ruf in Köln. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Erster Muezzinruf in Köln
Oben ohne demonstrierten Iranerinnen gegen den Muezzin-Ruf in Köln. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Mega-Wirbel um den Muezzin-Ruf an der Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld. Am Freitag (14. Oktober) hallte es erstmals „Allahu akbar“ durch die Gassen. Gegner des religiösen Novums in Deutschland demonstrierten auf der Venloer Straße.

Einige Menschen demonstrierten gegenüber der Moschee mit Sprechchören und Transparenten gegen den Muezzin-Ruf und die Unterdrückung von Frauen im Iran. Eines ihrer Transparente trug die Aufschrift: „Kein Muezzin-Ruf in Köln! Der öffentliche Raum sollte weltanschaulich neutral sein“.

Ermöglicht hatte den Ruf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Die parteilose Politikerin ist der Ansicht, dass der Ruf den Muslimen aufgrund der im Grundgesetz verbrieften Freiheit der Religionsausübung nicht verweigert werden kann.

Muezzin

Die gläubigen Muslime beim Freitagsgebet. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Abdurrahman Atasoy, stellvertretender Vorsitzender im Ditib-Bundesverband, sagte, man sei „sehr glücklich“ über den mit der Stadt Köln geschlossenen Vertrag. „Der öffentliche Gebetsruf ist ein Zeichen für die Beheimatung der Muslime.“ Aus „unsichtbaren und usseligen Hinterhofmoscheen“ hätten sie es nun in die Mitte der Gesellschaft geschafft. „Dass Muslime mit ihren repräsentativen Moscheen als sichtbarer und mit ihrem Gebetsruf als hörbarer Teil endlich gesellschaftlich angekommen und angenommen sind, ist die Kernbotschaft dieses langen Prozesses.“

Christen in der Türkei fühlen sich als „Bürger zweiter Klasse“

Die Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, Susanne Schröter, befürchtet dagegen, dass der öffentliche Muezzin-Ruf von „islamistischen Hardlinern“ als „Punktsieg“ verstanden werden könnte. „Die Befürchtung habe ich einfach“, sagte die Expertin am Freitag dem WDR. „Und dann, dass dieses Signal eben auch an den türkischen Präsidenten geht.“ Klar sei aber auch, dass in Deutschland die Religionsfreiheit gelte und auch die Freiheit der religiösen Praxis.

Die Ditib untersteht der türkischen Religionsbehörde. Die Kölner Zentralmoschee war 2018 von dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan persönlich eröffnet worden.

Das katholische Hilfswerk Missio teilte mit, man sehe den Muezzin-Ruf als „Zeichen von Normalität in einer offenen Gesellschaft“. Daraus erwachse für die Ditib allerdings auch die Verantwortung, sich in der Türkei für die Religionsfreiheit von Christinnen und Christen einzusetzen. Diese fühlten sich im Alltag oft als Bürger zweiter Klasse.

dpa