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In den 70er und 80er Jahren waren Bulger und seine Bande für zahlreiche Morde, Erpressung und Geldwäsche verantwortlich. Seine Geschichte inspirierte auch Hollywood. Ist er nun im Gefängnis einer vorsätzlichen Tötung zum Opfer gefallen?

Der berüchtigte US-Schwerverbrecher James „Whitey“ Bulger ist tot. Der 89-Jährige sei am Dienstag leblos in einem Gefängnis in West Virginia aufgefunden worden, teilte die US-Gefängnisbehörde mit. Eine Todesursache wurde zunächst nicht mitgeteilt. Der geschäftsführende Vizepräsident der Gefängnisgewerkschaft, Justin Tarovisky, sagte jedoch der Nachrichtenagentur AP, es seien Ermittlungen wegen Totschlags aufgenommen worden. Es würde sich demnach um die dritte Tötung in der Haftanstalt allein in diesem Jahr handeln.

Auch das Portal „TMZ“ hatte über eine Ermordung Bulgers berichtet. Demnach sei der im Rollstuhl sitzende Bulger nur wenige Tage nach der Verlegung in das Gefängnis von drei Männern in eine Ecke geschoben worden, die von Überwachungskameras nicht erfasst wird. Dort haben die Angreifer angeblich versucht, ihm die Augen auszustechen – eine in Mafiakreisen übliche Aktion. 

Bulger war einst einer der meistgesuchten Gangster der USA. Der aus Boston stammende Verbrecher galt als kaltblütiger Mafiaboss, der für mindestens elf Morde, Geldwäsche, Erpressung und andere Verbrechen in den 70er und 80er Jahren verantwortlich war. Gleichzeitig steckte er als Informant dem FBI Tipps über seine Rivalen von der Mafia in New England und stärkte so seine eigene Position.

In einem Atemzug mit Osama bin Laden genannt

Bulger floh 1994 aus Boston, nachdem sein FBI-Kontaktmann John Connolly ihn gewarnt hatte, dass er angeklagt werden sollte. Mehr als 16 Jahre lang befand er sich daraufhin auf der Flucht, auf seine Ergreifung war ein Kopfgeld in Höhe von zwei Millionen Dollar ausgesetzt. Auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher der USA stand sein Name unter dem von Osama bin Laden. Der Fall beschädigte auch den Ruf des FBI, dem vorgeworfen wurde, seine Verbrechen unter den Teppich gekehrt und ihn auch nach seiner Flucht nicht wirklich gesucht zu haben.

2011 wurde Bulger in Kalifornien gefasst, wo er fast die ganze Zeit über mit seiner Freundin gelebt hatte. 2013 wurde er wegen mehrfachen Mordes, Erpressung und Geldwäsche zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Zunächst saß er in einem Gefängnis in Florida, wurde aber erst kürzlich in die Strafanstalt in West Virginia versetzt, in der er nun tot in seiner Zelle aufgefunden wurde. Über die Gründe seiner Verlegung wollte die US-Gefängnisbehörde nichts sagen.

„Black Mass“ und „Departed“ basieren auf Bulgers Leben

Bulger mit seinem schillernden Leben war Vorbild für eine Reihe von Hollywood-Filmen, darunter „Black Mass“ mit Johnny Depp als Bulger und „Departed – Unter Feinden“, in dem eine an ihn erinnernde Rolle von Jack Nicholson verkörpert wurde. Er wuchs in dem Arbeiterviertel „Southie“ im Süden Bostons auf, wo er vielen der Anwohner als eine Art Robin Hood galt. Sein jüngerer Bruder William war jahrelang einer der einflussreichsten Politiker des Staates.

Die Witwe eines Mordopfers von Bulger sagte, sie würde den Tod des 89-Jährigen am liebsten mit Champagner feiern. Sie und ihre Familie seien sehr froh, dass der Mann nicht länger am Leben sei und sie seinen Namen nicht länger hören müssten, sagte Patricia Donahue dem US-Sender WBZ-TV. Ihr Mann Michael Donahue war 1982 getötet worden, als er einem Mann eine Mitfahrt angeboten hatte, der offenbar ins Visier von Bulger geraten war.

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(mit Agenturmaterial (dpa))