Mobile Gefängnisse und Urlaubssperre: So bereitet sich die NRW-Polizei auf die Fußball-EM 2024 vor

Die Polizei in NRW bereitet sich im Hintergrund bereits auf die Fußball-EM im kommenden Jahr vor. Eine Übersicht über die Pläne.
NRW-Polizist
Angehende Polizisten stehen im Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste. Foto: picture alliance / Bernd Thissen/dpa
Angehende Polizisten stehen im Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste. Foto: picture alliance / Bernd Thissen/dpa

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat ihre Pläne für die Fußball-EM 2024 veröffentlicht. So will man Störer in mobilen Gefängniszellen unterbringen, die zum Beispiel in leeren Werkshallen aufgebaut werden sollen. Laut Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) hat man von der WM 2006 noch 15 Sammelzellen übrig, nun sollen 16 weitere besorgt werden. Die Anschaffung reiht sich in die intensive Vorbereitung für das Fußballturnier ein.

„Sportliche Großveranstaltungen kennt die Polizei im Fußballland Nordrhein-Westfalen wie die eigene Westentasche. Von Sicherheitskonzepten bis zur Kräfteverteilung: Die Planungen für das Turnier haben schon vor drei Jahren begonnen“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) der Nachrichtenagentur dpa. Tatsächlich laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Einige Beispiele:

Mobile Gefängniszellen

Aus Konstruktionsskizzen der Polizei-Beschaffungsbehörde LZPD geht hervor, dass die Gitterkonstruktionen (2,20 Meter hoch) jeweils einen Platz von maximal 36 Quadratmeter haben. Die Module können aber auch zu kleineren Einheiten (8 Quadratmeter) zusammengebaut werden. Die neuen Zellen müssen laut LZPD mit den alten kombinierbar sein.

„Die Beschaffung von Mobilen Gefangenensammelzellen ist grundsätzlich zur Erhöhung der Gewahrsamskapazitäten für Einsätze in besonderen Lagen sowie auch im Hinblick auf die Uefa Euro 2024 vorgesehen“, so eine Sprecherin des LZPD auf Anfrage. Für die mobile Ausführung, wie sie jetzt gesucht wird, hat das Land NRW nach eigenen Angaben die Urheberrechte. Ein Ingenieurbüro hatte die Zellen demnach vor der WM 2006 entworfen.

Urlaubssperre

Während der EM gibt es laut Innenministerium eine „Dienstfrei- und Urlaubssperre“. Die Polizei in NRW werde dadurch „personell gut aufgestellt sein, um ein bestmögliches Sicherheitsniveau für die Bürgerinnen und Bürger und alle Zuschauerinnen und Zuschauer zu gewährleisten“, so eine Sprecherin des Ministeriums.

Wie viele Beamte wo tatsächlich im Einsatz sein werden, könne man noch nicht sagen: „Insbesondere weil die teilnehmenden Mannschaften und konkreten Spielbegegnungen in Nordrhein-Westfalen erst nach Abschluss der Qualifikationsrunde und der Auslosung der Gruppen am 2. Dezember in Hamburg feststehen“, so das Innenministerium. Spiele mit Mannschaften aus Ländern mit einer großen Hooligan-Szene werden mit mehr Polizisten bedacht als andere. Auch wenn sich Israel für die EM qualifizieren sollte, wäre das mit einem besonderen Sicherheitsaufwand verbunden.

Lagezentrum

In Neuss bei Düsseldorf wird zur EM ein sogenanntes „International Police Cooperation Center“ (IPCC) unter Leitung des Landes NRW eingerichtet, das für ganz Deutschland zuständig ist (es gibt insgesamt zehn Spielorte, davon vier in NRW). In dem Lagezentrum werden laut Innenministerium Polizeibeamte aus dem gesamten Bundesgebiet sowie internationale Verbindungsbeamte der teilnehmenden Länder und umliegenden Anrainer- und Transitstaaten ihren Dienst versehen.

Die Experten in dem Zentrum haben laut Ministerium die Aufgabe, „alle lagerelevanten polizeilichen Informationen zu den Spielen der Uefa Euro 2024 in Deutschland zu sammeln, zu bewerten und zu steuern und somit einen bestmöglichen bundesweiten polizeilichen Informationsaustausch zu gewährleisten. Zudem werde das IPCC den bundesweiten Einsatz zahlreicher internationaler Delegationskräfte aus ganz Europa koordinieren. Dass NRW das Lagezentrum steuert, hatte die Innenministerkonferenz beschlossen.

Tatsächlich spielt NRW aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine besondere Role, denn: „Gefühlt ist es eigentlich eine EM in Nordrhein-Westfalen“, sagte GdP-NRW-Chef Michael Mertens der dpa. Schließlich sei rund die Hälfte aller Spiele in NRW-Stadien (Düsseldorf, Köln, Dortmund und Gelsenkirchen) angesetzt. Die vierwöchige Urlaubssperre während der EM werde die Polizei ein ganzes Jahr belasten, so Mertens: „Die Kolleginnen und Kollegen müssen ihre Urlaubstage nun auf elf statt zwölf Monate verteilen, das ist nicht zu unterschätzen.“

Am Mittwochmorgen übten schon mal mehrere Hundertschaften der Polizei aus Köln, Aachen, Mönchengladbach und Bonn am Kölner Stadion einen Einsatz gegen Hooligans. Laut Polizei waren insgesamt 900 Beamte und Statisten bei der Großübung beteiligt.