Embryos vertauscht: Mutter bringt falsches Baby zur Welt

Der Alptraum einer jeden Mutter ist in Kalifornien für eine junge Frau zur Realität geworden: Daphne Cardinales trug ihr Kind neun Monate im Bauch – doch als ihre Tochter drei Monate alt ist, folgt durch einen DNA-Test der Schock: Das Baby ist gar nicht ihr leibliches Kind.
USA: Embryos vertauscht – Frau bekommt falsches Baby
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Ein kalifornisches Ehepaar hat eine auf künstliche Befruchtung spezialisierte Klinik verklagt, weil dort ihr Embryo mit dem eines anderen Paares verwechselt wurde. Der Irrtum führte dazu, dass die Frauen das Kind der anderen austrugen und bis zur Entdeckung des Fehlers drei Monate lang aufzogen. In der am Montag eingereichten Klage wird das California Center for Reproductive Health (CCRH) und sein Besitzer Dr. Eliran Mor des ärztlichen Kunstfehlers, Vertragsbruch, Fahrlässigkeit und Betrugs beschuldigt. Sie fordert einen Geschworenenprozess und nicht näher bezifferten Schadenersatz.

Sie habe ihren Ärzten und der Klinik vertraut, sagte Daphna Cardinale am Montag auf einer Pressekonferenz mit ihrem Mann Alexander zu ihrer Klage in Los Angeles. „Ich wurde überwältigt von Gefühlen der Angst, des Verrats, der Wut und des Herzeleids. Ich wurde der Möglichkeit beraubt, mein eigenes Kind zu tragen. Ich hatte nie die Gelegenheit, mit ihr zu wachsen und eine Bindung zu entwickeln in der Schwangerschaft, ihren Tritt zu spüren.“

Embryos vertauscht – was passiert nun mit den beiden Kindern?

Die Mädchen kamen Ende 2019 zur Welt, im Januar 2020 dann zu ihren richtigen Eltern. Die Cardinales hatten von Anfang an Zweifel, weil das Baby einen dunkleren Teint als sie selbst hatten. Sie unterdrückten diese aber und verliebten sich in den drei Monaten, bis ein DNA-Test die Identität klärte, in das Baby. Dem anderen Paar ging es auch so, es will aber vorerst anonym bleiben und plant eine ähnliche Klage.

Von der Klinik wollte sich am Montag niemand zu der Verwechslung äußern, Mor war nicht erreichbar. Verwechslungen wie diese kommen sehr selten vor. Aber es gibt sie. 2019 klagte ein kalifornisches Paar gegen eine andere Fruchtbarkeitsklinik, nachdem ihr Embryo irrtümlich einer Frau aus New York eingepflanzt wurde.

Die Babys waren vier Monate alt, als beide Paare im Januar 2020 den Tausch vornahmen und jeweils ihre biologischen Kinder zurückerhielten. „Ich habe dieses fremde Baby zur Welt gebracht, gestillt und geliebt, und dann musste ich es abgeben“, erklärte die Mutter unter Tränen. Zugleich habe sie die ersten Monate im Leben ihres eigenen Kindes verpasst.

Traumatisch sei dies auch für ihre damals fünfjährige Tochter gewesen, die plötzlich ihre kleine Schwester für ein anderes Baby aufgeben musste. „Das ist ein Alptraum, den unsere Familie ein Leben lang verfolgen wird“, sagte der Vater. Die beiden Familien versuchen nun, in Kontakt zu bleiben und „eine größere Familie zu schmieden“, sagte Daphna Cardinale. Ihr Mann sagte über das andere Paar: „Sie waren genauso in unsere biologische Tochter verliebt wie wir in ihre.“

AP/dpa